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Der Norden Sturm in Niedersachsen: Das war das Bahn-Chaos in der Nacht
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Sturm in Niedersachsen: Das war das Bahn-Chaos in der Nacht

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10:59 18.09.2019
Die Feuerwehr evakuiert einen ICE, der in der Nähe von Nienburg auf offener Strecke steht. Quelle: Horstmann
Hannover

Der Sturm im Norden hat am Dienstagabend den Zugverkehr in weiten Teilen Niedersachsens lahmgelegt. Auch am Mittwochmorgen müssen sich zahlreiche Fahrgäste noch auf Behinderungen einstellen.

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Zahlreiche Verbindungen fielen am Dienstagabend und in der Nacht zu Mittwoch aufgrund umgestürzter Bäume und Oberleitungsschäden aus, einige Züge mussten evakuiert werden. Betroffen waren sowohl der Nah- als auch der Fernverkehr.

Die Strecke Hannover-Bremen war zeitweise gesperrt. Der Zugverkehr zwischen Hamburg und Bremen wurde über eine Güterzugstrecke umgeleitet. Auch auf der Strecke Hamburg-Hannover hatte es über mehrere Stunden große Probleme wegen eines Oberleitungsschadens gegeben.

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Züge bleiben auf offener Strecke liegen

Mehrere Züge blieben aufgrund des Sturms in Niedersachsen auf offener Strecke stehen. Betroffen waren unter anderem die Verbindungen ICE1272, IC2900, IC2173, ICE1749 und ICE885. Nach Aussagen von betroffenen Fahrgästen im ICE1272, der auf dem Weg nach Hamburg in der Nähe von Nienburg stundenlang stand, bereiteten Feuerwehrkräfte gegen 22.30 Uhr eine Evakuierung des Zuges vor. Gegen Mitternacht waren die rund 450 Passagiere wieder unter freiem Himmel. Von Nienburg ging es dann mit bereitgestellten Bussen wieder nach Hannover.

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Felix Horstmann wollte von Hamburg nach Hannover – doch seine Fahrt endete auf offener Strecke bei Nienburg. Quelle: Felix Horstmann

Auch die Passagiere eines Regionalexpresses zwischen Bremen und Neustadt am Rübenberge mussten ihren Zug verlassen. Das teilte die Bahn am Abend mit.

Viele Bahnfahrer mussten in Hannover aussteigen. Eine Weiterfahrt war nicht möglich. Einige holten sich einen Taxigutschein von der Bahn. Andere mussten aus Zügen evakuiert und zurück gebracht werden.

Fahrgäste warten im Hauptbahnhof Hannover

Im Hauptbahnhof Hannover warteten derweil zahlreiche Menschen vergeblich auf ihre Züge. Sie suchten entweder auf ihren Smartphones nach den neusten Informationen oder fragten Bahnpersonal nach der aktuellen Lage.

Xaver aus Regensburg ließ sich allerdings nicht aus der Ruhe bringen. Der Bahnreisende startete seine Fahrt in Rheine und wollte eigentlich nach Regensburg. Seit 18 Uhr saßen er und seine Bekannten jedoch am Hauptbahnhof fest, denn auch in Richtung Süden ging nicht mehr viel. Als Alternative wählten sie eine Flixbus-Route – erstmal nach Nürnberg. Geplante Ankunft: Wohl so gegen 10 Uhr. In Hannover habe er die Nacht nicht verbringen können, sagte Xaver. „Hier sind ja auch keine Hotels zu bekommen, wegen der Messe. Also jetzt erstmal weg hier.“

Kann noch lachen: Xaver wartet auf seine Verbindung nach Regensburg. Quelle: Harbart

Die Bahn stellte am späten Abend den ausharrenden Fahrgästen zwei Aufenthaltszüge zur Verfügung, in denen sich die übermüdeten Reisenden aufwärmen und ausruhen konnten. Auch den anderen Reisenden stellte die Bahn kostenfrei Kaffee zur Verfügung.

Nachwirkungen des Sturms

Gegen 6.30 Uhr war am Hauptbahnhof Hannover zwar weitestgehend wieder Normalität eingetreten – der Hotelzug, Menschenschlangen am Taxistand und die kostenlose Kaffeeausgabe waren verschwunden. Auf der großen Anzeigetafel in der Haupthalle standen allerdings noch zahlreiche Zugausfälle oder Verspätungen angeschlagen. In einer Laufschrift sprach die Bahn von „Einschränkungen im Bahnverkehr durch Nachwirkungen des Sturms“.

Am Infoschalter hatten es die Bahn-Mitarbeiter nun mit den Opfern dieser Nachwehen zu tun. Darunter Frauke Eickmann aus Wunstorf: „Ich will zur Kur nach Boltenhagen an der Ostsee“, sagte sie. Ihr ICE um 7.01 Uhr fiel allerdings aus, stattdessen suchte ihr die Bahn schnell eine alternative Verbindung mit nur einer Stunde Verspätung heraus. „Nach allem, was ich vorher wegen der Sturmnacht über das Bahnpersonal gehört habe, war ich positiv überrascht, wie nett sie waren“, sagte Eickmann.

Die Reisenden am Hauptbahnhof Hannover hatten am Mittwochmorgen noch mit den Nachwehen des Sturms zu kämpfen. Quelle: Peer Hellerling

Jan Klein stieg frühmorgens kurzerhand aufs Auto um, um von Verden in die Landeshauptstadt zu kommen. „Eigentlich wollte ich den Zug um 5.33 Uhr nehmen“, sagte er. „Allerdings gibt es immer noch Probleme auf der Strecke Bremen und Hannover.“ Der Wagen steht nun im Parkhaus, der 35-Jährige muss noch beruflich weiter nach Karlsruhe. „Der ICE hat bislang nur eine Verspätung von zehn Minuten – schauen wir mal“, sagte Klein optimistisch. Einen Sturm könne man nun einmal nicht einplanen: „Es ist, wie es ist.“

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Immer wieder Probleme mit ICEs

Erst am Montagabend hatten rund 250 ICE-Reisende bei Hannover auf offener Strecke den Zug wechseln müssen. Stunden zuvor war auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) Opfer eines ICE-Defekts geworden.

Von RND/Marcel Sacha und Peer Hellerling

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