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Der Norden Acht Zeugen räumen Falschaussagen ein
Nachrichten Der Norden Acht Zeugen räumen Falschaussagen ein
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00:20 04.09.2014
Der Prozess ist unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen gestartet. Quelle: Symbolfoto
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Hildesheim

Die meisten der sechs Männer und zwei Frauen erklärten, sie hätten sich von der Großfamilie O. gefürchtet – auch wenn diese ihnen nicht konkret gedroht habe. Sie müssen mit Bewährungsstrafen rechnen.

Die eigentliche Tat liegt bereits mehr als zweieinhalb Jahre zurück. Am Neujahrsabend 2012 war der Syrer Abdelkader D. in Sarstedt von zwei Männern erschossen worden, als er in seinem Auto an einer roten Ampel wartete. Wenige Tage später nahm die Polizei den Deutschlibanesen Mohamad O. fest – seine Frau hatte mit dem Mordopfer ein Verhältnis. Dafür, so der Vorwurf, habe sich O. rächen wollen. Dabei soll er nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft von seinem Schwager Walid O. unterstützt worden sein, der sich aber offenbar aus Deutschland absetzen konnte.

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Im Juni 2012 verurteilte das Landgericht Hildesheim Mohamad O. zu lebenslanger Haft. Mehrere Belastungszeugen widerriefen während der damaligen Verhandlung ihre Aussagen aus den Polizeivernehmungen – was bei Gericht und Anklage den Verdacht weckte, die umgekippten Zeugen könnten von der Familie O. unter Druck gesetzt worden sein. Die Staatsanwaltschaft klagte schließlich acht Zeugen wegen Falschaussagen an.

Für Aufsehen hatte der damalige Prozess auch gesorgt, weil es bei der Urteilsverkündung zu schweren Tumulten und Handgreiflichkeiten im Gerichtssaal gekommen war. Die Angehörigen des Angeklagten Mohamad O. wollten den Schuldspruch nicht akzeptieren.

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen bei Prozessbeginn

Deshalb begann der Prozess am Montag unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen, doch diesmal waren mehr Sicherheitskräfte als Zuschauer im Saal. Mitglieder der Großfamilie O. ließen sich im Publikum nicht blicken. „Für die ist das mit dem Urteil gelaufen“, sagte am Montag einer der nun Angeklagten.

Diesen Eindruck teilen offenbar fast alle der acht Angeklagten. Die meisten von ihnen berichteten, vor dem ersten Prozess von Mitgliedern der Familie O. kontaktiert worden zu sein – mit Bitten und Forderungen, belastende Aussagen zu widerrufen und stattdessen Alibis zu liefern. „Sie haben nicht direkt gedroht, aber man wusste ja, die haben sogar einen Menschen umgebracht – da hatte ich natürlich Angst um meine Familie und mich“, sagte die jüngste Angeklagte.

Durch die Geständnisse kann das Gericht den auf zwölf Verhandlungstage angesetzten Prozess deutlich abkürzen, am 10. September sollen die Urteile fallen. Die Strafen sollen sich von acht bis 16 Monaten Haft bewegen und zur Bewährung ausgesetzt werden. Diesen Rahmen hatte das Gericht auf den Wunsch mehrerer Angeklagter nach einer „Verständigung“ hin genannt.

Auf Nachfrage des Staatsanwalts versicherten mehrere Angeklagte, sie würden im Fall eines Prozesses gegen Walid O. auch gegen diesen aussagen. Denn die Ermittler hoffen, auch den Schwager des Verurteilten Mohamad O. noch wegen Mordes vor Gericht zu stellen.

Tarek Abu Ajamieh

01.09.2014
01.09.2014