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Der Norden Nach Masern-Todesfall: Gesundheitsministerin weiter gegen Impfpflicht
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Masern-Todesfall im Kreis Hildesheim - Debatte um Impfpflicht

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09:14 08.05.2019
Kommt die verpflichtende Masern-Impfungen für Kita- und Schulkinder? Quelle: Marius Becker/dpa
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Hannover

Trotz eines Masern-Todesfalls im Landkreis Hildesheim lehnt Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann eine gesetzliche Impfpflicht weiter ab. „Dieser Todesfall ist tragisch. Der Familie gilt meine Anteilnahme und mein Beileid“, sagte die SPD-Politikerin. Er zeige einmal mehr, dass Masern keine harmlose Erkrankung seien und wie wichtig der Impfschutz sei. „Auch in diesem Fall sehen wir, dass eine Impfpflicht für Kinder am eigentlichen Problem vorbeigeht, die größten Impflücken bestehen bei Erwachsenen“, betonte Reimann. Deshalb sollten alle nach 1970 geborenen Menschen ihren Masern-Impfschutz kontrollieren und gegebenenfalls nachholen.

Weiterlesen: So ist die Impfquote gegen Masern in Ihrer Region

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Wie am Dienstag bekannt wurde, hatte sich die 30 bis 40 Jahre alte Person im Landkreis Hildesheim noch impfen lassen, nachdem im Umfeld der Familie eine Masernerkrankung aufgetreten war. Jedoch hatte sich der oder die Betroffene vorher schon angesteckt.

Bundesgesundheitsminister will Impfpflicht

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will verpflichtende Masern-Impfungen für Kita- und Schulkinder mit Geldstrafen bis 2500 Euro und einem Ausschluss vom Kita-Besuch durchsetzen. Die Impfpflicht soll ab 1. März 2020 gelten, wie aus einem Gesetzentwurf hervorgeht.

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Eine erste Obduktion des im April gestorbenen Patienten ergab, dass Wildviren, nicht Impfviren, die Infektion ausgelöst hatten. „Die Impfung hat die Infektion nicht mehr verhindert. Sie ist zu spät gekommen“, sagte die Sprecherin des Landesgesundheitsamtes, Dagmar Ziehm.

Aus Datenschutzgründen teilt der Landkreis keine näheren Informationen zum Opfer mit. Wie die „Hildesheimer Allgemeine Zeitung“ berichtet, handelt es sich um eine Frau, die mit ihrem Mann und ihren Kindern in der Nähe von Hildesheim lebte.

Impfschutz fehlt – zwei Schulmitarbeiter müssen zu Hause bleiben

Nach einem Masernfall an der Grundschule Lüneburger Damm in Hannover gibt es unterdessen leichte Entspannung: 18 Mitarbeiter können Mittwoch wieder zur Arbeit gehen. Ein Bluttest ergab, dass sie ausreichend Immunschutz gegen Masern aufweisen. Hingegen dürfen 30 Kinder und zwei Erwachsene nicht zur Schule gehen. Sie sind nicht ausreichend gegen die Krankheit geschützt.

Masern: Krankheitsverlauf

Masern sind eine der ansteckendsten Krankheiten. Sie können schon durch einen kurzen Kontakt oder Einatmen übertragen werden – Sprechen, Husten, Niesen setzt die Erreger frei.

Die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbrechen einer Infektionskrankheit liegt zwischen sechs und 21 Tagen. Bereits drei bis fünf Tage nach der Ansteckung ist die Krankheit ansteckend.

In dieser Zeit treten auch die ersten Symptome auf: Krankheitsgefühl, Appetitverlust, Husten, Schnupfen und Fieber.

Nach weiteren drei bis fünf Tagen tritt der charakteristische Ausschlag auf. Unmittelbar davor ist die Ansteckungsgefahr am größten.

Der Ausschlag bleibt etwa vier bis sieben Tage bestehen, es dauert aber mindestens sechs Wochen, bis der Körper sich vollständig erholt hat.

Eine Masernerkrankung hinterlässt lebenslange Immunität.

Die Gefahr einer Masernerkrankung besteht darin, dass die Viren schwere Lungenentzündungen, Hirn- oder Hirnhautentzündungen hervorrufen können. Daraus können dauerhafte Lähmungen, Sprechstörungen und andere gefährliche Defekte entstehen.

Zwei Impfungen im Kleinkindalter führen zur lebenslangen Immunität. Die erste Impfung sollte im Alter zwischen elf und 14 Monaten erfolgen, die zweite im Alter von 15 bis 23 Monaten.

Von RND/dpa/sen/frs