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Der Norden Angebliche Vergewaltigung: Soldatin schweigt zu Vorwürfen
Nachrichten Der Norden Angebliche Vergewaltigung: Soldatin schweigt zu Vorwürfen
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00:15 09.12.2012
Foto: Der Vorfall in der Bückeburger Jägerkaserne könnte Soldatinnen schaden.
Der Vorfall in der Bückeburger Jägerkaserne könnte Soldatinnen schaden. Quelle: dpa
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Bückeburg

Trotz der enormen Zweifel an der Glaubwürdigkeit einer Soldatin aus Bückeburg will die Staatsanwaltschaft weiter den Vergewaltigungsvorwürfen der 25-Jährigen nachgehen. Die Behörde hat dazu jetzt auch Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) um Unterstützung gebeten. Darüber hinaus wird weiterhin eine DNA-Reihenuntersuchung von etwa 500 bis 600 Soldaten vorbereitet. Die Unteroffizierin, die unter einer Borderline-Störung leiden soll, hatte ausgesagt, am 12. August in der Jägerkaserne von einem Mann überfallen und vergewaltigt worden zu sein. Die bisherigen Untersuchungen hatten die Ermittler der Polizei und der Feldjäger zu dem Schluss kommen lassen, dass die 25-Jährige den sexuellen Übergriff lediglich vorgetäuscht hat. Die junge Frau hat sich bislang noch nicht zu den neuen Vorwürfen geäußert.

Ob mit der Entnahme der Speichelproben für den Massengentest noch in diesem Jahr begonnen wird, ist fraglich. „Sollten wir in der Zwischenzeit durch die Ermittlungen neue Erkenntnisse erhalten, ist es möglich, die Vorbereitungen für den DNA-Test sofort zu stoppen“, sagt André Lüth von der Staatsanwaltschaft. Derweil sind die Experten des BKA mit der Analyse eines Briefs befasst, den der Täter angeblich seinem Opfer Tage nach dem Übergriff geschickt haben soll. Darin erinnert er die 25-Jährige nach Informationen der HAZ unter anderem an die schönen Zeiten, die sie zusammen verbracht hätten.

„Der Brief liegt uns seit dem 20. November vor, die Urheberschaft soll jetzt vom BKA geklärt werden“, sagt Behördensprecher André Lüth in Bückeburg. Allerdings liegt der Behörde, nach HAZ-Informationen, bereits ein erstes Gutachten zu dem Schreiben vor. Darin wird die 25-jährige Soldatin als Verfasserin der Zeilen benannt. Die Unteroffizierin ist weiterhin im Dienst, wird aber psychologisch betreut.

Andere Soldatinnen fürchten nun, das Verhalten ihrer Kameradin könnte auf sie zurückfallen. „Nachdem ich davon gehört hatte, dass die Vergewaltigung vorgetäuscht gewesen sein soll, habe ich mich als Erstes gefragt, was das nun für uns andere Frauen bei der Bundeswehr bedeutet“, sagte gestern eine Soldatin im Gespräch mit der HAZ. Sie fürchtet, der Vorfall könnte zur Bildung von Stereotypen und Vorurteilen gegenüber Frauen bei der Bundeswehr beitragen.

„Soldatinnen haben in den vergangenen elf Jahren hart für ihren heutigen Status in der Truppe gearbeitet. Nun könnte der Eindruck entstehen, dass sie dem Dienst bei der Bundeswehr nicht standhalten, dass sie dort krank werden“, sagte die Soldatin. Die Kameradin habe offenbar schwerwiegende persönliche Probleme, die ganz bestimmt nichts mit ihrem Beruf als Soldat zu tun hätten. „Wenn diese Probleme in Zusammenhang mit dem Dienst bei der Bundeswehr stünden, wäre das anderen Kameraden aufgefallen, dann hätte sie Unterstützung bekommen“, sagte die Soldatin.

Vivien-Marie Drews/Tobias Morchner

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