Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden „Das Y ist damit tot“
Nachrichten Der Norden „Das Y ist damit tot“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:00 05.11.2015
Alpha statt Y: Beim Abschlusstreffen in Celle stimmten die Vertreter von Bürgerinitiativen und Kommunen mit großer Mehrheit für einen Ausbau der sogenannten Alpha-Variante. Quelle: dpa
Anzeige
Celle

Die Fronten zwischen der Bahn und den Bewohnern der Lüneburger Heide waren über Jahrzehnte derart verhärtet, dass eine Einigung bei der umstrittenen Y-Bahntrasse fast unmöglich schien. Um den Konflikt zu entschärfen, rief Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) ein Dialogforum mit Kommunen und Bürgerinitiativen ins Leben. Dieses ist nach monatelangen Beratungen am Donnerstag in Celle zu der Empfehlung gekommen, dass statt der gefürchteten Neubautrasse auch ein Ausbau bestehender Strecken reicht, um die wachsende Zahl von Güterzügen aus Hamburg und Bremerhaven Richtung Süden abzufahren. Die Bahn hatte dies jahrelang bestritten, hält dies nun aber für einen vorerst gangbaren Weg.

„Wir wollen, dass es losgeht“, sagte Lies am Donnerstag zum Abschluss des Forums und sprach von „der Kunst des Möglichen“. Es sollten nun endlich die Bauarbeiten beginnen, anstatt weitere Diskussionen über denkbare Trassen zu führen. Auf diese klare Ansage hatten die im Forum vertretenen Landkreise, Städte und Anwohnerinitiativen immer wieder gepocht - und der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, bekräftigte sie in Celle prompt: Der Bund nehme die Ausbauvariante komplett in den neuen Bundesverkehrswegeplan auf. „Das Y ist damit tot mit der heutigen Zusage von mir.“ Der Applaus der Neubautrassengegner war ihm damit sicher. „Man muss Betroffene zu Beteiligten machen“, erläuterte er.

Anzeige

Rückblende: Anfang der 1990er Jahre begann die Planung für die Y-Trasse, die in Verlängerung der ICE-Neubaustrecke aus Würzburg von Hannover nach Bremen und Hamburg führen sollte. Statt einer Tempo-300-Trasse rückte später der wachsende Güterverkehr aus den Häfen in den Fokus. Während die Bahn auf ihrer Planung beharrte, schnellten die Kosten in die Höhe und der Widerstand der Anlieger nahm zu. Auch als die ursprünglichen Y-Pläne vor drei Jahren ad acta gelegt wurden, blieb das Misstrauen der Anlieger bestehen.

Damit sich ein offener Konflikt wie bei dem Projekt „Stuttgart 21“ nicht wiederholte, lud Lies zum Dialogforum ein. Besser es werde etwas Zeit in die Suche eines Konsenses gesteckt, als dass später jahrelang prozessiert wird, argumentierte der Minister. Das Ergebnis, das Bund und Bahn nun ausdrücklich mittragen, gibt ihm weitgehend Recht. Herausgekommen ist eine vom Forum selber erarbeitete Lösung, die zusätzliche Gleise an bestehenden Strecken sowie den Ausbau der jahrzehntelang weitestgehend im Dornröschenschlaf schlummernden „Amerika-Linie“ von Bremen nach Uelzen und weiter nach Ostdeutschland beinhaltet.

Nicht gelungen ist es dem Forum aber, die Kritik von Hafenwirtschaft, Industrie und Verkehrsverbänden angemessen zu berücksichtigen, die die gefundene Alpha-Ausbauvariante zwar mittragen, zusätzlich aber als künftige Ergänzung eine Neubautrasse entlang der Autobahn 7 von Hamburg Richtung Hannover in Erwägung ziehen. Die Stadt Hamburg sowie der Fahrgastverband Pro Bahn und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) legten deshalb eine eigene Abschlussempfehlung vor. Auch die niedersächsischen Seehäfen und der Industrie- und Handelskammertag (NIHK) forderten am Donnerstag als Option weiter eine Neubautrasse. Kritik an der Alpha-Variante kam auch aus Schleswig-Holstein, wohin etliche Züge nach dem Konzept ausweichen sollen.

Unterdessen will Minister Lies beim Baustart zwischen Verden und Rotenburg aufs Tempo drücken. „Wir werden zehn Millionen Euro bereitstellen, damit wir mit der Planung beginnen können.“

dpa

05.11.2015
Lisa Malecha 07.11.2015