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Der Norden Zu viel gefangen: Zwangspause für Krabbenfischer
Nachrichten Der Norden Zu viel gefangen: Zwangspause für Krabbenfischer
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17:03 06.05.2019
Der Krabbenfischer Jan Tjado Gosselaar steht auf dem Bug seines Kutters „Flamingo“. Weil die Lager der Großhändler voll sind, müssen Krabbenfischer in Norddeutschland eine Zwangspause einlegen. Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Dornum

Im Hafen im ostfriesischen Greetsiel reiht sich Kutter an Kutter. Viele Krabbenfischer sind schon fertig mit ihrer Arbeit. Auch die grüne „Flamingo“ von Jan Tjado Gosselaar ist schon wieder da. Gosselaar – 49 Jahre, strubbeliges graues Haar, Ohrringe und Kapuzenpulli – fährt nur noch zwei bis drei Tage pro Woche auf die Nordsee. Dann hätten er und seine Crew eineinhalb Tonnen Krabben zusammen. Mehr nimmt ihnen der Handel derzeit nicht ab. Im Sommer bleiben die Kutter für sechs Wochen ganz in den Häfen.

Seit Monaten tiefgekühlt

Der Grund dafür liegt mehr als ein halbes Jahr zurück. Im Herbst 2018 fingen die Fischer ungewöhnlich viele Nordseekrabben. So viel, dass die Tiefkühllager der Großhändler noch immer voll sind. Der Markt sei mit Nordseekrabben überversorgt, sagt Matthias Keller vom Bundesverband der deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels in Hamburg.

Vergangenes Jahr habe es keinen Fisch in der Nordsee gegeben, der den Krabbenbestand dezimiert hätte, sagt Gosselaar. Innerhalb weniger Wochen sei der Bestand explodiert, und die Fischer hätten viel rausgezogen. Im September signalisierte der Handel, dass zu viel gefangen werde, erinnert sich Gosselaar. Die Fischer beschränkten sich demnach auf 3,5 Tonnen Krabben pro Kutter und Woche und beschlossen Fangpausen an den Wochenenden.

Anders machten es Gosselaar zufolge die niederländischen Kollegen. Dort hätten sich die Fischer auf 36 Stunden pro Woche auf See geeinigt. „Das hat die Sache ein bisschen schwierig gemacht, weil die Menge nicht kalkulierbar war“, sagt der Greetsieler. Das Ergebnis: Die Kollegen jenseits der Grenze hätten pro Woche bis zu acht Tonnen Krabben in die Häfen gebracht. „In dem Moment waren sie die Glücklichen“, sagt Gosselaar. „Ausbaden müssen wir das jetzt alle.“

Die niedrigere Fanggrenze und die Pause im Sommer machen den Fischern Sorgen. „Das ist schon eine gewisse finanzielle Bedrohung“, sagt Gosselaar. Eineinhalb Tonnen Krabben pro Woche seien bei der derzeitigen Preislage das absolute Minimum. Rund 2,80 Euro bekomme er für ein Kilogramm. „Da bleibt am Ende des Monats nichts übrig“, sagt der Vater von fünf Kindern. Seine Rücklagen aus dem vergangenen Herbst werde er dieses Jahr wahrscheinlich aufbrauchen. Der eine oder andere Kollege, bei dem größere Reparaturen anfielen, bekomme hingegen „arge Probleme“.

Ein schlechtes Jahr droht

Dirk Sander von der Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer rechnet nicht damit, dass sich an der Fanggrenze von eineinhalb Tonnen pro Woche und Schiff dieses Jahr noch viel ändern werde. „Im Moment ist da keine Lösung in Sicht“, sagt er. Zuerst müssten die Lagerbestände verkauft werden. Für die Fischer rechne er mit „einem ganz schlechten Jahr“. So wird sich im Greetsieler Hafen in den kommenden Monaten wohl noch öfter Kutter an Kutter reihen.

Von Sonja Wurtscheid

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