Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden 24 Prozent mehr Wohnungseinbrüche in Niedersachsen
Nachrichten Der Norden 24 Prozent mehr Wohnungseinbrüche in Niedersachsen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:44 12.05.2013
Von Alexander Dahl
Foto: In Niedersachsen ist die Zahl der Wohnungseinbrüche so stark angestiegen wie in keinem anderen Bundesland.
In Niedersachsen ist die Zahl der Wohnungseinbrüche so stark angestiegen wie in keinem anderen Bundesland. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Selbst in Brandenburg, das wegen der offenen Grenze zu Polen seit längerem über einen Zuwachs bei Eigentumsdelikten klagt, war der Anstieg bei den Einbrüchen mit 17 Prozent deutlich niedriger. Das geht aus der polizeilichen Kriminalstatistik hervor, die an diesem Mittwoch von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) in Berlin vorgestellt wird. In Auszügen wurde sie aber bereits am Wochenende von der Zeitung „Welt am Sonntag“ verbreitet.

Pistorius, erst seit Februar im Amt, will nun die Vorbeugung verbessern. „Im Bereich der deutlich angestiegenen Wohnungseinbruchsdelikte setzen wir verstärkt auf Prävention; das ist am wirksamsten“, sagte der SPD-Politiker am Sonntag der HAZ. Soweit es sich bei einem Teil der Einbruchsdelikte um grenzüberschreitende Kriminalität handele, „werden wir die internationale Zusammenarbeit mit unseren Nachbarländern intensivieren“, kündigte Pistorius an.

Auch für ganz Deutschland gilt: Kaum ein Ort ist mittlerweile so unsicher wie die Wohnung oder das Eigenheim. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Einbrüche im Bundesgebiet um 8,7 Prozent auf 144.117 Fälle – der mit Abstand höchste Werte der vergangenen Jahre. Das bedeutet: Im Durchschnitt wird in Deutschland alle dreieinhalb Minuten eingebrochen. In 61 200 Fällen stiegen die Täter am Tag ein.

Gefährlich sind Raubüberfälle, die begangen werden, wenn die Bewohner noch zu Hause sind und dabei von den Tätern geschlagen und gefesselt  werden. Auch hier gab es in vergangenen Jahr einen Zuwachs von 3,9 Prozent. Gleichzeitig verharrt die Aufklärungsquote bei Einbrüchen mit lediglich 15,7 Prozent auf niedrigem Niveau. Zum Vergleich: Die allgemeine Aufklärungsquote der in Deutschland begangenen Verbrechen liegt bei fast 55 Prozent.

Der Boom beim Wohnungseinbruch treibt die Kosten bei den Versicherungen in die Höhe. Sie mussten im vergangenen Jahr Schäden von 470 Millionen Euro regulieren – auch das ein Rekord. „Die Zahl ist alarmierend, schließlich bedeutet sie einen Zuwachs von zwölf Prozent“, sagt Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der Hauptgeschäftsführung des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft. Im Durchschnitt beträgt die Schadenssumme je Einbruch in Deutschland etwa 3300 Euro.

Die Opferschutzorganisation Weißer Ring forderte die Bürger auf, mehr für ihre Sicherheit zu tun. „In Deutschland wird nicht mal ein Euro pro Jahr für die Kriminalitätsprävention ausgegeben“, sagt Veit Schiemann, Sprecher des Verbandes. Dabei werden die Folgen von Einbrüchen oft unterschätzt: „Sie können von Schlafstörungen bis zu schweren Traumata reichen, weil Betroffene das Vertrauen in ihre häuslichen Umgebung verlieren.“

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hingegen forderte von der Politik, die Polizei personell besser auszustatten. „Sonst gehen die Täter weiter glücklichen Zeiten entgegen“, sagt BDK-Chef André Schulz.

(mit: dpa)