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Der Norden Bundesamt legt 44 Castoren an die Kette
Nachrichten Der Norden Bundesamt legt 44 Castoren an die Kette
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00:21 08.09.2014
Von Gabriele Schulte
„Es ist nicht akzeptabel, dass Qualitätsvorschriften für Castor-Behälter nicht eingehalten wurden“: Die Tragzapfen aus Edelstahl, wie sie hier an einem Castorbehälter am Kraftwerk Unterweser zu sehen sind, wurden nicht ausreichend geprüft.  Quelle: e.on
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Hannover

Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) hat die Verwendung der ­Behälter untersagt, solange deren Transportfähigkeit nicht ausreichend nachgewiesen ist.

„Es handelt sich bloß um ­einen formalen Verstoß“, sagte GNS-Sprecher Michael Köbl am Freitag. Aus dem Bundesumweltministerium in Berlin hieß es dagegen, es sei „nicht akzeptabel, dass Qualitätsvorschriften für Castorbehälter nicht eingehalten werden“.

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Betroffen sind 23 schon ausgelieferte Castoren, von denen vier bereits beladen sind und am 2011 stillgelegten Atomkraftwerk Unterweser bei Nordenham in der Wesermarsch gelagert werden. 13 weitere befinden sich noch in der Fertigung. Konkret geht es um die jeweils vier Tragzapfen, an denen die tonnenschweren Behälter für den Transport aufgehängt werden. Das verwendete Edelstahl muss gründlich per Ultraschall überprüft werden – was bei den 44 in Völklingen im Saarland geschmiedeten Exemplaren so nicht geschah.

„Es gibt jetzt ein Umgangsverbot“, sagte am Freitag eine Sprecherin des niedersächsischen Umweltministeriums als Atomaufsichtsbehörde. Die noch nicht beladenen Castoren dürften bis auf Weiteres nicht beladen, die vier schon gefüllten in der Wesermarsch nicht mehr bewegt werden. Petra Uhlmann vom Kraftwerksbetreiber e.on in Hannover meinte dazu: „Es ist richtig, dass die BAM eine Handhabung bis auf Weiteres untersagt hat. Das ist aber unproblematisch, da sie ja im Zwischenlager stehen und dort nicht bewegt werden müssen.“ Tatsächlich seien wohl bei den außen aufgeschraubten Tragzapfen die Prüfungen formal nicht vollständig gemäß der Vorschrift vorgenommen worden. „Andererseits wurden aber darüber hinausgehende Prüfungen realisiert, die nicht in den Prüfvorschriften enthalten waren.“ An den anderen Behältern will die GNS die Zapfen nun austauschen.

Ebenfalls am Freitag hat das Bundesamt für Strahlenschutz in Salzgitter einen neuen Castor-Typ zugelassen. Hintergrund ist die hohe Nachfrage nach Atommüllbehältern im Zuge des deutschen Atomausstiegs nach der Reaktorkatastrophe in Japan 2011. Für abgeschaltete Kraftwerke – wie in der Wesermarsch – werden zahlreiche zusätzliche Castoren benötigt. Bis ein Endlager gefunden und in Betrieb ist, wird der Müll mindestens jahrzehntelang an den Kraftwerken gelagert.

Der neue Typ V/52 ist ebenfalls von der GNS in Essen entwickelt worden. „Die Auslieferung ist Ende 2014 vorgesehen“, kündigte Sprecher Köbl an. Die Behälter seien für den Transport und zur Zwischenlagerung von 52 bestrahlten Brennelementen aus Siedewasserreaktoren gedacht.

Saskia Döhner 08.09.2014
06.09.2014
Gabriele Schulte 05.09.2014