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Der Norden Bad Nenndorf stellt sich gegen Neonazis
Nachrichten Der Norden Bad Nenndorf stellt sich gegen Neonazis
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19:22 04.08.2012
Hunderte Bürger stellten sich unter dem Motto "Bunt statt Braun" dem Nazi-Aufmarsch entgegen. Quelle: dpa
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Bad Nenndorf/Hannover

Die Kundgebung der Neonazis in Bad Nenndorfs Innenstadt begann mit mehrstündiger Verspätung und endete erst um 18 Uhr. Demonstranten hatten mit Blockaden den Bahnhof des Kurortes lahmgelegt, sodass die Anreise der Neonazis massiv gestört wurde. Zudem hatten sich nahe dem Kundgebungsplatz der Rechtsextremisten schon am Freitagabend vier junge Männer so kunstvoll im Inneren einer Stahlpyramide verkettet, dass die Polizei dieses Hindernis bis zum Beginn der Kundgebung nicht beseitigen konnte. Große Polizeifahrzeuge trennten die Blockierer von den Neonazis.

Unter anderem sprachen für die Rechtsextremisten mit Dieter Riefling und Thomas Wulff bundesweit bekannte Mitglieder der sogenannten Freien Kameradschaften, die als besonders radikal gelten. Die Kundgebung litt unter der katastrophalen Qualität der Lautsprecheranlage, die die Neonazis nach Bad Nenndorf mitgebracht hatten. Selbst die in unmittelbarer Nähe aufgereihten „Kameraden“ konnten kaum ein Wort verstehen. Zudem machten die Gegendemonstranten, die entlang der Bahnhofstraße den Rechtsextremisten empfangen hatten, auch während der Reden Krach.

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Am Mittag hatten in der Innenstadt die Gegendemonstranten ihre Hauptkundgebung abgehalten. Jürgen Trittin, Vorsitzender der Grünen-Fraktion im Bundestag, sprach sich für ein Verbot der NPD aus. Mit Blick auf die Mordserie der NSU forderte er, „beim Verfassungsschutz neu anzufangen anstatt nur ein paar Führungsleute auszuwechseln“. Ganz wegfallen dürfe der Verfassungsschutz allerdings nicht. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy, Vorsitzender des NDU-Untersuchungsausschusses, sagte: „Wir müssen jeden Tag Flagge zeigen für die Demokratie.“

Vor dem Aufmarsch von Neonazis am Sonnabend in Bad Nenndorf hat sich ein breiter Protest von Bürgern, Politikern und Aktionsgruppen formiert. Am Abend wollen die Neonazis in Hannover aufmarschieren.

Seit 2006 marschieren Neonazis in Bad Nenndorf im August vom Bahnhof zum so genannten Wincklerbad in der Stadtmitte. Seit 2006 hatten sie die Veranstaltung „Trauermarsch“ genannt, in diesem Jahr hieß sie „Marsch der Ehre“. Sie haben bis ins Jahr 2030 für jedes Jahr ähnliche Märsche angekündigt. Im Wincklerbad hatte der britische Geheimdienst 1945 ein Verhörgefängnis eingerichtet, das 1947 wieder aufgelöst wurde. Heutige Rechtsextremisten behaupten, dass dort NS-Funktionäre und Militärs systematisch gefoltert und ermordet worden sind - deshalb rufen sie zum „Marsch der Ehre“. Der grüne Bundestags-Chef Jürgen Trittin nannte dies den „Versuch einer grandiosen Geschichtsfälschung“. Aus Tätern dürften keine Opfer werden, sagte Trittin.

Von Arne Boecker

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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