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Der Norden Infektionsexperte: „Die Impfung kam wohl zu spät“
Nachrichten Der Norden

Masern-Toter im Kreis Hildesheim: Infektionsexperte vermutet, Impfung kam zu spät

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00:19 10.05.2019
Quelle: Karin Kaiser/MHH
Hannover

Der Infektionsexperte Matthias Stoll warnt davor, Masern zu unterschätzen. Dem Virus sei nur schwer zu entkommen – und eine Infektion belaste das Immunsystem so sehr, dass schwere Folgeerkrankungen drohen.

Herr Prof. Stoll, im Kreis Hildesheim ist eine Person gestorben, die Masern hatte. Sie ist noch acht Tage vor ihrem Tod gegen Masern geimpft worden. Kann man auch durch die Impfung mit den Lebendviren so sehr Schaden nehmen, dass man stirbt?

Nein. Es klingt danach, dass die Impfung zu spät gekommen ist. Die Person war offenbar den Masernviren ausgesetzt, und dann ist eine Impfung in die Inkubationszeit hinein ein Wettlauf mit der Zeit. Man muss annehmen, dass das natürliche Virus schneller war. Das Gefürchtete an der Maserninfektion – die übrigens bei Erwachsenen oft komplikationsträchtiger verläuft als bei Kindern – ist, dass es im Verlauf zu einer bakteriellen Infektion kommt. Am häufigsten sind Lungenentzündungen. Beides zusammen führt gar nicht so selten zu einem Aufenthalt auf der Intensivstation. Und es kann auch zum Tode führen.

Warum gilt Masern als Kinderkrankheit, wenn sie bei Erwachsenen schwerer verläuft?

Masern waren bis in die Siebzigerjahre, dem Beginn der Masernimpfungen, eine klassische, hochansteckende Krankheit, die wir damals als Kinder meist bis zum Vorschulalter bekommen haben. Danach besaßen wir lebenslange Immunität. Wer aber nicht immun und nicht geimpft ist, kann Masern auch noch im hohen Lebensalter bekommen.

Gibt es denn eine Möglichkeit außerhalb von Impfungen, sich gegen Masern zu schützen?

Einen effektiven anderen Schutz gibt es nicht. Das Masernvirus ist das weitverbreitete, im höchsten Maße ansteckende Virus, das uns Menschen betrifft. Sie können ihm kaum aus dem Wege gehen. Da müssten Sie schon als Einsiedler leben. Es gibt keine vorbeugenden Medikamente, und ein normaler, gängiger Mundschutz reicht auch nicht.

Was sagen Sie den Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen wollen, weil sie Impfung als Verletzung der körperlichen Unversehrtheit betrachten?

Ich würde ihnen sagen, dass das keine gute Idee ist. Nicht zu impfen ist viel gefährlicher, als zu impfen. Die Krankheit selbst ist keinesfalls harmlos. Eine Lebendimpfung kann zwar auch Komplikationen hervorrufen. Aber diese sind nicht nur viel, viel seltener – um nicht zu sagen: hypothetischer – sondern auch weniger schwerwiegend als die möglicherweise sogar tödlichen Folgen beim nicht geimpften Kind, das Masern bekommt.

Als Nebenerkrankung bei Masern können leicht Lungenentzündungen auftreten, wie Sie gesagt haben, aber auch Hirnhautentzündungen. Warum sind solche Krankheiten mit den Masern verknüpft?

Zum einen liegt es daran, dass akute Masern nicht immer nur eine harmlose Erkrankung mit ein bisschen Fieber und Hautausschlag sind, sondern auch schwerer verlaufen können. Zum anderen bedeuten Masern eine starke Auseinandersetzung fürs Immunsystem, sie sind also eine starke Belastung. Die SSPE-Enzephalitis, die Hirnentzündung, ist noch mal ein Sonderfall, der meist sehr junge Menschen trifft, die noch gar nicht geimpft werden konnten.

Ich bekomme also andere Entzündungen, weil mein Immunsystem durch die Masern so geschwächt ist, dass es die Bakterien nicht mehr abwehren kann?

Ja.

Sie sind sehr fürs Impfen, aber nicht für eine Impfpflicht?

Ich befürworte die empfohlenen Impfungen. Es ist fast verrückt, dass Reiseimpfungen beliebt sind, die empfohlenen Impfungen aber mit einem Achselzucken übergangen werden. Doch zwangsweise? Die Impflücke, das sind ja nicht die Kinder, das sind die vielen, die seit 1970 durch die Maschen gefallen sind. Menschen wie vermutlich die Person, die jetzt verstorben ist. Sie hat vielleicht anfangs nicht mal gewusst, dass sie nicht geimpft war. Es ist nicht in den Köpfen. Das ist das Hauptproblem. Das Wichtigste ist Überzeugungsarbeit für das Impfen.

Mehr zum Thema: An Masern erkrankter Mensch in Hildesheim gestorben

Von Bert Strebe

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