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Der Norden Niedersachsen: Corona-Lockdown für Suchtkranke besonders gefährlich
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Niedersachsen: Corona-Lockdown für Suchtkranke gefährlich

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10:31 05.04.2021
Eine junge Frau sitzt hinter leeren Bierflaschen.
Eine junge Frau sitzt hinter leeren Bierflaschen. Quelle: Alexander Heinl
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Hannover

Für suchtkranke Menschen in Niedersachsen stellt der Lockdown in der Corona-Krise ein ernsthaftes Problem dar. „Jobängste oder die neue Situation Home-Office mit gleichzeitiger Kinderbetreuung sind für viele Menschen eine hohe Belastung“, sagt Tobias Trillmich von der Niedersächsische Landesstelle für Suchtfragen in Hannover. Suchtmittel wie beispielsweise Alkohol seien für viele eine Hilfe beim Umgang mit Depressionen und Einsamkeit. „Gerade für süchtige Menschen ist außerdem ein geregelter Tagesablauf und Ablenkung wichtig. Wenn Sport oder Hobbys wegfallen, fehlen oft die Alternativen“, sagte Trillmich.

Zwar würden Gelegenheitstrinker seit dem Lockdown seltener zur Flasche greifen, weil es so gut wie keine Feste, Feiern oder Veranstaltungen gibt. Für bereits alkoholkranke Menschen mache es aber keinen großen Unterschied. Getränke sind in Supermärkten und Getränkemärkten immer verfügbar. „Wer vorher viel getrunken hat, macht das auch im Lockdown weiter“, sagte Trillmich.

Seit Lockdown melden sich vermehrt Angehörige

Alkoholismus sei weit verbreitet, aber nicht die gefährlichste Droge, sagte der Experte. Auf Platz eins der Todesfälle durch Drogen stehe weiterhin der Konsum von Tabak. Illegalen Drogen wie Heroin und Kokain haben ein sehr hohes Abhängigkeitsrisiko. Die Preise dafür auf dem Markt hatten sich laut Trillmich kaum verändert, der illegale Handel sei vom Lockdown kaum betroffen und laufe wie vorher weiter.

Wie viele Menschen in Niedersachsen wirklich suchtkrank sind, lasse sich nur sehr schwer sagen, da auch nur eine geschätzt kleine Anzahl von ihnen überhaupt den Kontakt zu einer Beratungsstelle sucht. Im Jahr 2019 hatten laut der letzten Erhebung der Niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen rund 50.000 Niedersachsen Kontakt mit einer ihrer Beratungsstellen. Dort habe man seit dem Lockdown gemerkt, dass sich vermehrt Angehörige von Süchtigen meldeten.

„Face-to-Face-Beratung“ besonders wichtig

„Wenn man mehr Zuhause ist und vielleicht auf engsten Raum miteinander wohnt, fällt der Konsum natürlich eher auf“, sagte Trillmich. Schwierig sei vor allem auch die Beratung. Einzel- und Gruppenberatungen waren im ersten Lockdown nicht möglich. Vieles musste per Telefon gemacht werden. Dabei sei besonders eine „Face-to-Face-Beratung“ wichtig. Mittlerweile können sich kleinere Gruppen wieder treffen. Andere Beratungsangebote wurden in Online-Konferenzen verlegt. In Niedersachsen gibt es 75 vom Land geförderte Suchtberatungsstellen.

Von RND/dpa/Dierk Bullerdieck