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Lehrergewerkschaft: GEW-Chefin Laura Pooth tritt zur Wiederwahl an

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20:00 26.10.2019
Will weitermachen: GEW-Vorsitzende Laura Pooth tritt am Montag zur Wiederwahl an. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Das Gesicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bleibt weiblich. Vor zwei Jahren war Laura Pooth, damals 39 Jahre alt, als erste Frau an der Spitze der Bildungsgewerkschaft angetreten. Sie sei ein neues Gesicht, bringe frischen Wind in die GEW, hieß es damals. Beim Landesdelegiertentag in Celle, zu dem rund 250 Mitglieder erwartet werden, stellt sie sich am Montag zur Wiederwahl. Einen Gegenkandidaten gibt es nicht, es sei denn jemand stellt sich in Celle spontan zur Wahl. Das ist aber eher nicht zu erwarten, denn man hört viel Positives über Pooths bisherige Arbeit, nicht nur innerhalb der Gewerkschaft, sondern auch von Menschen, die der GEW sonst eher kritisch gegenüberstehen.

„Na klar will ich weitermachen“, sagt die inzwischen 41-Jährige. „Ich habe mich doch gerade erst warmgelaufen, ich habe Lust und Energie, das anzupacken, was wir gemeinsam in den Schulen unbedingt regeln müssen.“

„Keine One-Woman-Show“, sondern alles gemeinschaftlich

„Gemeinsam“ – das ist ein Wort, das ihr wichtig ist. „Wir alle sind die GEW, eine One-Woman-Show wird es mit mir nicht geben“, hatte sie vor zwei Jahren nach ihrer Wahl gesagt. Und das ist auch heute noch ihr Credo: „Gemeinsam stecken wir uns Ziele, und gemeinsam versuchen wir diese zu erreichen.“ Sie hat Bündnisse mit den anderen Lehrerverbänden geschmiedet, pflegt gute Kontakte nicht nur zu Rot-Grün, sondern auch zu CDU und FDP.

Ihr Vorgänger Eberhard Brandt war 14 Jahre lang GEW-Vorsitzender gewesen. Ein mächtiger Vorsitzender. Hinter vorgehaltener Hand wurde geraunt, er sei eine Art heimlicher Neben-SPD-Kultusminister. Das hatte nicht mehr allen gefallen. In seine letzte Amtsperiode war er nicht mehr mit den üblichen 85 oder 90 Prozent Bestätigung, sondern nur noch mit 64 Prozent gegangen. Mit ihrem charmanten Lächeln und ihrer verbindlichen Art erschien Pooth wie jemand, der die 30.000 Mitglieder zu neuen Ufern führen könnte.

Mehr Entlastung und mehr Geld für Grundschullehrer

Und die Hoffnung scheint aufzugehen. Grundsätzlich geht es ihr um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Lehrern. Konkret meint Pooth, dass das Land endlich eine neue Arbeitszeitverordnung mit weniger Pflichtstunden und mehr Entlastung herausgeben müsse. Grund-, Haupt und Realschullehrkräfte müssten endlich auf A 13 hochgestuft werden und genauso viel verdienen wie Sonderpädagogen und Lehrkräfte an Gymnasien. Die rund 1000 therapeutischen und pädagogischen Beschäftigten an Schulen, die nur 60- bis 80-Prozent-Verträge hätten, aber gern Vollzeit arbeiten würden, müssten dies auch endlich können. Zudem sollten Lehrer ab 55 Jahren eine Stunde weniger unterrichten müssen, bislang gibt es diese Altersermäßigung erst ab 60 Jahren.

Erste Erfolge gibt es schon

Erste Erfolge könne sie bereits verbuchen, sagt Pooth, vielleicht auch weil im September 2018 rund 2500 Lehrer in Hannover protestiert haben und eine Online-Petition von vier Grundschullehrerinnen für mehr Gehalt auf mehr als 31.500 Unterstützer kam.

Ab Sommer 2020 bekommen nach A 12 bezahlte Lehrkräfte monatlich einen Zuschlag von 94 Euro monatlich: „Das ist ein erster guter Schritt, aber ein zeitlich konkret festgelegter Stufenplan hin zu A 13 wäre noch besser“, sagt die 41-Jährige. Auch die Jahressonderzahlung, die Beamte ab dem nächsten Jahr erhalten, im Schnitt rund 300 Euro jährlich sieht sie positiv.

Nach 16 Jahren werde immerhin für 400 der 1000 Mitarbeiter die „Zwangsteilzeit“ beendet. Dies betreffe vor allem Therapeuten und pädagogische Mitarbeiter an Förderschulen. Wichtig sei, dass alle Beschäftigten, die Vollzeit arbeiten wollten, dies auch könnten, betont Pooth. Denn in den Klassen werde eine zweite Kraft dringend benötigt.

Keine Tablets in den Grundschulen

Die Digitalisierung des Unterrichts betrachtet Pooth mit Skepsis. An der Grundschulen haben ihrer Meinung nach digitale Endgeräte nichts zu suchen, sagt die Mutter eines elfjährigen Sohnes. Auch sieht sie den Trend zu immer mehr Vergleichbarkeit und zentralen Prüfungen kritisch. „Früher habe ich mit meiner zehnten Klasse an der Hauptschule Friedrich Dürrenmatt gelesen und Rollenspiele dazu gemacht, als die zentralen Abschlussprüfungen eingeführt wurden, habe ich sie auf Ankreuztests hin trainiert. Mehr Bildung habe ich ihnen vorher mitgegeben.“

Als Lehrerin hat Laura Pooth in den vergangenen Jahren zusehends weniger gearbeitet. Um so wichtiger ist es für sie, was andere Pädagogen ihr von den Zuständen an den Schulen erzählten.

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