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Der Norden In Lüneburg sackt der Boden plötzlich ab
Nachrichten Der Norden In Lüneburg sackt der Boden plötzlich ab
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00:15 15.03.2019
„Und dann begann das Rauschen“: Unter Angelika Franks Haus ist nach einer Senkung ein Rohr gebrochen – die Wassermassen haben das Erdreich weggespült. Nun bekommt die Fassade ein Fundament aus Beton. Quelle: Carolin George
Lüneburg

Mit einem Rauschen fing es an. Als Angelika Frank das unbekannte Geräusch vor drei Wochen zum ersten Mal hörte, ahnte sie nicht, was auf sie zukommen würde: dass sie wochenlang kein Wasser haben wird und ein neues Fundament unter ihr Fenster gesetzt werden muss. Angelika Frank lebt mitten in der Altstadt von Lüneburg – und wer hier wohnt, muss permanent damit rechnen, dass etwas im Erdreich passiert. Der Boden ist ständig in Bewegung und sackt Jahr für Jahr ein bisschen ab.

Probleme seit Jahrhunderten

Auf dem Meere heißt die bei Lüneburgern und Touristen gleichermaßen beliebte Straße zwischen dem Lüneburger Rathaus und der Kirche St. Michaelis, im Sommer eine Postkartenidylle aus Fachwerkfassaden, Stockrosen, bunten Holztüren und krummen Balken. Doch was romantisch wirkt, ist im Alltag manchmal eben auch problematisch.

Erst vor zwei Jahren musste 150 Meter von Angelika Franks Haus entfernt ein Gebäude von 1830 abgerissen werden, weil es einsturzgefährdet war. 2012 musste die Stadt wegen fehlender Standsicherheit sogar zwei große Gründerzeithäuser räumen und abtragen lassen, auch sie standen nur wenige Hundert Meter Luftlinie entfernt in der Frommestraße. Diese Straße ist seit Jahren gesperrt und bildet mittlerweile eine Kuhle, ist kaum noch als Straße zu erkennen.

Sowohl die abgerissenen Häuser als auch das Gebäude von Angelika Frank liegen im sogenannten Senkungsgebiet der Stadt – es befindet sich über einem unterirdischen Salzstock. Seit Jahrhunderten hat es hier immer wieder Probleme mit dem Boden gegeben. Bis heute. „Leider ist es tatsächlich so, dass Gebäudeeigentümer hier jederzeit mit dem Eintreten von Erdfällen und einer Zunahme von Senkungen und somit auch Eintreten von Schäden rechnen müssen“, sagt Jana Baumann, Mitarbeiterin des Bauamts und seit 2010 offizielle Senkungsbeauftragte der Stadt.

Wunderhübsch – und schief: Türen wie diese in der Straße Auf dem Meere sind in der Altstadt häufig zu sehen. Quelle: Carolin George

Angelika Frank erlebt das gerade am eigenen Leibe. „Erst ging meine Tür noch schwerer auf als sonst“, erzählt die 64-Jährige, die seit 35 Jahren jedes Lebenszeichen ihres jahrhundertealten Hauses kennt. „Und dann begann das Rauschen.“ Als eine Woche später Vertreter der Wasserwerke zu ihr kamen, zeigte sich das ganze Ausmaß. „Der Kanal hat sich abgesenkt, dadurch ist mein Zufuhrrohr gebrochen“, erklärt die Anwohnerin. „Das Trinkwasser floss direkt unters Haus, und die Rohre haben den Schall übertragen.“ Die Folge: Das austretende Wasser spülte Erdreich weg – direkt unter ihrem Haus. Damit verlor das Gebäude seinen Halt, denn das alte Fachwerkhaus besitzt kein anderes Fundament als den Boden. Etwas Ähnliches hat ihre Nachbarin auch schon erlebt, erzählt Angelika Frank: Durch die üblichen Erdbewegungen hatte sich das Verbindungsrohr vom Fallrohr zur Kanalisation gelockert und schließlich gelöst. Das Wasser spülte dann den Sand aus.

Bei ihrer Nachbarin ist mittlerweile alles wieder in Ordnung. Bei Angelika Frank aber stehen zwei Männer in einem Loch unter dem Fenster zur Straße und schaufeln Sand auf einen Anhänger. Rund 1,50 Meter tief wollen sie kommen, eine Spundwand errichten und eine Betonschwelle als Stütze gießen.

Zum Duschen ins Büro

Den Grund, warum gerade jetzt die Schäden eintreten, sieht Angelika Frank in Bauarbeiten in der Nachbarschaft: Das alte Schulamt der Stadt wird derzeit zum Hotel umgebaut, die alten Kellergewölbe wurden mit Fundamenten gestützt. „Die Baustelle liegt nur etwa 150 Meter weit weg, die wirkt sicherlich auf das Erdreich.“ Jana Baumann hält diesen Zusammenhang allerdings für „eher unwahrscheinlich“. Denn das ehemalige Schulamt liege außerhalb der vermutlichen Hochlage des unterirdischen Salzstocks. Um zu prüfen, ob sich die Senkungen im Bereich der Altstadt tatsächlich verstärkt haben, werde die Stadt jetzt die Datenlage auswerten.

Wann Angelika Frank wieder Wasser haben wird, weiß sie noch nicht. Ihre Kleidung wäscht sie bei Nachbarn – und zum Glück gibt es im Büro eine Dusche.

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Warum die Erde absackt

Lüneburgs Altstadt liegt auf einem Salzstock. Der hat die Stadt besonders zur Hansezeit sehr reich gemacht, denn mit dem aus der Sole gesiedeten Salz ließ sich viel Geld verdienen. Mehr als 1000 Jahre lang haben die Lüneburger Sole aus dem Untergrund gepumpt, bis zu 250 Kubikmeter täglich. 1980 schloss die Saline.

Der Boden rund um den Salzstock bewegt sich. So quillt zum Beispiel Gips auf, Salz steigt durch die Erdschichten, und Grundwasserströme tragen tief liegendes Gestein ab. Es entstehen Hohlräume, und je nach Festigkeit der darüber liegenden Erdschicht sackt diese dann ebenfalls ab. An manchen Stellen senkt sich die Erde bloß um einige Millimeter pro Jahr, an anderen um die Länge eines Unterarms. Die Stadt hat rund 300 Messpunkte installiert, um die Bewegungen aufzuzeichnen.

Die Abbruchkante des Salzstocks zieht sich direkt unter dem Viertel zwischen dem Rathaus und der Kirche St. Michaelis hindurch. Auch die Säulen der Kirche sind wegen Senkungen um 70 Zentimeter aus dem Lot gerückt und werden per Holzkonstruktion gestützt. Mehr als 100 Häuser sind Mitte des 20. Jahrhunderts aufgrund von Baufälligkeit und Einsturzgefahr abgerissen worden.

Der Straßenname Auf dem Meere in der Lüneburger Altstadt geht zurück auf einen Erdfall im Jahr 1013 – noch in den 1960er-Jahren fürchtete manch ein Einwohner, die Gasse würde eines Tages unter der Oberfläche eines Binnensees verschwinden. So hoch steht das Grundwasser, so stark senkt sich der Boden. Einige Bewohner mussten ihre Keller mit Sand zuschütten, weil sie auf Grundwasserniveau abgesackt waren.

Von Carolin George

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