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Krimineller Clan bedroht Polizistin in Peine – bis sie wegzieht

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23:01 24.06.2020
Über einer Peiner Shisha-Bar am Friedrich-Ebert-Platz hat die Polizistin gewohnt.
Über einer Peiner Shisha-Bar am Friedrich-Ebert-Platz hat die Polizistin gewohnt. Quelle: PAZ-Redaktion
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Peine

Es klingt wie ein Thriller aus dem Kino, aber es ist die bittere Realität in Peine: Eine junge Polizistin wird so lange von Mitgliedern eines kriminellen Clans bedroht, bis sie schließlich aus ihrer Wohnung am Friedrich-Ebert-Platz auszieht und sich zudem in eine andere Dienststelle versetzen lässt – jenseits von Peine. Den Fall, über den zuerst die „Bild“ berichtet hatte, bestätigten die Polizei und das niedersächsische Innenministerium am Donnerstag im Wesentlichen gegenüber der Peiner Allgemeine (PAZ). Konkrete Einzelheiten wollte die Peiner Polizei nicht bestätigen, Sprecher Matthias Pintak räumte aber ein, dass das Auto einer Kollegin in vier Fällen beschädigt wurde. Und: „Die Straftaten stehen mutmaßlich auch im Kontext der Clan-Kriminalität.“

Auto zerkratzt, Reifen zerstochen, bedroht

Nach PAZ-Informationen soll die Polizistin aus Nordrhein-Westfalen nach ihrem Wechsel zum Kommissariat Peine ausgerechnet in eine Wohnung oberhalb einer beim Clan beliebten – aktuell nicht geöffneten – Peiner Shisha-Bar eingezogen seien. Das missfiel den Clan-Mitgliedern offenbar. Die Frage, ob die junge Frau nicht vor dieser Adresse gewarnt worden sei, ließ das Innenministerium am Donnerstag unbeantwortet. Nach PAZ-Informationen soll die Polizistin später bei einer Corona-Schutzmaßnahmenkontrolle in der Bar in ihrem Wohnhaus von Gästen des Etablissements erkannt worden sein. In der Folge zerkratzten offenbar Clan-Mitglieder den Lack ihres Autos, zerstachen ihr die Reifen und bedrohten sie. „Einmal wurde der Beamtin zudem mit dem Zerstören der Fensterscheibe ihrer Wohnung gedroht“, verriet ein Sprecher des Ministeriums.

Laut „Bild“ zog die Polizistin aufgrund der Einschüchterungen schließlich aus ihrer Wohnung aus und ließ sich nach Salzgitter versetzen. „Das Fatale daran ist, dass das im Auge der Clan-Mitglieder ein Sieg gegen den Staat ist“, kommentiert der ARD-Investigativjournalist und Clankriminalitätsexperte Olaf Sundermeyer den Peiner Fall.

Polizei-Leiter betont: Lassen uns nicht einschüchtern

Ob die Polizistin tatsächlich umzog und die Dienststelle wechselte, wollte das Innenministerium „zur Gewährleistung der Sicherheit der Beamtin“ nicht verraten. Der Leiter der Polizeiinspektion Salzgitter/Peine/Wolfenbüttel, Volker Warnecke, betonte aber, dass sich die Polizei nicht einschüchtern lasse: „Die Beamtinnen und Beamten der Polizei Peine werden auch weiterhin mit Unterstützung benachbarter Dienststellen meiner Inspektion und auch unter Beteiligung anderer Polizeidienststellen unter Ausschöpfung aller rechtlichen Möglichkeiten gegen Personen einschreiten, die sich nicht an die bestehenden Gesetze halten“, erklärte Warnecke am Donnerstag. Einschüchterungsversuchen werde die Polizei konsequent entgegentreten. Und: „Die Bekämpfung der Clan-Kriminalität ist ein Schwerpunkt unserer Arbeit.“

Bürgermeister ist bestürzt

Auch Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius reagierte auf den Fall: „Die bekannt gewordenen Vorkommnisse in Peine verurteile ich auf das Schärfste“, erklärte er. Es sei nicht hinzunehmen, wenn Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte, genauso wie alle anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im öffentlichen Dienst oder in vergleichbaren Bereichen, bedroht, attackiert und beleidigt würden. „Wir treten dieser Form von Kriminalität, die sich gerade dadurch auszeichnet, dass sie den Rechtsstaat nicht akzeptiert und ihre Vertreterinnen und Vertreter einzuschüchtern versucht, entschlossen und konsequent mit allen rechtsstaatlichen Mitteln entgegen“, versicherte der Minister.

Peines Bürgermeister Klaus Saemann (SPD) reagierte bestürzt auf die Vorkommnisse und stellte ebenfalls klar: „Die Einschüchterung durch kriminelle Übergriffe von Clan-Mitgliedern ist in unserer Stadt in keiner Weise hinnehmbar.“

Von PAZ-Redaktion/RND

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