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Medizinische Versorgung: Kliniken in Niedersachsen warnen vor Versorgungslücken

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18:30 28.10.2019
Viele Kliniken in Niedersachsen würden gerne Notfallversorgung sowie ambulante und stationäre Versorgung enger verzahnen. Quelle: Jens Büttner/dpa
Hannover

Ob Fachkräftemangel, Fallpauschalen oder fehlende Fördermittel – viele Krankenhäuser in Niedersachsen haben mit großen Problemen zu kämpfen. Um weiterhin die medizinische Versorgung gewährleisten zu können, fordern die Kliniken vom Land mehr Geld und einen Bürokratieabbau. Vertreter von Krankenhäuser warnten am Montag bei einer Sitzung der Enquetekommission des Landtags zur medizinischen Versorgung vor Schließungen, Versorgungslücken und Überregulierung. Die Enquetekommission arbeitet an Vorschlägen zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Niedersachsen.

Mehr Geld für Digitalisierung notwendig

So beklagte Monika Müller, Klinikdezernentin in Wolfsburg, dass das städtische Krankenhaus mehr Geld brauche, um die Digitalisierung zu stemmen. Das Klinikum mit seinen 547 Betten sei ein Betrieb mit einer „kritischen Infrastruktur“ und müsse deshalb viel in die IT-Sicherheit investieren. Claus Eppmann, Geschäftsführer der Klinikgemeinschaft Aurich-Emden-Norden, betonte, dass die Infrastruktur der Krankenhäuser mit den zu verarbeitenden Datenmengen völlig überfordert sei. „Ich wäre aber schon froh, wenn ich zwischen unseren drei Standorten ein durchgängiges Mobilfunknetz hätte.“

In Ostfriesland werden die Probleme der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum und der Mangel an Fachärzten besonders deutlich. Weil die drei Standorte mit 891 Betten und 2400 Mitarbeitern nicht rentabel sind, soll eine moderne Klinik in der Mitte gebaut werden. „Die drei Häuser machen hohe Verluste“, sagte Eppmann. Wegen des Fachkräftemangels habe der Kreißsaal im Klinikum Emden geschlossen werden müssen. Hebammen von außen seien teuer.

Honorarkräfte sind teuer und sorgen für Unruhe

Auch das Klinikum Wolfsburg muss laut Müller immer mehr Honorarkräfte bezahlen, weil die Mitarbeiter überlastet sind. Das koste Millionen und sorge für Unruhe in der Belegschaft. Müller forderte das Land auf, die Krankenhäuser nach Bedarf zu finanzieren und nicht nach Kassenlage. „Die Verlässlichkeit in den Kliniken ist gefährdet.“ Auch durch Abwerbungen von Privatkliniken. Laut Müller schreiben zwei Drittel der Krankenhäuser in Niedersachsen rote Zahlen.

Dass auch kleine Kliniken überlebensfähig sein können, betonte der Leiter des Kreiskrankenhauses Osterholz, Klaus Vagt. Die Patientenbindung sei das wichtigste, erklärte Vagt. „Eine Mischung aus Grundversorgung und Spezialisierung bringt Erfolg.“ Das Personal würde durch familiäre Strukturen, flache Hierarchien und Tarifbindung gehalten. Vagt bezweifelt aber, dass die heutigen Fallpauschalen künftig ausreichen, bei denen die Krankenkassen für jeden Behandlungsfall die gleiche Summe zahlen.

Werbung für Verbünde und Gesundheitszentren

Einig sind sich die alle Klinikvertreter darin, dass künftig ambulante und stationäre Behandlung von Patienten enger zusammenwachsen müssen. Müller schlug dafür die Förderung von Verbünden oder Gesundheitszentren vor. Eppmann sagte, in Ostfriesland werde die stationäre Behandlung in der neuen Klinik zentralisiert, eine Teil der alten Standorte aber für ambulante Versorgung genutzt. In Osterholz seien bereits seit 2006 Fachärzte am Krankenhaus angesiedelt, betonte Vagt.

„Die Anhörung hat deutlich gemacht, dass das bisherige Denken in der Krankenhausplanung in starren Sektoren Notfallversorgung, ambulante und stationäre Versorgung längst nicht mehr zeitgemäß ist“, kommentierte die Grünen-Abgeordnete Meta Janssen-Kucz. „Medizinischer Fortschritt, demografischer Wandel und die damit einhergehenden veränderten Patientenbedürfnisse zwingen dazu, die Krankenhausbedarfsplanung grundlegend zu überdenken.“

Großteil der stationären Versorgung in Privatkliniken

Laut Gesundheitsministerium werden ein Viertel der 172 Krankenhäuser mit rund 40 Prozent der Kapazitäten (40.057 Planbetten und 2322 teilstationäre Plätze) in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft geführt. Der überwiegende Teil der stationären Krankenhausversorgung erfolgt durch freigemeinnützige und private Träger.

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Von Marco Seng

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