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Der Norden Eltern fordern Rechtsanspruch auf Ferienbetreuung
Nachrichten Der Norden Eltern fordern Rechtsanspruch auf Ferienbetreuung
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20:47 07.07.2016
Von Heiko Randermann
Symbolbild Quelle: dpa
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Hannover

13 Wochen Ferien haben niedersächsische Schüler jedes Jahr. Was für die Kinder ein Grund zur Freude ist, stellt ihre Eltern vor Probleme, denn deren Urlaubsanspruch reicht in der Regel nur für sechs Wochen. Um das zu lösen, fordern Familienverbände und der Landeselternrat ein Recht auf Ferienbetreuung für Grundschulkinder.

„Die Ferienbetreuung in der Grundschulzeit ist ein ungelöstes Problem“, sagte Stefan Bredehöft, Vorsitzender des Landeselternrats Niedersachsen. Nur 11  Prozent der Kinder hätten einen Hortplatz, der auch in den schulfreien Wochen zur Verfügung stehe. Der Rest müsse improvisieren, da auch Verwandte nicht immer aushelfen könnten. Besonders schwierig sei das für Alleinerziehende. Auch Paaren könne man nicht zumuten, ihren Urlaub aufzuteilen, sagte Bernd Heimberg, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Familienverbände in Niedersachsen (AGF). „Gemeinsamer Urlaub ist enorm wichtig für den Zusammenhalt der Familie.“ Das Betreuungsproblem sei „die letzte große Lücke bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, ergänzte AGF-Geschäftsführerin Christine Volland.

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Die Elternvertreter fordern ein Recht auf Ferienbetreuung analog zum Recht auf einen Kindergarten- oder Krippenplatz. Nur so lasse sich eine flächendeckende Betreuung in Niedersachsen durchsetzen. Das Beispiel der Krippen zeige zudem, dass auch bei einem Rechtsanspruch nicht alle Kinder, sondern voraussichtlich nur 30 bis 40 Prozent das Angebot wahrnehmen würden. „Es geht nicht darum, die Kinder auch in den Ferien wegzuorganisieren“, betonte Heimberg.

Bei der Bedarfsermittlung und Umsetzung der Ferienbetreuung „vertrauen wir auf die Kompetenz der Kommunen“, sagte Bredehöft. Diese sollten dann auch mit den Mitteln ausgestattet werden, um nicht nur eine Aufbewahrung der Kinder, sondern eine aktive und sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu bieten. Das Geld dafür soll von Bund und Land kommen, fordern die Elternvertreter.

„Als Kultusministerin habe ich großes Verständnis dafür, dass sich Eltern auch in den Ferienzeiten, in denen sie selbst nur bedingt Urlaub nehmen können, für ihre Kinder eine verlässliche Betreuung wünschen“, sagte Frauke Heiligenstadt (SPD) der HAZ. In diese Richtung ziele etwa auch schon das Modellprojekt „Kooperativer Hort“, mit dem das Land unter anderem eine Ferienbetreuung für Schüler von Ganztagsgrundschulen anbiete. Dies wird derzeit an vier Standorten in Niedersachsen erprobt.

Auch Sozialministerin Cornelia Rundt äußerte Verständnis, verwies allerdings darauf, dass bereits viele Kommunen Ferienmaßnahmen anbieten würden.

Diese Angebote gebe es, sie seien aber eher von der Kassenlage der Kommune abhängig, sagte Heimberg. Mit dem Rechtsanspruch wolle man ein flächendeckendes Angebot, das an allen Orten den gleichen Standards genüge.