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Der Norden Emden ruft zu Aktion gegen Internet-Hetze auf
Nachrichten Der Norden Emden ruft zu Aktion gegen Internet-Hetze auf
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16:02 11.04.2012
Trauer um Lena: „Wir sind nicht die Stadt der Vorverurteilung und Gewalt.“ Quelle: dpa
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Emden

Nach dem Mord an der Schülerin Lena in Emden hat ihre Heimatstadt zu einer Aktion gegen Internet-Hetze aufgerufen. Die 50 000-Einwohner-Stadt in Ostfriesland will an diesem Freitag ein Zeichen gegen Vorverurteilung, Selbstjustiz und Intoleranz setzen. Das kündigte Emdens Oberbürgermeister Bernd Bornemann (SPD) am Mittwoch an. Zum ersten Schultag nach den Ostferien ist am Donnerstag auch eine Trauerfeier für Mitschüler des getöteten Mädchens geplant.

Nach dem Mord vor zweieinhalb Wochen war ein Unschuldiger vorübergehend festgenommen worden. Im Internet waren daraufhin Hassparolen und ein Aufruf zur Selbstjustiz gegen den 17-Jährigen veröffentlicht worden. Wenige Tage später gestand dann ein 18-Jähriger, Lena in einem Parkhaus getötet zu haben. Oberbürgermeister Bornemann sagte, die ganze Stadt sei mit der Aufarbeitung des Verbrechens und der Vorfälle darum herum beschäftigt.

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Die Ermittler der Mordkommission hatten zunächst den 17-Jährigen verdächtigt und verhört. Nach einem Lynchaufruf gegen ihn in sozialen Netzwerken hatte sich nachts ein Mob von rund 50 Menschen vor der Emder Polizeiwache versammelt und die Herausgabe des Verdächtigen gefordert. Die Beamten griffen nicht ein. Gegen den Urheber des Aufrufs wird inzwischen jedoch ermittelt.

Oberbürgermeister Bornemann betonte: „Wir sind nicht die Stadt der Vorverurteilung und Gewalt.“ Das Image von Emden solle nach den bundesweiten Negativ-Schlagzeilen über den Zwischenfall wieder grade gerückt werden.

Die Solidaritätsveranstaltung sei schlicht und würdevoll geplant, sie solle alle Betroffenen auf die Rückkehr in den Alltag vorbereiten. „Nicht die Politik, sondern das Menschliche steht im Vordergrund“, sagte Bornemann.

Pastor Manfred Meyer sagte, die Familie der getöteten Lena begrüße die am Freitagabend geplante Veranstaltung ausdrücklich. Der Pfarrer betreut die Familie und hatte auch bei der Beerdigung des Mädchens gesprochen. „Die Eltern, Angehörigen und Freunde möchten wieder zurück ins normale Leben finden.“

dpa

11.04.2012
Michael B. Berger 13.04.2012
10.04.2012