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Lesen macht stark: Niedersachsens Schüler sollen besser lesen lernen

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19:30 30.01.2020
Wer besser liest, schreibt auch besser: Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) will an Grundschulen die Kernkompetenzen stärken. Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

Niedersachsen will mit einem neuen Programm die Lesefähigkeit der Schüler fördern. Bei dem Projekt „Lesen macht stark“ machen ab Sommer 156 Schulen mit – Grundschulen genauso wie Gymnasien, Oberschulen, Realschulen und Gesamtschulen. Es gehe darum, frühzeitig zu erkennen, ob Kinder Schwierigkeiten beim sogenannten Schriftspracherwerb hätten, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Montagabend vor Journalisten in Hannover. Dann würden ihnen individuelle Vorschläge zur Förderung der Lese- und Rechtschreibfähigkeiten gemacht. Das Programm laufe bereits seit einigen Jahren erfolgreich in Schleswig-Holstein, dort beteilige sich bereits jede zweite Grundschule. Bei bundesweiten Vergleichen schneide Schleswig-Holstein in puncto Lese- und Rechtschreibfähigkeiten seitdem auch besser ab.

Lehrer als Lesecoaches

In Niedersachsen starten zunächst 156 Schulen bei „Lesen macht stark“. In der Region Hannover sind es die Integrierte Gesamtschule Badenstedt, das Gymnasium Herschelschule, die Evangelische Gesamtschule Wunstorf, die Gymnasien Isernhagen und Langenhagen sowie die Grundschulen Am Lindener Markt, Mengendamm, Heinrich-Wilhelm-Olbers, Gartenheimstraße und In der Steinbreite (Hannover) sowie die Wilhelm-Raabe-Grundschule in Sehnde-Ilten, die Grundschule Hämelerwald-Sievershausen (Lehrte) und die Löwenzahnschule in Uetze-Dollbergen.

In den nächsten Monaten sollen die Lehrer zu Lesecoaches qualifiziert werden, und ab dem Schuljahr 2020/21 erhalten die Schüler Lernmaterialien, mit denen das Lesen verstärkt geübt wird. Mehrmals pro Halbjahr gebe es „sehr schlanke Tests“, mit denen die Fortschritte der Kinder kontrolliert werden. Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt und soll zugleich auch wissenschaftlich evaluiert werden. Lehrer, die daran teilnehmen, bekommen entsprechende Entlastungsstunden.

„Lesen macht stark“ stärke die Kernkompetenzen, die Schüler beherrschen müssten, sagte Tonne: „Lesen, Schreiben, Rechnen – das muss schlicht sitzen.“ Wer gut lesen könne und das, was er gelesen habe, auch verstehe, habe bessere Bildungschancen. Dadurch würden auch die Rechtschreibfähigkeiten besser.

Grüne: Brennpunktschulen besser ausstatten

Von der Opposition gibt es scharfe Kritik an dem Projekt: Nicht einzelne, sondern alle Schüler müssten gefördert werden. So sagte Julia Willie Hamburg (Grüne): „Und wieder setzt der Kultusminister auf ein öffentlichkeitswirksames Modellprojekt, anstatt für alle Schulen das Problem der Lesekompetenz anzupacken.“ Die geplanten Freistunden und Entlastungsmaßnahmen reichten nicht aus, um Lehrern genügend Freiräume für die Umsetzung des Leseprogramms zu geben. Stattdessen seien generell mehr Ressourcen für die Sprachförderung, eine extra Ausstattung von Brennpunktschulen über einen Sozialindex und mehr herkunftssprachlicher Unterricht nötig, weil wissenschaftlich erwiesen sei, dass Kinder die deutsche Sprache besser lernen, wenn sie ihre Herkunftssprache beherrschten.

FDP fordert: Eine Stunde mehr Deutsch für alle

Björn Försterling (FDP) bemängelte: „Das Programm ist ein reines Feigenblatt des Kultusministers. Einerseits, weil 2652 niedersächsische Schulen und deren Schülerinnen und Schüler unberücksichtigt bleiben, obwohl auch deren Lesekompetenz gefördert werden sollte. Andererseits ist es Kernaufgabe der Schulen, den Kindern Lesen beizubringen. Wenn dafür jetzt ein Sonderprogramm notwendig ist, dann bedeutet es nur das Scheitern der bisherigen Schulpolitik. Statt eines Programms für wenige Schulen und Schüler braucht es eine Stunde Deutsch mehr pro Woche in der Grundschule für alle.“

Tonne entgegnet, dass die Vermittlung von Lesefähigkeiten auch weiterhin Hauptaufgabe von Deutschlehrern an Grundschulen bleibe. Es gehe nicht um eine Neuausrichtung des Unterrichts, sondern lediglich um einen weiteren Baustein, schwächere Schüler besser zu unterstützen.

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