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Der Norden Alles nur ein Missverständnis? Edeka entfernt Werbeplakate nach Protest von Bauern
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Lebensmittel: Edeka entfernt Werbeplakate nach Protest von Bauern

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19:39 27.01.2020
Protest gegen Plakat: Traktoren stehen Sonntagabend vor einem Edeka-Großlager in der Nähe von Oldenburg. Quelle: Nord-West-Media TV/dpa
Hannover

Affront gegen Landwirte oder bloß ein missglückter Slogan? Eine Plakatwerbung der Lebensmittelkette Edeka hat für weitreichende Empörung unter Bauern gesorgt. Auch aus der Politik hagelte es Kritik an dem Werbeplakat, auf dem der Komiker Otto Waalkes zum 100-jährigen Bestehen der Regionalgesellschaft Edeka Minden-Hannover wirbt. Der Spruch: „Essen hat einen Preis verdient: den niedrigsten“. Etwa 250 Landwirte blockierten daraufhin mit ihren Traktoren in der Nacht zu Montag das Großlager der Handelskette in Wiefelstede (Kreis Ammerland). Edeka selbst sprach von einem Missverständnis.

Traktoren blockieren Zufahrtsstraßen

Nach Angaben des Landvolks hatten Landwirte aus dem Landkreis Oldenburg, dem Ammerland, Friesland und der Wesermarsch mit ihren Traktoren die Zufahrtsstraßen des Edeka-Zentrallagers in Wiefelstede-Neuenkruge versperrt. Sie forderten Edeka auf, sich zu entschuldigen und bis Mittwoch 18 Uhr die Werbeplakate zu entfernen. Zu Zwischenfällen kam es laut Polizei nicht. Die Proteste dauerten vom späten Sonntagabend bis etwa 4 Uhr am Montagmorgen.

„Diese Aussage befeuert die Geiz-ist-geil-Mentalität“, kritisierte Landvolk-Präsident Albert Schulte to Brinke. Mit Wertschätzung von Lebensmitteln und der Arbeit der Landwirte habe das nichts zu tun. „Es sind genau solche Aktionen, die uns Landwirte darin bestärken, den aktuellen Druck aufrechtzuerhalten und weiter auf unsere Situation aufmerksam zu machen.“

Politiker kritisieren Kampagne

Auch CDU-Landtagsfraktionschef Dirk Toepffer kritisierte die Kampagne als „beschämend“. Wer im Jahre 2020 bei Lebensmitteln den niedrigsten oder „supergeilsten“ Preis fordere, solle nicht mit der Botschaft „wir lieben Lebensmittel“ werben. Toepffer forderte von Edeka einen Stopp der Kampagne.

SPD-Fraktionschefin Johanne Modder sprach von einem „Schlag ins Gesicht“ aller regionalen Erzeuger. Der richtige Preis sei definitiv nicht der niedrigste. „Der Protest der Landwirte gegen Ramschpreis-Kampagnen bei Lebensmitteln ist mehr als verständlich“, erklärte Grünen-Fraktionsvize Miriam Staudte. Die Kritik von Bauernpräsident Schulte to Brinke sei aber unglaubwürdig, weil er sich wiederholt gegen höhere Preise ausgesprochen habe.

Was ist gemeint? Essen oder der Ort Essen?

Edeka beteuerte dagegen am Montagnachmittag, mit dem Slogan sei gar nicht Essen im Sinne von Lebensmitteln gemeint, sondern der Ort Essen bei Oldenburg. Ziel der Kampagne sei es, alle Ortschaften im Absatzgebiet – wie etwa auch Minden oder Bremen – „individuell anzusprechen“. Die angekündigten Preisreduzierungen gingen nicht zu Lasten der Landwirte. Die betreffenden Plakate seien aber entfernt worden. „Es war nie unsere Absicht, mit unserer Kampagne Landwirte und Erzeuger zu verärgern.“

Otto macht Werbung: Auch die Variante mit Oldenburg hat Edeka aufgelegt. Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

In der Tat gibt es auch andere Plakate aus der Kampagne mit anderen Orten – etwa Cloppenburg, Molbergen und Oldenburg. Beim Bauernverband heißt es, die anderen Plakate seien bekannt, das Beispiel Essen sei am plakativsten.

Edeka Minden-Hannover kündigte an, kurzfristig mit Vertretern der Landwirte sprechen zu wollen – darunter auch die Bewegung „Land schafft Verbindung“ und dem Landvolk Niedersachsen.

Spitzentreffen im Kanzleramt

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) kündigte unterdessen an, dass Billigangebote für Lebensmittel im Handel am kommenden Montag Thema eines Spitzentreffens im Kanzleramt sein werden. „Es ist wie David gegen Goliath, wenn Bauern mit dem Handel verhandeln“, erklärte Klöckner am Montag. Der Handel beklage zwar, dass Verbraucher nicht mehr bezahlen wollten, setze aber selbst immer mehr Tiefstpreise. Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) wollte sich auf Nachfrage nicht zur Edeka-Kampagne äußern.

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