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Der Norden Nord-Ostsee-Kanal für große Schiffe gesperrt
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Nord-Ostsee-Kanal nach Schaden in Schleusen für Schiffe gesperrt

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20:19 21.09.2019
Von Frank Behling
Die beiden großen Schleusen in Brunsbüttel sind ausgefallen. Nur noch kleine Schiffe können den Kanal passieren. Quelle: Frank Behling
Brunsbüttel

Die ersten Schiffe haben nach dem Bekanntwerden der Nachricht sofort abgedreht. Weitere Reeder überlegen, wie sie Container mit Schffen aus der Ostsee nach Hamburg und Bremerhaven bekommen sollen.

"Wir versuchen mit allen Mitteln Taucher für eine Untersuchung des Schleusentores in Brunsbüttel zu erreichen", sagt Detlef Wittmüß, Amtsleiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Brunsbüttel. Es wird aber damit gerechnet, dass erst ab Montag mit Dienstbeginn bei dem Amt die Taucher zur Verfügung stehen.

Hindernis auf den Schienen vermutet

Das elbseitige Schleusentor der großen Südschleuse hatte am Nachmittag Probleme gemacht. Der Schleusenmeister meldete eine erhöhte Stromaufnahme der Torantriebe. Die schweren Tore werden mit Elektromotoren bewegt.

Wenn die Stromaufnahme steigt, ist dies in der Regel ein Hinweis auf einen Widerstand auf den Schienen am Boden der Schleuse, auf denen Wagen die rund 1100 Tonnen schweren Tore fahren. In der Vergangenheit waren es meist Steine oder Schlick, die für dieses Problem sorgten.

Die zweite Kammer, die große Nordschleuse, ist wegen eines Wechsels der Torunterwagen ebenfalls außer Betrieb. Deshalb ist der Nord-Ostsee-Kanal jetzt für Schiffe mit mehr als 125 Metern Länge nicht mehr passierbar.

Task Force nicht einsatzbereit

Um das Probleme zu beseitigen, braucht man aber das Taucherschiff des Amtes mit Personal. Seit 16 Uhr versucht die Amtsleitung deshalb Taucher und die Besatzung des Taucherschiffs zu erreichen. "Leider waren wir bislang nicht erfolgreich. Da es keine Rufbereitschaft gibt, ist es am Wochenende nicht so einfach, die Mitarbeiter zu erreichen", so Wittmüß

Zuletzt gab es 2013 einen Ausfall von zwei großen Schleusenkammer gleichzeitig. Damals war der Nord-Ostsee-Kanal fast zwei Wochen für große Schiffe nicht passierbar. Das hatte damals heftige Proteste bei den großen Seehäfen Hamburg und Bremerhaven, Schiffsmaklern und Reedereien ausgelöst.

Damit sich der Fall von 2013 nicht wiederholen sollte, kündigte der damalige Bundes-Verkehrsminister Peter Ramsauer (SCU) die Bereitstellung einer "Task Force" an und bewilligte elf zusätzliche Stellen für die Schleusen.  "Diese Stellen sind längst durch die vielen altersbedingten Abgänge aufgebraucht", so Wittmüß.

Zwar stehen Taucher von privaten Firmen aus Hamburg und Kiel zum sofortigen Einsatz bereit, doch dies wird aus Sicherhheitsgründen abgelehnt. "Ohne eine sicherheitstechnische Unterweisung durch bauwerkskundiges Fachpersonal darf da niemand ins Wasser. Das ist viel zu gefährlich", so Wittmüß.

"Das ist keine gute Situation. Und wurde eine Taskforce versprochen", so Martin Finnberg, Ältermann der Lotsenbrüderschaft NOK II aus Kiel. Seine Kollegen sind jetzt zum großen Teil arbeitslos. Ohne große Schiffe im Kanal verdienen die Lotsen kein Geld, da sie Freiberufler sind.