Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Bahn frei für Holztransporte
Nachrichten Der Norden Bahn frei für Holztransporte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:59 06.05.2012
Von Manuel Becker
Von der Straße auf die Schiene: Holz soll wieder mit der Bahn transportiert werden. Quelle: Becker
Anzeige
Stadtoldendorf

„Zu verkaufen“, hieß es auf dem Schild am alten Güterbahnhof in Stadtoldendorf. Die Tage des kleinen Verladebahnhofs gegenüber dem Personenbahnhof in der 5500-Einwohner-Stadt in Südniedersachsen schienen gezählt. Die Konkurrenz durch Lkw hatte den Güterverkehr auf der Schiene aufs Abstellgleis befördert. Am Ende wurden auch die letzten Güterbahnhöfe Südniedersachsens stillgelegt.

Dann fiel Elke Gobrecht das Schild auf. „Wie kann es sein, dass die letzten Verladebahnhöfe im Solling aufgegeben werden“, fragte sie sich. Gobrecht arbeitete beim Forstamt Neuhaus als Sachbearbeiterin. Dort erlebte sie gerade, wie die Forstämter mit den Auswirkungen des Orkans „Kyrill“ zu kämpfen hatten. Rund 37 Millionen Kubikmeter Holz fielen „Kyrill“ Mitte Januar 2007 zum Opfer. „Wie kriegen wir das Holz nur aus den Wäldern“, war damals die viel diskutierte Frage. Gobrecht gab ihre Idee an die Niedersächsischen Landesforsten weiter und brachte somit einen Stein ins Rollen.

Anzeige

Seit einigen Tagen ist der Güterbahnhof Stadtoldendorf nun wieder in Betrieb. Eine Kooperation der Niedersächsischen Landesforsten mit dem Holzunternehmen Bruno Reimann reaktivierte den Bahnhof, der am Freitag von Vertreten der Landesforsten, der Landrätin und dem Bürgermeister sozusagen noch einmal eingeweiht wurde.

Der Weg dorthin war mühsam, wie Geschäftsführer Klaus Reimann sagt. Denn Grundstücke des Bahnhofs waren bereits veräußert. „Wäre dann noch die Zugangsweiche zur Verladerampe herausgenommen worden, hätte dies das Aus bedeutet“, sagt Reimann. Auch die Niedersächsischen Landesforsten sahen Grund zu handeln. „Wenn der Bahnhof erst einmal zu ist, war’s das“, sagt der Präsident der Landesforsten Klaus Merker, der mit Sorge beobachtet hatte, „wie die Möglichkeit, große Holzmengen mit der Bahn zu transportieren, verschwanden“. Und Holz spielt im Solling, einem der größten Waldgebiet Niedersachsens, eine bedeutende Rolle. „Unser Holzaufkommen in der Region umfasst 400000 Kubikmeter Holz pro Jahr“, sagt Merker. „49 Prozent der Fläche unseres Landkreises sind von Bäumen bedeckt“, weiß Landrätin Angela Schürzeberg. Nach langen Gesprächen schafften es Reimann und die Niedersächsischen Landesforsten, die veräußerten Stücke zurückzugewinnen, kauften den Schienenabschnitt und mieteten den Güterbahnhof an. „Die Bedingungen sind hier perfekt“, sagt Reimann und stellt die Bedeutung des Bahnhofs heraus. „Ein Güterbahnhof ist ein Ort, mit dem wir an Europa angeschlossen sind“, sagt er. Er muss es wissen. In Langelsheim und Herzberg hat die Firma zwei weitere Verladebahnhöfe.

Für Bürgermeister Wolfgang Anders ist die Wiederinbetriebnahme auch ein Akt mit Signalwirkung: „Das ist für uns ein Argument, dass die Bahn hier weiter investiert.“ Ende des 19. Jahrhunderts war Stadtoldendorf noch ein Halt auf der Bahnstrecke, die Aachen mit Berlin verband. Heute fahren Regionalzüge nach Bad Harzburg über Kreiensen und nach Holzminden.

Dreimal wöchentlich kann nun von Stadtoldendorf aus Güterverkehr befördert werden - was nicht heißt, dass dies auch dreimal die Woche geschieht. Die Niedersächsischen Landesforsten und Klaus Reimann hoffen daher, dass auch andere Betriebe den Verladebahnhof nutzen und so auf den Zug mit aufspringen. Es sei ein Risiko, was beide Partner eingehen, wie sie betonen. Aber es wäre noch ein größeres Risiko, auch den letzten Güterbahnhof in der Region aufzugeben. Sollte noch einmal ein Orkan wie „Kyrill“ kommen, würde der Bahnhof zu einer Goldgrube.

Karl Doeleke 06.05.2012
06.05.2012