Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Kälte: Helfer fordern mehr Wohnraum für Obdachlose
Nachrichten Der Norden Kälte: Helfer fordern mehr Wohnraum für Obdachlose
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:01 20.01.2019
Hannover: Ein Obdachloser liegt unter einer Eisenbahnunterführung. Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Hannover

Angesichts der kalten Temperaturen verschärft sich auch die Lage der Obdachlosen. Experten der Wohnungslosenhilfe in Niedersachsen und Bremen haben erneut mehr Wohnraum für die Betroffenen gefordert. Angebote wie ein Kältebus oder das kostenlose Fahren in öffentlichen Verkehrsmitteln seien zwar hilfreich, reichten aber nicht aus, sagte Bremens Landesdiakoniepastor Manfred Meyer. Obdachlose seien durch das jahrelange Leben auf der Straße häufig erkrankt. „Bei diesen Temperaturen werden sie oft noch kränker.“

Auch Norbert Herschel von der Zentralen Beratungsstelle Wohnungslosenhilfe der Diakonie in Hannover nannte den Wohnungsmarkt als Hauptproblem. Wie bundesweit sei auch in Hannover zu erwarten, dass die Zahl der Obdachlosen in den kommenden Jahren steige. In der Landeshauptstadt leben seinen Schätzungen zufolge etwa 400 Menschen auf der Straße und rund 4000 Menschen seien ohne Wohnung. Erst kürzlich habe zwar die Stadt Hannover eine zusätzliche Unterkunft eröffnet. Die dortigen Mehrbettzimmer und die damit verbundene Angst vor Diebstahl erschwerten vielen den Zugang.

Weiterlesen: So können Sie Obdachlosen helfen

Vielerorts gibt es noch freie Plätze in den Unterkünften. In den städtischen Unterkünften in Hannover sind einer Sprecherin zufolge derzeit 1246 Obdachlose untergebracht. Notschlafplätze für Männer und Frauen würden vorgehalten, die Zahl der Belegung variiere allerdings von Nacht zu Nacht. In Bremen gibt es der Inneren Mission zufolge insgesamt 169 Plätze für Männer und Frauen. „Wer will, bekommt überall noch einen Bettplatz“, sagte der Leiter der Wohnungslosenhilfe Bertold Reetz.

In Braunschweig sind nach Angaben der Stadt rund 73 Prozent der Unterkünfte für Frauen, Familien und alleinstehende Männer belegt. Für jeden Menschen, der ungewollt wohnungslos geworden sei und bei der Stadt Hilfe suche, beschaffe die Verwaltung eine Notunterkunft, sagte ein Sprecher. „Das ist ihr gesetzlicher Auftrag.“ Zusätzlich gebe es zahlreiche Angebote freier Träger wie einen Tagestreff und ein Heim der Diakonie oder Beratungsstellen. In Braunschweig lebten zum vergangenen Jahresende rund 182 Menschen in den städtischen Unterkünften, im Jahr 2017 waren es noch 223.

Experte: Direkten Kontakt suchen

In Oldenburg ist die Belegung in den Unterkünften wie in den vergangenen Wintern „relativ hoch“, sagte ein Sprecher. Insgesamt bietet die Stadt 43 Schlafplätze, neun Wohnungen für Familien und eine Wohnung mit vier Betten für Obdachlose mit Hund an. Auch in Göttingen hält die Stadt Unterbringungsplätze für wohnungslose Frauen und Männer frei und hat nach eigenen Angaben noch Kapazitäten frei.

Herschel zufolge könne auch jeder Bürger insbesondere in den kommenden Tagen den Obdachlosen helfen. Wichtig sei dabei, nicht einfach eine Geldspende zu geben, sondern den direkten Kontakt zu suchen. So könne man Nachfragen und die Betroffenen beispielsweise auf eine gemeinsame Erbsensuppe oder einen Cappuccino einladen. Vielleicht könne auch eine Einrichtung animiert werden, die Türen für einen warmen Aufenthaltsort zu öffnen.

Von RND/epd/frs

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Je länger Finanzämter Steuererklärungen bearbeiten, desto mehr warten Bürger oft auf mehrere tausend Euro an Rückzahlungen. In Niedersachsen dauert es besonders lange – aber es gibt innerhalb des Bundeslandes erhebliche Unterschiede.

20.01.2019

Knapp 200 Menschen haben am Sonnabend in Lingen gegen den Weiterbetrieb der Brennelementefabrik in Lingen demonstriert. Dort hatte es im Dezember einen Brand gegeben, dessen Ursache noch immer nicht geklärt werden konnte.

19.01.2019

Fünf Menschen wurden bei einem Verkehrsunfall auf der Autobahn 1 bei Oyten am Sonnabend teils schwer verletzt. Wenig später sorgte ein angeblicher Falschfahrer kurze Zeit für Aufregung.

19.01.2019