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Der Norden EU-Behörde hält Glyphosat für ungefährlich
Nachrichten Der Norden EU-Behörde hält Glyphosat für ungefährlich
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19:49 12.11.2015
Quelle: Symbolbild
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Parma/Hannover

Damit stellt sich die europäische Behörde gegen eine Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO, die Glyphosat im Frühjahr als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft hatte und damit auch in Niedersachsen eine heftige Diskussion um die anstehende Wiederzulassung des Herbizids auslöste.

Die Efsa stützt sich bei ihrem Gutachten auf ein Expertengremium. Die Fachleute seien zu dem Ergebnis gekommen, dass der Stoff vermutlich keine Bedrohung für den Menschen darstelle, heißt es. Und die Behörde geht sogar noch weiter: Sie schlägt vor, den Grenzwert für die tägliche regelmäßige Aufnahme des Stoffes anzuheben - von derzeit 0,3 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht auf 0,5 Milligramm. Zudem soll ein neuer Grenzwert eingeführt werden, zum Beispiel eine maximale Dosis pro Mahlzeit. Damit werde „die künftige Bewertung potenzieller Risiken durch Glyphosat“ verschärft, sagte José Tarazona, Leiter des Referats für Pestizide der Efsa.

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Die Efsa erklärte, sie haben den WHO-Bericht mit in ihre Bewertung einbezogen, sei aber zu einer anderen Schlussfolgerung gelangt - auch, weil sie eine Reihe anderer Studien mit einbezogen habe. „Was die Karzinogenität betrifft, so ist es unwahrscheinlich, dass dieser Stoff krebserregend ist“, sagte Tarazona. Die Zulassung des Mittels in Europa war bis Mitte 2016 verlängert worden, die EU-Kommission entscheidet nun auf Basis des Efsa-Gutachtens über eine Neuzulassung.

Für den BUND ist der Efsa-Bericht „ein Beleg für die unglaubliche Ignoranz der Behörde gegenüber den Gesundheitsrisiken des Wirkstoffes“. Auch Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) hält es für unverantwortlich, dass die Warnungen der WHO von der Efsa „in den Wind geschlagen“ würden, wie er der HAZ sagte. „Die WHO ist eine renommierte Adresse für den Gesundheitsschutz, deren Erkenntnisse ernst genommen werden müssen.“ Wenzel forderte die Offenlegung der Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung und der Studien, die von der Efsa geprüft worden seien. Der Agrarexperte der SPD, Wiard Siebels, sagte, man müsse auch die Hinweise ernst nehmen, dass Glyphosat chronischen Botulismus auslösen könne.

Der agrarpolitische Sprecher der FDP, Hermann Grupe, sagte, das Efsa-Gutachten habe „Glyphosat korrekt eingeordnet“. Man habe noch einmal bestätigt bekommen, dass das Mittel bei korrekter und maßvoller Anwendung kein messbares Risiko beinhalte. Der verbraucherschutzpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Frank Oesterhelweg, sieht in der Efsa-Studie einen „wichtigen Fingerzeig“. Auch er fordert einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Mittel: So soll Glyphosat nicht auf Spielplätzen angewandt werden.

Von Miriam Schmidt ?und Heiko Randermann

12.11.2015
12.11.2015