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Der Norden Armutsrisiko in Bremen am höchsten
Nachrichten Der Norden Armutsrisiko in Bremen am höchsten
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16:43 13.09.2012
Rolf von den „Suppenengeln“ verteilt in der Innenstadt in Bremen warme Suppe an Bedürftige. Quelle: dpa
Bremen

Sozialverbände sind alarmiert: Die Armut hat in der Bevölkerung wieder zugenommen und betrifft inzwischen mehr als jeden siebten Niedersachsen und jeden fünften Bremer. In Bremen ist der Anteil armer Menschen an der Gesamtbevölkerung inzwischen deutschlandweit sogar am höchsten, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit.

In Niedersachsen hatten 2011 insgesamt 15,7 Prozent der Menschen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zum Leben zur Verfügung. Im Vorjahr waren es erst 15,3 Prozent gewesen, ergab die Statistik. In Bremen stieg die Armutsquote von 21,1 auf 22,3 Prozent. Besonders gefährdet sind Arbeitslose, Alte, kinderreiche Familien, Ausländer und Menschen mit einer niedrigen Ausbildung.

Besorgt über den Anstieg der Armut nach mehreren Jahren des Rückgangs äußerten sich Kirchen, Gewerkschaften und die Opposition. „Besonders auffällig ist, dass die Armutsgefährdung bei älteren Menschen innerhalb eines Jahres um fast zwei Prozentpunkte auf 14,1 Prozent zugenommen hat“, sagte der Armutsexperte der Hildesheimer Caritas, Ralf Regenhardt. „Die aktuelle Debatte um die Altersarmut wird durch die vorliegenden Zahlen deutlich bestätigt. Armut im Alter wird für zunehmend mehr Menschen zur bitteren Lebensrealität.“

„Hier ist die Politik gefordert“, sagte Hannovers Diakoniedirektor Christoph Künkel. „Jede Kandidatin und jeder Kandidat, die zur Landtagswahl im nächsten Jahr aufgestellt werden, müssen sich fragen lassen: wie wollen wir den Trend zur Spaltung der Gesellschaft aufhalten?“ Für einen existenzsichernden Mindestlohn plädierte der Sprecher der Landesarmutskonferenz Niedersachsen, DGB-Gewerkschaftler Lars Niggemeyer. „Wer Armutsbekämpfung ernst nimmt, muss etwas gegen den ständig wachsenden Niedriglohnsektor unternehmen.“

Die Opposition wertete den Anstieg vor allem aus das Ergebnis schwarz-gelber Politik. Niedersachsen liege in Sachen Armut weit über dem Durchschnitt der westdeutschen Länder und des Bundes, sagte der sozialpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Uwe Schwarz. „Union und FDP in Bund und Land haben dieses Thema vernachlässigt, und zwar nicht wegen Unaufmerksamkeit, sondern ganz bewusst und aus Überzeugung.“ Nötig sei die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns und eine gerechtere Besteuerung hoher Einkommen und Vermögen, sagte die Grünenparlamentarierin Ursula Helmhold.

Der Bremer Senat habe bei der Armutsbekämpfung kläglich versagt, sagte die Bremer Linken-Abgeordnete Claudia Bernhard. „Das ist nicht nur die erschreckende Bilanz der Hartz-Gesetze und der herrschenden Regierungspolitik, das ist auch ein vernichtendes Armutszeugnis für die Bremer SPD, die hier seit 1947 in verschiedenen Konstellationen regiert.“

Innerhalb Niedersachsens ist Armut unterschiedlich stark präsent. Am höchsten lag die Gefährdungsquote in Hannover mit 20,1 Prozent und im städtisch geprägten Raum rund um Braunschweig. Auch im Süden Niedersachsens ist Armut nach den Zahlen der Statistiker weiter verbreitet. Deutlich geringer ausgeprägt ist sie im Westen und Nordwesten Niedersachsens.


Armutsgefährdungsquote in DeutschlandStepMap


dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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