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Der Norden Ein X zu wenig am neuen Denkmal
Nachrichten Der Norden Ein X zu wenig am neuen Denkmal
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22:05 23.11.2015
Von Ulrich Schubert
1827 statt 1837: Die Inschrift sollte auf das Jahr der Thronbesteigung von König Ernst August verweisen - doch sie liegt knapp daneben. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Mit großem Tamtam wurde das Denkmal vor dem Göttinger Bahnhof vergangene Woche enthüllt, nach heftigen Diskussionen im Vorfeld und erneuten Protesten auch während der Veranstaltung. Doch die Posse ist noch nicht vorbei. Vier Tage nach der feierlichen Enthüllung ist klar: Der Sockel, der an den Protest der Göttinger Sieben gegen König Ernst August erinnern soll, enthält einen peinlichen Fehler. An der Bronzeplatte ist ein falsches Datum genannt. Das Jahr der Thronbesteigung von Ernst August I. wird in römischen Ziffern mit 1827 angegeben. Tatsächlich wurde er 1837 König. Es fehlt ein X. Die Künstlerin ist irritiert, die Stifter versprechen eine Korrektur.

Das massive Objekt setzt den berühmten sieben Wissenschaftlern, die 1837 gegen die Aufhebung der Verfassung durch König Ernst August protestiert hatten, ein Denkmal. Es ist eine Kopie der Reiterstatue vom Bahnhof Hannover, allerdings ohne Reiter und mit verändertem Text. Alle anderen Elemente sollten nach dem Entwurf der Künstlerin eins zu eins identisch sein - auch die Inschriften einer aufgesetzten Platte. Auf dem Original ist vermerkt, dass Ernst August im Jahr MDCCCXXXVII König wurde, in Göttingen aber fehlt ein X. Den Fehler bemerkt hat am Wochenende der Göttinger Architekt Jan Stubenitzky. Die falsche Jahreszahl sei ihm selbst aber auch erst beim genauen Blick auf Fotos und ein Video aufgefallen.

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„Tatsächlich ist bei der Fertigung irgendwie ein X verloren gegangen“, bestätigte am Montag Matthias Dreyer, Leiter des Künstlerhauses der Stiftung Niedersachsen. Wo das zwischen Datenerfassung am Original, Gussformherstellung und Gießerei passiert ist, sei noch unklar. „Wir werden den Fehler aber so schnell wie möglich korrigieren lassen“, sagte Dreyer. Er gehe davon aus, dass dafür nur ein Segment der Platte herausgetrennt und ersetzt werden müsse. Wer die Kosten trage, sei noch offen.

Künstlerin Christiane Möbus reagierte auf die Nachricht irritiert und erkennbar frustriert. „Dann muss man halt ein X dazumalen.“ Sie sei bisher davon ausgegangen, dass die Inschrift von ihren Mitarbeitern eins zu eins übernommen worden sei. „Man kann natürlich auch Fehler machen, nicht mal der Papst macht keine Fehler.“ Bei der Endabnahme der Platte ist der Fehler nach den Angaben von Möbus nicht aufgefallen.

„In jedem Fall muss der Fehler behoben werden“, fordert Göttingens Kulturdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck (SPD), „alles andere wäre sinnentstellend.“ Die exakte Replik des hannoverschen Sockels sei ein entscheidendes Element der künstlerischen Botschaft.

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