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Der Norden Protest am VW-Werk: Aktivisten harren im Globus aus
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Protest am VW-Werk in Wolfsburg: Aktivisten stoppen Zug vor VW-Werk und seilen sich von Brücke ab

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06:57 14.08.2019
Protest in der Eingangshalle der Autostadt. Quelle: imago
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Wolfsburg

Konzertierte Aktion: Eine größere Gruppe von Umweltaktivisten aus dem gesamten Bundesgebiet hat die Gleise vor dem VW-Werk blockiert. Ziel war es offenbar, einen Zug mit zur Auslieferung bestimmten VW-Fahrzeugen zu stoppen. Am späten Nachmittag schritt die Polizei ein – und räumte die Brücke. Einige Demonstranten bleiben sogar über Nacht in der Autostadt.

++ Der Ticker zum Nachlesen++:

An Gleisen festgekettet

Einige der Protestler hatten sich an den Gleisen im Bereich der Tappenbecker Landstraße festgekettet, zudem seilten sich einige der Protestler von der Mittellandkanalbrücke ab. Der Verkehr auf der Wasserstraße wurde vorübergehend eingestellt.

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Den Aktivisten, unter anderem der „Aktion Autofrei“, geht es offenbar um die Verkehrswende. Auf Twitter schreiben deren Mitglieder: „Wir haben eine weitere Info vom #VW Werkschutz erhalten – wir blockieren Autos in einer Menge von 60 Lkw-Ladungen!“

Mehr Bilder: Aktivisten ketten sich an Gleisen fest

Protestierende aus ganz Deutschland haben einen Güterzug vor dem VW-Werk in Wolfsburg gestoppt. Einige Aktivisten haben sich an den Gleisen festgekettet, andere seilten sich über der Mittellandkanalbrücke ab. Die Bilder vom Protest.

Mit der Blockade des VW-Werks fordert die "Aktion Autofrei" den "sofortigen, flächendeckenden Ausbau des klimafreundlichen und kostenlosen öffentlichen Personen Nahverkehrs (ÖPNV)".

In einer Twitter-Nachricht heißt es: „Konzerne wie VW tragen massiv zur Zerstörung der Welt wie wir sie kennen bei. Wir sagen: genug!“

Die Polizei und der Werksschutz sind im Einsatz. Die Feuerwehr wurde hinzugerufen. Eine Zufahrtsstraße zum Werk wurde von den Aktivisten ebenfalls mitblockiert. Der Schiffsverkehr auf dem Mittellandkanal wurde eingestellt. Am späten Nachmittag schritt die Polizei ein und räumte die Brücke. 

„Verfehlte Klimapolitik der Bundesregierung

In einer E-Mail – offenbar der Verantwortlichen für die Aktion – heißt es, man wolle auf die „verfehlte Klimapolitik der Bundesregierung im Bezug auf Mobilität“ aufmerksam machen und eine sofortige Verkehrswende herbeiführen. Deutschland habe sich im Pariser Abkommen verpflichtet, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Ein Stück Hambacher Forst im Autostadt-Foyer

Eine weitere Aktion fand im Eingangsbereich der Autostadt statt. Dort sind Aktivisten in die Weltkugel im Foyer geklettert und haben dort Banner mit ihrer Botschaft befestigt. Die sechs offensichtlich klettererfahrenen Aktivisten planen offenbar, länger dort zu bleiben und haben deshalb ihr Gepäck mitgenommen. Die Autostadt nimmt’s locker. „Wir haben den Aktivisten einen Dialog sowie Essen und Trinken angeboten“, so Autostadtsprecher Tobias Riepe. Und tatsächlich: Autostadt-Mitarbeiter stellten Bio-Säfte und vegane Speisen bereit.

Aktivisten bleiben im Globus

Weiterhin dürften die Aktivisten so lange blieben wie sie wollen. „Auch wenn sie kurz mal runterkommen, dürfen sie gerne wieder raufklettern“, so Riepe. Das Angebot zum Gespräch allerdings, lehnten die Aktivisten zunächst ab. Sie wollen den Globus noch bis zum Mittwochmittag weiter besetzt halten.

So begründen die Aktivisten ihre Aktion:

Mit folgender Erklärung begründen die Aktivisten ihre Aktion:

„Seit heute um 12:00 Uhr haben wir – eine unabhängige Kleingruppe – uns von einer Eisenbahnbrücke vor dem VW-Werk in Wolfsburg abgeseilt und blockieren so die Auslieferung von mehr als hundert Neuwagen. Wir stellen uns hiermit konkret gegen die umweltzerstörerische „immer-weiter-immer mehr“- Linie der Autoindustrie und fordern eine radikale Verkehrswende.

Jetzt ist Schluss! - Seit dem Vormittag ist die Gleisstrecke vom VW-Werk Wolfsburg aufgrund unserer Kletterblockade und Schienenblockaden von anderen Kleingruppen gesperrt. Ein Zug wird mit zwei Seilen blockiert, die von einer Brückenseite zur anderen reichen und durch den Zug gelegt wurden. Menschen hängen daran von der Brücke über dem Mittellandkanal. Weitere Autozüge können so ebenfalls nicht durchfahren. Diese Eisenbahnbrücke ist die einzige Zugverbindung zum VW-Werk über die Materialien ins Werk und fertige Neuwagen für den Verkauf aus dem Werk transportiert werden.

Die Umwelt und Lebensräume zerstörende Profitgier der Autoindustrie muss gestoppt werden! Dafür ist es notwendig, den Klimaschutz in die eigenen Hände zu nehmen und sich weder auf Staatspolitik noch auf Kapitalinteressen zu verlassen. Im Gegenteil. Wenn der Klimawandel wirklich eingedämmt werden soll, muss auch der Individualverkehr zurückgedrängt werden. Dafür bedarf es zum Beispiel des Ausbaus von Fahrrad-Infrastruktur, einer Erweiterung des öffentlich nutzbaren Verkehrsnetzes zum Nulltarif, einer dezentralen Produktion und dem Einsparen von Verkehr generell.

Damit muss heute begonnen werden und nicht erst morgen. Wir positionieren uns gegen angeblich klimaneutrale E-Autos, da sie die Situation nicht ändern, sondern nur das nächste Feld sind, an dessen Produktion sich einige wenige bereichern, während andere vertrieben und ausgebeutet werden, die Umwelt zerstört und die Klimakatastrophe weiterhin angeheizt wird. Den steigenden Bedarf an Lithium nutzen beispielsweise Staaten und Firmen als gewinnbringendes Geschäft, für welches aber die Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung brutal und rücksichtslos vernichtet wird. Wir widmen unsere Aktion daher den Menschen, die sich in Bolivien, Argentinien und Chile gegen den zerstörerischen Leichtmetall-Abbau wehren.

Wir hoffen, dass sich auch weitere Menschen durch unsere Aktion ermutigt fühlen, sich der Profitgier der Autoindustrie direkt entgegenzustellen und die Verkehrswende selbst in die Hand zu nehmen (auch im Hinblick auf die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt). Wenn wir diese Welt lebenswert erhalten wollen, gilt es zu handeln! Sei es gegen Braunkohle, Atomindustrie, Kreuzfahrtschiffe, (Massen-)Tierhaltung, Automobilindustrie oder das gesamte kapitalistische Dreckssystem!“

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Dieser Artikel wird aktualisiert.

Von Sylvia Telge, Steffen Schmidt, Frederike Müller und Michael Lieb