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Keine Staumeldungen mehr im DLF – Deutschlandfunk schafft Verkehrsfunk ab

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11:45 01.02.2020
Wer hört im Auto noch den Verkehrsfunk? Der Deutschlandfunk schafft ihn jetzt ab. Quelle: Christin Klose/dpa
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Hannover

Am 23. April 1961 lief die erste Verkehrsmeldung überhaupt im deutschen Radio: Es ging um eine sechs Kilometer lange Autobahnbaustelle zwischen Köln und Leverkusen, und seit dem 25. März 1964 sendete auch der Deutschlandfunk Durchsagen über Verkehrsstörungen.

Fast 60 Jahre später stellt der Sender den Service nun ein. Am 1. Februar ist Schluss – Begründung: Nicht mehr zeitgemäß. Mit der gewonnenen Zeit will der Deutschlandfunk sein Nachrichtenangebot ausbauen. Die Verkehrsmeldungen schlucken jeden Tag 30 Minuten Sendezeit.

Nutzwert fraglich

Navigationsgeräte und Apps auf Mobiltelefonen liefern heute Verkehrsinformationen in Echtzeit – der Deutschlandfunk sieht darum keinen Mehrwert mehr in bundesweiten Verkehrsnachrichten. Quelle: Foto: Bodo Marks/dpa

Der Nutzwert bundesweiter Verkehrsmeldungen habe in Zeiten von Navigationsgeräten mit Echtzeitinformationen deutlich abgenommen, heißt es zur Begründung von Programmdirektor Andreas-Peter Weber. Eine Umfrage unter den Hörern habe ergeben, dass Zweidrittel die Verkehrsnachrichten nicht für wichtig erachten.

Auch beim ADAC in Niedersachsen hält man die Einstellung des bundesweiten Verkehrsfunks für nicht so tragisch – ganz anders schätzt Sprecherin Christine Rettig jedoch den Wert lokaler Verkehrsnachrichten ein. „Die bundesweiten Verkehrsnachrichten sind nicht immer relevant für Autofahrer. Regionale Verkehrsmeldungen sollten aber weiter gesendet werden.“

„Wertvoller als der Algorithmus“

Christine Rettig, Sprecherin des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt. Quelle: Isabell Massel

Der Wert qualifizierter Meldungen zum Beispiel über eine Vollsperrung in wenigen Kilometer von Menschen, die sich auskennen, sei auch in Zeiten von Echtzeitnavigation nicht zu unterschätzen, sagt Rettig. „Das Verständnis der Autofahrer steigt, wenn sie wissen: Was ist da los, warum und wie lange wird es noch dauern? Lohnt sich die Umfahrung? Das ist oft wertvoller als die Information eines Algorithmus.“ Der ADAC appelliert an die lokalen Radios, weiter Verkehrsnachrichten zu senden.

Bei Antenne Niedersachsen bleibt laut Programmdirektor Carsten Hoyer alles, wie es ist: „Regionale Verkehrsnachrichten sind für uns nach wie vor ein wichtiges Programmelement, zumal unser Sender vor allem auch im Auto gehört wird. Im Gegensatz zu vielen Apps und bundesweiten Anbietern kennen wir auch den Grund für den Stau und können unserer Hörern sagen, was passiert ist und wann die Strecke wieder frei ist.“ Von ffn ist nichts anderes bekannt.

„Wichtiger denn je“

Der NDR findet sogar, Verkehrsmeldungen im Radio seien angesichts der Zunahme des Verkehrs wichtiger denn je. Es gibt daher nach Angaben einer Sprecherin keine Überlegungen, den Service abzuschalten. Er sei ein journalistisches Angebot, das nicht nur für die Autofahrer von Interesse sei. „Er informiert auch darüber, was in der unmittelbaren Umgebung passiert, warnt die Menschen bei Feuer oder Überschwemmungen, bildet Gesprächsstoff.“ Die Warnung vor Falschfahrern im Radio sei immer noch der schnellste und effektivste Weg, um höchste Aufmerksamkeit zu erzeugen. 87 Prozent der Autofahrer nutzten laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitcom den Verkehrsfunk.

Vielen wird dennoch der bundesweite Service fehlen – der Verkehrsfunk im Deutschlandfunk ist eine Art Institution. Er bringt den Hörern Orte näher, die die meisten wahrscheinlich nie bereisen werden, Dramen spielen sich vor dem inneren Auge ab, es gibt viel Lustiges und auch Trauriges zu hören. Was steckt hinter der Vermisstenmeldung? Warum hat der Lkw in der Wanderbaustelle Dresden Wilder Mann Spanngurte verloren? Wie kommen die vier Kamele auf die A96 bei München, das Bett auf die Fahrbahn bei Poppenhausen, und warum fährt ein Rasenmäher auf der linken Spur bei Dresden?

Von traurig bis humorvoll reagiert auch das Netz:

„80 Prozent der Namen habt ihr euch doch ausgedacht und gibt es gar nicht.“ @theofino1 auf Twitter

„Vielleicht gibt es dann gar keine Staus mehr?“ (Huhn/Ei) @ichsachma auf Twitter

„Oh nein! Alles, was ich über deutsche Geografie weiß, weiß ich aus diesen Staumeldungen.“ @Carla_Baum auf Twitter

„Was?! Die meisten Orte in Deutschland, kenne ich nur aus den Staumeldungen im DLF.“ @schnublinski auf Twitter

„ So Kinder, tuppert euch das ein. Ab morgen ist das Geschichte. Mein Autofahrerherz blutet ein bisschen. am liebsten hört man dann doch die Staus (ab 7 Kilometer), in denen man selbst nicht steht..“ @ostwestkonflikt auf Twitter

„Guten Morgen Kinder, Geographietest. Zeichnet die Orte, die hier gesprochen werden, in die Karte ein. Viel Erfolg.“ @juergen_hd auf Twitter

„Ich werde Krefeld-Gartenstadt und Krefeld-Oppum sehr vermissen...“ @Lambsdorff auf Twitter

„Orte meiner Kindheit, erst Jahrzehnte später in die reale Welt gesickert. Danke für die wunderbare, letzte Lesung.“ @Nihilistin_BER auf Twitter

„Nie wieder Flohto-West.“ @vandishedher0 auf Twitter

Von Karl Doeleke

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