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Der Norden Studie: Beamte in Niedersachsens Rathäusern werden immer häufiger Opfer von Gewalt
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Studie des Städtetages: Beamte in Niedersachsens Rathäusern werden immer häufiger Opfer von Gewalt

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14:19 25.09.2019
Beleidigungen und Beschimpfungen nehmen zu: Im Rathaus von Springe drohte ein Mann im Frühjahr zwei städtischen Mitarbeiterinnen wegen der Straßenausbaubeiträge sogar Gewalt an. Quelle: Mischer
Hannover

Mitarbeiter in niedersächsischen Rathäusern werden immer häufiger Opfer von Aggressionen der Bürger. Jeder dritte ist wöchentlich verbalen Angriffen ausgesetzt, ein großer Teil der Kommunalbeamten hat sogar schon einmal körperliche Attacken erlebt. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die der Niedersächsische Städtetag am Mittwoch in Lüneburg vorstellte. „Die Antworten auf eine Umfrage unter Hauptverwaltungsbeamten sind deprimierend“, sagte Niedersachsens Städtetags-Präsident Ulrich Mädge (SPD) der HAZ.

Sogar körperliche Angriffe

Die Kommunale Hochschule für Verwaltung in Niedersachsen hat im August dieses Jahres 84 Hauptverwaltungsbeamte gezielt nach den Erfahrungen mit schwierigen Kunden in den Rathäusern befragt. Die meisten von ihnen antworteten. Dank der hohen Rücklaufquote von knapp 70 Prozent gilt die Studie als repräsentativ. Ein Drittel der Befragten berichtete, mindestens wöchentlich verbalen Aggressionen ausgesetzt zu sein. In der Hälfte der Fälle kam es mindestens einmal im Monat zu Aggressionen vonseiten der Kunden im Rathaus. In mehr als sechzig Prozent der Fälle seien Mitarbeiter „mindestens einmal bedroht und in gut 40 Prozent der Fälle bereits körperlich angegriffen worden“, berichtete Professorin Johanna Groß dem Städtetag.

Häufig seien es betrunkene Bürger gewesen, die in den Rathäusern randaliert hätten, berichtete Groß. So würden Türen zugeknallt oder beschädigt, Schilder abgerissen oder Gegenstände herumgeworfen, berichteten Verwaltungsmitarbeiter. Auch würden Schreibräume abgeräumt oder Möbelstücke umgekippt. Die Agressionen richten sich auch gegen die Chefs der Rathäuser. „Etwa 35 Prozent sind bereits bedroht worden, etwa 20 Prozent sexuellen Übergriffen ausgesetzt gewesen“, heßt es in der Studie. Als Gründe für den hohen und wachsenden Aggressionsgrad werden „geringe Frustrationstoleranz, problematische Einstellungen und Werte sowie falsche Erwartungen und Fehleinschätzungen“ der Kunden an die Verwaltung genannt. Im Rathaus in Springe waren Kunden kürzlich aggressiv geworden, die sich über die Straßenausbeiträge beschwerten.

Meistens Beschimpfungen im Internet

Auch Lüneburgs Oberbürgermeister, Städtetagspräsident Ulrich Mädge, ist nach eigenem Bekunden bedroht worden. „Der Schwerpunkt der Bedrohungen und Beschimpfungen findet wie bei der Grünen-Politikerin Renate Künast im Internet statt“, sagte Mädge der HAZ. In seinem persönlichen Fall habe er Strafanzeige erstattet und warte ab. Nötig sei aber eine Verschärfung des Gesetzesrahmen für Bedrohungen, wie sie Landesjustizministerin Barbara Havliza (CDU) anstrebe, „Generell müsste bei Bedrohungen im Internet der Klarname auftauchen wie bei Leserbriefen auch, sodass wir rechtlich gegen diese Menschen vorgehen könnten“, sagte Mädge.

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Von Michael B. Berger

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