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Niedersachsen will Fach Werte und Normen an allen Grundschulen einführen

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19:54 30.10.2019
Alternative zum Religionsunterricht: Bislang wird Werte und Normen erst ab dem 5. Schuljahrgang angeboten. Quelle: Friso Gentsch/dpa
Hannover

Die rot-schwarze Landesregierung plant eine größere Reform an den Grundschulen. Das Fach Werte und Normen soll in Niedersachsen künftig als ordentliches Unterrichtsfach und Alternative zum Religionsunterricht an allen 1700 Grundschulen angeboten werden. Bisher war es nur an 40 Schulen ein Probefach, darunter an sechs Grundschulen in der Region Hannover. Wie das Kultusministerium am Mittwoch mitteilte, soll die Umstellung bis zum Schuljahr 2025/2026 abgeschlossen sein. Bislang wird Werte und Normen erst ab dem 5. Schuljahrgang angeboten.

25 Prozent der Schüler ohne Konfession

„Wir müssen die Realität zur Kenntnis nehmen, dass die religiös-konfessionelle Bindung abnimmt und rund zehn Prozent der Schülerinnen und Schüler an Grundschulen an keinem Religionsunterricht teilnehmen“, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). Mit dem Fach Werte und Normen solle künftig Unterricht und ethische Bildung statt Betreuung für diejenigen Schüler angeboten werden, die keinen Religionsunterricht besuchen. Laut Ministerium gehören inzwischen 25 Prozent der Schüler in Niedersachsen keiner Konfession mehr an. Zum Vergleich: 1985 waren es nur sechs Prozent.

Tonne betonte, dass der Religionsunterricht in Niedersachsen trotz dieser Entwicklung nicht abgeschafft werden soll. „Der Religionsunterricht ist als einziger Unterricht grundgesetzlich verankert.“ Er habe auch im niedersächsischen Schulgesetz einen besonderen Stellenwert. „Daran wird auch nicht gerüttelt“, sagte der Kultusminister. Wer einer Religionsgemeinschaft angehört, ist in Niedersachsen grundsätzlich verpflichtet, am Religionsunterricht seiner Gemeinschaft teilzunehmen. Diese Verpflichtung entfällt bei schriftlicher Abmeldung.

Mareike Wulf, stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, hält das Vorhaben des Kultusministers im Grundsatz für richtig. Allerdings dürfe der konfessionelle Religionsunterricht in keiner Weise darunter leiden. Zudem dürfe es in Zeiten des Lehrermangels mit Einführung eines neuen Schulfachs nicht zu weiteren Verwerfungen in der Unterrichtsversorgung kommen. „Fertig ausgebildete Lehrer sind schwer zu bekommen und wenn, sollten sie zunächst den bisherigen Bedarf decken“, sagte Wulf.

Kirchen betonen Bedeutung des Religionsunterrichts

Die christlichen Kirchen reagierten gelassen auf die Reformpläne. „Wir sehen in dem Fach Werte und Normen keine Konkurrenz zu unserem Religionsunterricht, an dem die Schülerinnen und Schüler nach wie vor gerne teilnehmen“, sagte der Leiter des Katholischen Büros Niedersachsen, Felix Bernard, der HAZ. Das Land müsse aber dafür Sorge tragen, dass der Religionsunterricht dadurch „in keinster Weise eingeschränkt“ werde.

„Ich sehe das gelassen“, sagte Kerstin Gäfgen-Track von der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen der HAZ. Es sei gut, dass es beide Fächer gebe. Gäfgen-Track warnte davor, dass Gegner des Religionsunterrichts jetzt dessen Abschaffung fordern könnten. „Ich sehe aber nicht, dass das Land das in irgendeiner Weise beabsichtigt.“ Der Religionsunterricht sei nicht das Glaubensbekenntnis der Kirchen, sondern ein Ort, um Erfahrungen auszutauschen und sich mit anderen Positionen auseinanderzusetzen.

Lehrer müssen weitergebildet werden

Das Alternativfach wurde im Schuljahr 2017/2018 erstmals an zehn Grundschulen zur Probe eingeführt. Die zweite Probephase mit jetzt 40 Schulen läuft noch bis Ende dieses Schuljahres. Danach sollen in einer Übergangsphase Fachberater gewonnen und Lehrkräfte weitergebildet werden. Der Studiengang Werte und Normen müsse auf das Lehramt an Grundschulen ausgeweitet werden, sagte Tonne.

Ab dem Schuljahr 2021/2022 sollen dann pro Jahr rund 400 Schulen in 400 Klassen/Gruppen mit der Einführung im 1. Schuljahrgang beginnen können. Der Werte und Normen-Unterricht soll wie das Fach Religion zweistündig erteilt werden. Laut Tonne sind dafür bis zur vollständigen Einführung an allen Grundschulen rund 120 neue Lehrerstellen nötig. „Es ist noch viel zu tun“, sagte der SPD-Politiker. „Ich bin sehr optimistisch, dass dies gelingen wird.“

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Von Marco Seng

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