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Der Norden Weniger Niedersachsen lassen sich scheiden
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18:56 10.07.2018
Weniger Fälle für den Scheidungsrichter: Berater stellen fest, dass Partner besser über Krisen sprechen und handeln - vor allem die Männer. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Wiesbaden

Vor die Scheidungsrichter in Niedersachsen und Bremen kommen weniger Fälle. Die Zahl der Trennungen per Beschluss ist in beiden Ländern zurückgegangen, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Dienstag mitteilte.

2017 wurden rund 16 000 Ehen in Niedersachsen geschieden. Im Vorjahr waren es noch rund 17 100 Trennung. In Bremen sank die Zahl im selben Zeitraum um etwa 100 auf rund 1300 Scheidungen.

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Nach Angaben der Statistikbehörde in Wiesbaden wurden rund 100 Ehen in Niedersachsen nach einer Dauer von weniger als zwei Jahren aufgehoben.

In Bremen waren es drei. Mehr als 2300 niedersächsische Paare waren mehr als 26 Jahre verheiratet. In Bremen waren 169 Paare vor ihren Scheidungen mehr als ein Vierteljahrhundert zusammen.

Männer ergreifen Initiative

Bundesweit wurden 2017 den Destatis-Zahlen zufolge 153 500 Ehen geschieden, knapp 9000 weniger als 2016. Weniger Scheidungen hatte es mit 135 000 zuletzt im Jahr 1992 gegeben. Besonders häufig endeten die Ehen nicht nach dem häufig sogenannten verflixten siebten Jahr, sondern schon nach sechs Jahren. Im Schnitt lagen 15 Jahre Ehe hinter den geschiedenen Paaren.

Bei den Scheidungsanträgen gab es eine leichte Mehrheit aufseiten der Frauen: In 51,5 Prozent der Fälle waren sie es, die die Scheidung einreichten.

Sich ändernde Geschlechterrollen mit Männern, die häufiger als früher über Probleme redeten, sind für Silvia Fauth vom Beratungs- und Therapiezentrum in Hannover ein Grund für die sinkenden Scheidungszahlen. „Die Hemmschwelle, sich Hilfe zu holen, wird insgesamt niedriger“, sagte sie.

Viele Paare sehen ihr zufolge ein, dass Krisen dazu gehören und schaffen es vor allem, Probleme zeitnah anzugehen, bevor die Krise zu groß ist. Dass Männer immer mehr bereit sind, sich beraten zu lassen, beobachtet auch Lisa Kastner von der Organisation Pro Familia in Göttingen. „Männer ergreifen dabei häufiger sogar die Initiative“, sagte die Beratungsstellenleiterin.

Hilfreicher Austausch über Krisen

„Bei vielen Paaren kommt die Pflege der Beziehung in der Rushhour des Alltags zu kurz“, analysierte Martina Kreidler-Kos, Ehe- und Familienpastoral im Bistum Osnabrück. Sie ist zuständig für die Vorbereitung und Begleitung von ehewilligen Paaren.

Die Vorbereitung sei schon lange ein wichtiges Thema, die Begleitung sei aber bisher auch von kirchlicher Seite oft vernachlässigt worden, räumte sie ein. Dabei ist ihre Erfahrung, dass der Austausch über Krisen oder kritische Zeitpunkte, etwa die Silberhochzeit oder wenn Kinder das Hause verlassen, sehr hilfreich sein kann.

„Viele denken, die eigene Krise ist ihr Privatproblem und scheuen deshalb Hilfsangebote, sagte Kreidler-Kos, selbst verheiratet und Mutter von vier Kindern. Sie glaubt, dass Angebote für gemeinsame Auszeiten helfen können.

Außerdem bietet die katholische Kirche eine Hochzeits-App an, damit neben Ort, Gästeliste und Menü auch die eigene Beziehung ein wichtiges Thema bei der Hochzeitsvorbereitung bleibt.

Noch keine Zahlen zu gleichgeschlechtlichen Ehen

Nach Angaben der Statistiker lässt sich allerdings nicht sagen, ob kriselnde Paare im vergangenen Jahr zurückhaltender bei der Entscheidung über eine Trennung waren - denn diejenigen, die ohne Trauschein zusammenleben und sich wieder trennen, sind nicht Teil der Ehescheidungsstatistik, ebenso wenig wie die verpartnerten Paare. Zahlen zu gleichgeschlechtlichen Ehepaaren gibt es noch nicht - die Ehe für alle wurde erst im vergangenen Jahr eingeführt.

Von dpa/RND