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Der Norden IS-Rückkehrer berichtet von Greueltaten
Nachrichten Der Norden IS-Rückkehrer berichtet von Greueltaten
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20:09 09.11.2015
Quelle: dpa
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Celle

Seine Schilderungen sind wichtig, um die Aussagen der beiden in Celle vor Gericht stehenden Wolfsburger zu bewerten. Die zwei 26 und 27 Jahre alten Deutsch-Tunesiern waren 2014 nach Syrien gereist, um den IS zu unterstützen, nach wenigen Monaten aber wieder nach Niedersachsen zurückgekehrt.

Auch der jetzt als Zeuge vernommene 25-jährige Mann ist als Unterstützer der IS-Terroristen angeklagt - sein Prozess in Düsseldorf steht jedoch noch bevor. Als Angehöriger einer Spezialeinheit zum Aufgreifen von Deserteuren und zur Überwachung eines Gefängnisses habe er bei der Terrormiliz Islamischer Staat Folterungen und Hinrichtungen miterlebt, sagte der aus Dinslaken stammende Mann vor dem OLG in Celle.

Von einem Scharia-Gericht verurteilte Gegner und Abtrünnige des IS seien in Syrien auf dem Marktplatz mit dem Schwert geköpft oder erschossen worden. Anschließend habe man sie gekreuzigt und mehrere Tage als Abschreckung zur Schau gestellt. „Für Christen gibt es eine Schutzsteuer von 300 Dollar pro Jahr, sonst werden sie getötet“, sagte der IS-Rückkehrer. „Jesiden können keine Schutzsteuer zahlen, Schiiten können dort nicht leben.“ Auch wer der Terrormiliz den Rücken kehren wollte, hatte nichts Gutes zu erwarten. „Wenn man sich abkehren will vom IS, ist man automatisch ein toter Mann.“

Die beiden Wolfsburger Angeklagten hatten gesagt, sie hätten sich aus Angst vor Repressalien auch nach ihrer Abkehr von der IS-Ideologie als fanatische Unterstützer gegeben, um sich lebend nach Deutschland zurück retten zu können. Einem der beiden wirft die Staatsanwaltschaft vor, in Kämpfe verwickelt gewesen zu sein, der andere stand laut Anklage kurz davor, einen Selbstmordanschlag in Bagdad zu verüben. Sie müssen sich wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und der Vorbereitung schwerer staatsgefährdender Straftaten verantworten.

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