Kriminalität in Niedersachsen: Zahl der Straftaten auf Tiefstand
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Der Norden Corona-Effekt: Zahl der Straftaten in Niedersachsen sinkt auf Tiefstand
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Kriminalität in Niedersachsen: Zahl der Straftaten auf Tiefstand

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11:45 22.03.2021
„Die Entwicklung ist sehr erfreulich“: Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (kleines Bild) meldet einen starken Rückgang der Straftaten.
„Die Entwicklung ist sehr erfreulich“: Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (kleines Bild) meldet einen starken Rückgang der Straftaten. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand, Julian Stratenschulte (dpa, Archiv)
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Die Corona-Pandemie sorgt für mehr Sicherheit in Niedersachsen. Die Zahl der Straftaten ist im vergangenen Jahr auf einen historischen Tiefstand gesunken. Seit 1990 gab es nie weniger Straftaten als 2020. Gleichzeitig erreicht auch die Aufklärungsquote einen neuen Rekordwert. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik 2020 hervor, die Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Montag präsentierte. „Diese Entwicklung ist sehr erfreulich“, sagte Pistorius. Durch Corona habe es „schlichtweg weniger Gelegenheit“ für Kriminalität gegeben.

Pistorius: Wir leben in sicheren Zeiten

Nach der Statistik blieb die Zahl der Straftaten 2020 erstmals unter einer halben Million (497.158 Fälle) – zwei Prozent weniger als 2019. Die Aufklärungsquote steigt auf 64,28 Prozent ­– laut Pistorius ein absoluter Höchstwert seit Beginn der Erfassung. Vor 30 Jahren wurden nicht einmal die Hälfte der Straftaten aufgeklärt. Die Zahl der Taten pro 100 000 Einwohner sinkt auf 6.219. „Die auf ein historisches Tief gesunkene Gesamtkriminalität bei gleichzeitig gestiegener Aufklärungsquote belegt, dass wir auch unter Berücksichtigung des Corona-Effektes in sicheren Zeiten leben“, betonte der Innenminister.

Rückgang der Einbruchsdelikte um 18 Prozent

Besonders stark macht sich der Corona-Effekt bei den Einbrüchen bemerkbar. Laut Statistik wurde im vergangenen Jahr 7738 Wohnungseinbruchdiebstähle an die Polizei gemeldet, das sind etwa 18 Prozent weniger als 2019. Zum Vergleich: Noch vor fünf Jahren lag diese Zahl bei 16.575. Auch die Aufklärungsquote konnte auf knapp 25 Prozent gesteigert werden. „Der Vergleich mit den Fallzahlen von vor fünf Jahren ist extrem beeindruckend“, sagte Pistorius. Einen Anteil an dem starken Rückgang hätten sicherlich auch der Lockdown und das Homeoffice. Dazu kämen die Kontrollen der Polizei und immer bessere bauliche Sicherungsmaßnahmen.

„Kaum Gelegenheiten für Einbrüche“: Niedersachsens Innenminister lobt „sichere Zeiten“, in denen wir gerade leben. Quelle: Daniel Maurer, dpa (Symbolbild)

Häusliche Gewalt nimmt stark zu

Während die Gewaltkriminalität insgesamt um rund 7000 Fälle gesunken ist, steigt die so genannte häusliche Gewalt weiter an. Die Polizei registriert in diesem Bereich zwar seit zehn Jahren eine Zunahme, die Pandemie hat aber offenbar einen zusätzlichen negativen Effekt. Die innerfamiliären Konflikte hätten sich zugespitzt, sagte Landespolizeipräsident Axel Brockmann. „Wer ohnehin häusliche Gewalt erleidet, ist jetzt noch gefährdeter als vorher.“

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Im vergangenen Jahr wurden laut Brockmann 21.509 Opfer polizeilich registriert – eine Zunahme um 1343 Fälle. 29 Menschen seien durch häusliche Gewalt ums Leben gekommen, darunter 24 Frauen. „Je schwerer die ausgeübte Gewalt ist, desto männlicher ist sie“, sagte Brockmann. Immerhin habe sich die Anzeigebereitschaft der Bevölkerung bei häuslicher Gewalt deutlich erhöht. „Diese Zahlen machen mich betroffen und sind ein Beleg dafür, dass die Gewalt insbesondere von Männern gegenüber Frauen gesellschaftlich noch viel breiter diskutiert werden muss“, sagte Pistorius.

Kriminalität verlagert sich ins Internet

Auch Polizeibeamte selbst sind im Corona-Jahr häufiger Opfer von Straftaten geworden. Laut Brockmann wurden 3.548 Fälle registriert, 9 Prozent mehr als 2019. Zuwächse habe es insbesondere bei Widerstand und tätlichen Angriffen gegeben. Die Gewalt gegen Rettungsdienste nimmt dagegen leicht ab. In 2020 wurden 216 Fälle registriert (im Vorjahr 244).

Und noch ein Corona-Effekt: Mehr Kriminalität hat sich ins Internet verlagert. Die Polizei registrierte eine höhere Zahl von Fake-Shops und kriminellen Spendenaufrufen sowie einen Anstieg bei Phishing-Mails. In der Kriminalstatistik 2020 wurde mit 42.785 Fällen (plus 24 Prozent) ein Höchstwert für Straftaten im Internet registriert.

Von Marco Seng