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Der Norden Armutskonferenzen mahnen zum Handeln
Nachrichten Der Norden Armutskonferenzen mahnen zum Handeln
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12:41 14.11.2015
Quelle: Ole Spata/dpa (Symbolbild)
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Hannover/Bremen

Trotz des leichten Rückgangs der Armutsquote in Niedersachsen und Bremen sehen soziale Verbände und Gewerkschaften keinen Grund zur Entwarnung. Im Gegenteil: Die Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich erhält durch die Flüchtlingssituation zusätzliche Brisanz.

"Sozial benachteiligte Gruppen werden gegeneinander ausgespielt und dieser Konflikt wird auf dem Rücken der Schwächsten, den Flüchtlingen ausgetragen", warnte Lars Niggemeyer vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), der einer der Sprecher der Landesarmutskonferenz ist, die am kommenden Dienstag in Hannover tagt. Als Beleg verwies er auf Brandanschläge und offene Gewalt von Rechtsextremen vor Flüchtlingsunterkünften.

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Die Armutsgefährdungsquote lag 2014 in Niedersachsen bei 15,3 Prozent und damit 0,5 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. In Bremen ging die Quote um 1,6 Prozentpunkte zurück, dennoch belegte der Stadtstaat mit 17,3 Prozent den vorletzten Rang auf der Länderliste, vor Hamburg (18,0). Der Bundesdurchschnitt lag bei 15,4 Prozent. Niggemeyer wertete diesen Zustand als "Skandal".

Vor allem die Lage auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt sei angespannt. Dringend nötig seien neben öffentlich geförderten Jobs für Langzeitarbeitslose eine massive Förderung des sozialen Wohnungsbaus, damit eine flächendeckenden Wohnungsnot verhindert werde. Der Empfang von Hartz IV sei oft gleichbedeutend mit dem Abrutschen in Armut. Der Regelsatz von 399 Euro sei viel zu niedrig, kritisierte Niggemeyer. "Das müssten nach Einschätzung von Wissenschaftlern 100 bis 150 Euro mehr sein."

Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verdient. In Niedersachsen liegt die Schwelle derzeit bei 907 Euro netto bei einen Einpersonenhaushalt, bei einer Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern sind es 1905 Euro. 58 Prozent der Arbeitslosen sind in dem Flächenland von Armut betroffen und 43 Prozent der Alleinerziehenden.

Während sich die Landesarmutskonferenz in Hannover mit dem Thema "Arbeit. Armut. Würde. Für eine Zukunft ohne Zumutungen" befasst, stehen zwei Tage später bei der 2. Bremer Armutskonferenz junge Menschen im Fokus. Auch diese Tagung wird von einem breiten Bündnis organisiert, darunter Wohlfahrtsverbände, Gewerkschaften und Kirchen.

"Ob Bremen oder Bremerhaven, für viel zu viele Jugendliche und junge Erwachsene ist Armut, oder die Gefahr in Armut zu geraten, ganz real", warnen die Organisatoren. Gerade für Auszubildende sei es schwierig aus dem Armutskreislauf rauszukommen. "Wenn ein Jugendlicher einen der raren Ausbildungsplätze ergattert, wird er oft in die (Hartz-IV-)Bedarfsgemeinschaft eingerechnet und muss ein Teil des Azubi-Lohns abgeben", beschreibt Daniela Teppich vom DGB Bremen-Elbe-Weser die Situation. 

dpa

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