Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Niedersachsen: Jedes vierte Windrad hat weniger als 400 Meter Abstand
Nachrichten Der Norden

Jedes vierte Windrad in Niedersachsen hat weniger als 400 Meter Abstand

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:45 21.11.2019
Wie groß sollte der Abstand zwischen Wohnsiedlungen und Windrädern sein? Darüber debattiert nicht nur die niedersächsische Landesregierung. Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Hannover

Der im Bund diskutierte 1000-Meter-Abstand von Windenergieanlagen zu Wohnhäusern wird in Niedersachsen nur von einem Bruchteil der Anlagen erreicht. Von den 6431 Windrädern zwischen Nordsee und Harz halten nur 854 diesen Puffer ein.

Fast doppelt so viele - 1582 Anlagen - haben dagegen nicht einmal 400 Meter Abstand. Damit liegt rund jedes vierte Windrad im Land nur einen Fünf-Minuten-Spaziergang von Wohnhäusern entfernt. Das geht aus einer Auswertung des Energieministeriums in Hannover hervor.

Lesen Sie mehr: Ministerpräsident Weil warnt vor Ende der Windindustrie

Besonders in Ostfriesland ist der Abstand geringer

Niedersachsen ist das Windland Nummer eins, nirgendwo in Deutschland stehen mehr Windräder. Auf den Plätzen folgen Brandenburg (3825 Anlagen), Nordrhein-Westfalen (3738) und Schleswig-Holstein (3661). Eine bundesweite Auswertung des Abstands zur Wohnbebauung liegt laut Bundesverband Windenergie bisher allerdings nicht vor.

Den regionalen Schwerpunkt der Windkraft bildet der Nordwesten Niedersachsens an der Küste vor den ostfriesischen Inseln. Dort, im Landkreis Aurich, stehen auch besonders viele Windenergieanlagen mit weniger als 400 Metern Abstand zu Wohnsiedlungen.

Karten des Umweltministeriums zeigen zudem, wie sich der Anteil der Landesfläche in Niedersachsen, der für Windkraft genutzt werden kann, mit den unterschiedlichen Mindestabständen verändert. So wären mit dem 1000-Meter-Abstand nur 3,61 Prozent nutzbar - bei 800 Metern wären es 6,75 Prozent und bei 400 Metern sogar 20,62 Prozent.

Lesen Sie mehr: Wie nah ist zu nah? So diskutieren Leser

Weil will weiterhin auf Windkraft setzen

Die Bundesregierung sieht in der Abstandsregelung ein Instrument, das die Akzeptanz der Windenergie in der Bevölkerung erhöhen soll. Die Branche kritisiert das Vorhaben jedoch, da die verfügbare Fläche drastisch reduziert werde. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat schon angekündigt, von einer Öffnungsklausel Gebrauch zu machen: Das Land werde die 1000-Meter-Regel nicht übernehmen.

Die Erzeugung der Windenergie ist besonders umweltfreundlich und damit auch wichtig, um die Klimaziele der Politik zu erreichen. Bis 2030 will die Bundesregierung den Anteil des Ökostroms am Stromverbrauch von zuletzt 43 Prozent auf 65 Prozent steigern. Dafür müssten nach Berechnungen des Energieverbands BDEW jährlich zwischen 2,9 und 4,3 Gigawatt aus Windenergieanlagen an Land zugebaut werden.

Ausbau stockt gewaltig

Der Ausbau der Windkraft an Land ist in den vergangenen Monaten allerdings fast zum Erliegen gekommen. Für 2019 erwartet der Bundesverband Windenergie nur noch einen Zubau von maximal 1 Gigawatt. Von 2014 bis 2017 waren hatte der Onshore-Zubau noch 4,6 Gigawatt erreicht.

Die Krise der Windbranche ist auch ein Wirtschaftsfaktor. Nach Angaben von Ministerpräsident Weil, der den Wind als „Rohstoff des Nordens“ bezeichnet, sind in den vergangenen drei Jahren bereits mehr als 40 000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Zuletzt kündigte der Anlagenbauer Enercon aus Aurich an, rund 3000 Stellen abzubauen, davon etwa die Hälfte in Ostfriesland. „Wenn es so weitergeht, dann wird es in Zukunft keine deutsche Windindustrie mehr geben“, warnte Weil Anfang der Woche in einer Regierungserklärung im Landtag.

Von RND/dpa

Ein Haus wurde beschädigt, Verletzte gab es nicht: Ein leichtes Erdbeben hat am Mittwochabend viele Menschen im Landkreis Verden aufgeschreckt. Es soll mehrere Erschütterungen gegeben haben.

21.11.2019

Niedersachsens Hochschulen könnten massive Kürzungen vom Land ins Haus stehen. Davor warnt jedenfalls der Vorsitzende der Landeshochschulkonferenz, Prof. Wolfgang-Uwe Friedrich. Etwa 6000 Studienplätze wären nach seiner Berechnung betroffen.

21.11.2019

Claus Ivens hat ein Herz für die Trauerseeschwalbe. Am Beispiel der gefährdeten Vogelart zeigt der Eiderstedter Landwirt, was scheinbar kleine Eingriffe des Menschen in die Natur für Folgen haben. Ein Teil aus unserer Serie „Nicht meckern, machen“.

21.11.2019