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Der Norden Das ist Niedersachsens neues Sorgentier
Nachrichten Der Norden Das ist Niedersachsens neues Sorgentier
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09:44 04.01.2017
In Niedersachsen liegen rund 35 Prozent aller deutschen Gewässer. Das macht die Sumpfbiber zum Problem.  Quelle: dpa
Barförde

Lothar Brosinski steht auf einer schmalen Holzbrücke, die über einen Graben führt. „Da“, sagt der Mann in Grün und zeigt auf ein Stück Uferböschung. „Da ist die Erde schon abgerutscht. Das waren die Nutrias.“ Sumpfbiber, wie die Nutrias auch genannt werden, sind die neuen Sorgentiere Niedersachsens. Nicht, weil sie im Bestand bedroht wären, im Gegenteil: Weil es zu viele von ihnen gibt und sie die Deiche beschädigen.

Lothar Brosinski ist Jagdhelfer im kleinen Dorf Barförde im Landkreis Lüneburg, das direkt an der Elbe liegt. Diverse Entwässerungsgräben ziehen sich durch die Marsch im Hinterland, ganz in der Nähe liegt auch ein Teich, der durch den Aushub für den Deichbau entstanden ist. Allein an diesem Teich haben Lothar Brosinski und seine Kollegen im vergangenen Jahr 55 Nutrias gefangen.

An der Falle trifft sich Brosinski mit Lüneburgs Kreisjägermeister Hans-Christoph Cohrs. „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst“, sagt Cohrs. Nutrias sind seit 2001 dem Jagdrecht unterstellt, und die Zahl der erlegten Tiere ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Im ersten Jahr wurden 911 Exemplare erlegt, 2009 waren es 5588, und im vergangenen Jahr waren es erstmals mehr als 10 000 Tiere - 37 Prozent mehr als 2015. Die Zahl wird weiter steigen, da ist sich Cohrs sicher: „Ich rechne mit einer Verdoppelung im nächsten Jahr.“

Tiere vermehren sich schnell

Schwerpunkt der Population in Niedersachsen ist die Region Emsland, Cloppenburg und Osnabrück, mehr als die Hälfte aller 10 000 getöteten Sumpfbiber wurden dort erlegt. Kannte man Nutrias vor zehn Jahren vor allem im Westen Niedersachsens, haben sich die Nager inzwischen auch in den Osten ausgebreitet, vor allem entlang der Elbe. Die Bestände in diesem Bereich haben sich in den vergangenen Jahren verzehnfacht.

Nutrias sind seit Ende des 19. Jahrhunderts als Zuchttiere nach Niedersachsen gekommen, ursprünglich stammen sie aus Südamerika. Gezüchtet wurden sie wegen der Qualität ihres Pelzes, in der DDR wurde das Fleisch der Tiere auch verzehrt. Die jetzt frei lebenden Tiere sind Nachfahren von aus den Zuchtstationen entflohenen oder frei gelassenen Exemplaren.

Und sie vermehren sich explosionsartig. Nutrias sind sehr früh geschlechtsreif und paaren sich nur in sehr kalten oder sehr heißen Monaten nicht. Aus einem einzigen Paar kann binnen drei Jahren eine Population von mehreren Tausend Tieren entstehen.

Milder Winter könnte Tieren helfen

„Die vergangenen Winter haben zu der starken Population beigetragen“, sagt Kreisjägermeister Cohrs. „Wird es sehr kalt, sterben die Tiere. Bleibt es mild, überleben sie den Winter und vermehren sich weiter.“ Bis auf den Fuchs haben die Nager, die mitsamt Schwanz fast einen Meter lang und bis zu 15 Kilogramm schwer werden können, keine natürlichen Feinde. Die Europäische Union hat die Nutria auf die Liste der invasiven Arten gesetzt, und das Land Niedersachsen ist angehalten, eine Ausbreitung der Art zu verhindern.

In Niedersachsen liegen rund 35 Prozent aller deutschen Gewässer. Das macht die Sumpfbiber zum Problem. Denn sie bohren oberhalb der Wasseroberfläche Röhren in die Deiche, die in einem Kessel enden, in dem sie leben. Steigt der Wasserspiegel, graben sich die Tiere neue Zugänge, und nach oben bohren sie Luftröhren. „Kommt dann das Hochwasser, wirkt das wie ein Springbrunnen“, sagt Kreisjägermeister Cohrs. Er zeigt Bilder, auf denen ein Bagger in einen Graben gerutscht ist, weil der Untergrund von Nutriabauten unterhöhlt und abgesackt war.

Teure Sanierungen

Der niedersächsische Wasserverbandstag beklagt, dass mittlerweile hohe Summen aufgebracht werden müssen, um die Ufer wieder herzustellen, die Deiche zu sanieren und die Dämme zu reparieren. Tendenz auch hier: steigend.

„Uns selbst werden die Dimensionen des Themas Nutria erst jetzt klar“, gibt der Lüneburger Kreisjägermeister Cohrs zu. „Das ist ein echtes Problem.“ Die Landesjägerschaft geht davon aus, das die Nager „das verfügbare Lebensraumpotenzial noch lange nicht ausgeschöpft“ haben und in weitere, von ihnen bisher kaum oder gar nicht besiedelte Gegenden vordringen werden.

Von Carolin George und Matthias Brunnert

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