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Der Norden Grüne: Qualität ist in Kita wichtiger als Beitragsfreiheit 
Nachrichten Der Norden Grüne: Qualität ist in Kita wichtiger als Beitragsfreiheit 
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02:30 22.01.2018
Die Qualität in den Kits muss besser werden, fordern die Grünen. Das sei wichtiger als die Abschaffung der Beiträge.
Die Qualität in den Kits muss besser werden, fordern die Grünen. Das sei wichtiger als die Abschaffung der Beiträge. Quelle: dpa
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Hannover

 Die niedersächsischen Grünen warnen davor, die vorschulische Sprachförderung von den Grundschulen in die Kitas zu verlagern, ohne dafür in den Einrichtungen mehr Personal zur Verfügung zu stellen. Diese Möglichkeit sieht die Schulgesetznovelle der Großen Koalition vor, die von den Fraktionen in der nächsten Woche in den Landtag eingebracht werden soll. Generell sei es sinnvoll, wenn Erzieher die Sprachförderung übernähmen, sagt Grünen-Bildungsexpertin Julia Willie Hamburg am Freitag in Hannover, denn das sei sowieso ihr Alltagsgeschäft. Aber sie sei skeptisch, dass es dem Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) nur darum vor, die Aufgabe aus den Grundschulen zu nehmen, um so die Unterrichtsversorgung zu verbessern.

Überhaupt müsse Qualität vorgehen, auch vor Beitragsfreiheit. Kostenlose Bildung sei ein wichtiger Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit, aber zunächst müssten die Arbeitsbedingungen in den Kitas verbessert werden. Die Grünen fordern eine längst überfällige Novelle des Kinderstättengesetzes. SIe schlagen die schrittweise Einführung einer dritten Fachkraftin den Gruppen vor, zunächst in den größten Gruppen mit 25 Kindern. Der Betreuungsschlüssel müsste gesenkt werden: Ein Erzieher soll sich nur um zwischen sieben bis zehn Kinden kümmern müssen. Die Mitarbeiter müssten mehr Verfügungsstunden bekommen, die Zahl solle von 7,5 auf zehn Stunden wöchentlich pro Gruppe erhöht werden. Es könne nicht sein, dass Betreuer abends oder in ihrer Freizeit Elterngespräche führten, sagte Hamburg.

Außerdem fordern die Grünen einen Landeselternrat für Kitas ähnlich dem für Schulen. Auch die Tagespflege müsse in einem Kita-Gesetz geregelt werden.

Die Grünen werfen der Großen Koalition vor, die Vorschläge der Opposition abzubügeln, wowohl sich Minister Tonne „als Beteiligungsminister“ verstehe. Der Vorschlag der FDP für ein neues Schulgesetz sei im Kultusausschuss des Landtages ohne Diskussion abgelehnt worden und werde in der Anhörung zum Schulgesetz jetzt gar nicht diskutiert.

Kritisch sieht die Schulexpertin Hamburg die Verlängerung der Förderschulen Lernen bis 2028, wenn Schulträger dies beantragen. Dies hemme die Weiterentwicklung der  Inklusion, Regelschulen müssten besser unterstützt werden, auch die Rolle freier Schulen soll geklärt werden, Privatschulen sollten mit Schulen in staatlicher Trägerschaft kooperieren dürfen, Förderlehrer von Privatschulen sollten auch im Mobilen Dienst in öffentlichen Schulen eingesetzt werden können. 

Von Saskia Döhner