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Der Norden Kardinal Marx kündigt Verbesserungen im Umgang mit Missbrauch an
Nachrichten Der Norden Kardinal Marx kündigt Verbesserungen im Umgang mit Missbrauch an
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09:14 12.03.2019
Reinhard Kardinal Marx läutet in Lingen die Bischofskonferenz ein. Quelle: Foto: Friso Gentsch/dpa
Lingen

Die katholische Kirche will unabhängige Anlaufstellen für Opfer sexuellen Missbrauchs einrichten. Das kündigte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, am Montag in Lingen an. Bei der Aufarbeitung der Missbrauchsskandale in den eigenen Reihen wolle die Kirche auch mit dem Opferbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, zusammenarbeiten. Am Ende der viertägigen Vollversammlung im Emsland soll ein neues Konzept für den Umgang mit Betroffenen stehen. Darin würden einheitliche Vorgaben für die Entschädigung und die Anerkennung des Leids gemacht, sagte Marx zum Auftakt des bundesweiten Treffens.

Die katholische Kirche müsse in allen Fragen, die den Missbrauch beträfen, „zügig vorangehen und nicht darauf warten, was in anderen Teilen der Weltkirche passiert“, sagte Marx. Mit Betroffenen und Opfern werde es Gespräche über die bestehenden Verbände hinaus geben. Die bis Donnerstag andauernde Vollversammlung der Bischöfe sei dafür aber nicht der richtige Ort.

Im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen würden die Bischöfe auch die „systemischen Gefährdungen“ der Kirche offen diskutieren, kündigte Marx an. Dazu gehörten die Sexualmoral, der Umgang mit Macht in der Kirche sowie die Lebensform und die Ausbildung von Priestern.

Außerdem wollen die Bischöfe über die geringe Zahl von Frauen in Leitungspositionen debattieren. Vor Beginn der Konferenz hatten der Katholische Deutsche Frauenbund und die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands kritisiert, dass das jahrzehntelange Engagement der Frauen in der Kirche zu wenig wertgeschätzt werde.

An einem Schweigemarsch des Katholischen Frauenverbands Deutschlands beteiligten sich am Montagabend schätzungsweise 150 Menschen. Anschließend wurden dem Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode 30 000 Unterschriften überreicht, mit denen der Forderung nach Aufklärung der Missbrauchsfälle und einer Erneuerung der Kirche Nachdruck verliehen werden sollte.

Am Dienstag will der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode bei der Bischofskonferenz eine Studie zu Frauen in kirchlichen Leitungspositionen vorstellen. Zum Auftakt der Konferenz hatte der Vorsitzende, der Kardinal Marx, gesagt, dass in den Bistümern intensiv an der Förderung von Frauen gearbeitet werden müsse. Das sei kein Selbstläufer. Die Zusammenarbeit von Männern und Frauen tue einer Sache gut.

Vielen Frauen und Theologinnen dürfte diese Ankündigung der Bischöfe aber nicht reichen. So fordern der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) und die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands eine geschlechtergerechte Kirche. Auch die Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ verlangt ein klares Bekenntnis der Bischöfe zu einem Diakonat der Frau. Damit würden auch Frauen geweiht werden, was bislang in der katholischen Kirche kirchenrechtlich nicht erlaubt ist.

Von Elmar Stephan und Michael Evers