Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Erzieherausbildung soll flexibler werden
Nachrichten Der Norden Erzieherausbildung soll flexibler werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:51 22.07.2012
Von Saskia Döhner
Musik für die Kleinsten: Wer Kinder betreuen will, braucht viele Fähigkeiten. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

In der Debatte um den drohenden Betreuermangel für die unter Dreijährigen tritt der Landesverband der Deutschen Privatschulen (VDP) für eine Differenzierung ein. Es gelte, klar zwischen Sozialassistenten und Erziehern zu unterscheiden, sagt VDP-Vorsitzender Andreas Schraknepper. Wichtig sei, dass die Qualität der Ausbildung nicht leide.

Um Sozialassistent zu werden, muss man nach der Mittleren Reife eine zweijährige Fachschule besuchen. Danach kann man entweder schon als Helfer in eine Krippe oder einen Kindergarten gehen oder noch die höhere Qualifizierung zum Erzieher anschließen. Dazu ist wiederum der zweijährige Besuch einer Berufsfachschule nötig. Insgesamt dauert die Ausbildung zum Erzieher in Niedersachsen also vier Jahre, in vielen anderen Bundesländern sind es sogar fünf, weil nach der Ausbildung noch ein Berufsanerkennungsjahr folgt. Sozialassistenten sind immer nur Zweitkraft in einer Kindergruppe. Sie dürfen keine Gruppen leiten oder allein Elterngespräche führen.

Anzeige

Wenn angesichts von rund 2200 drohenden Erziehern im nächsten Jahr der politische Ruf nach Umschulungen von Langzeitarbeitslosen laut werde, sollte man vielleicht zuerst die Sozialassistenten im Blick haben, meint Schraknepper. Zumal die Bundesagentur für Arbeit in Niedersachsen die Umschulung zum Erzieher derzeit aus rechtlichen Gründen auch gar nicht fördern dürfe.

Der VDP wirbt für flexible Modelle in der Ausbildung, ob nur vormittags, am Wochenende oder an drei Abenden in der Woche – die Berufsfachschulen sollten sich auf die unterschiedlichen Wünsche ihrer Schüler und der Kitas einstellen, sagt Reinhard Tegebauer, Leiter der Oskar-Kämmer-Schule in Peine. Gerade Frauen zwischen 30 und 40 Jahren, die nach einer längeren Familienphase wieder zurück in den Job wollen, seien oft eine Idealbesetzung für die Arbeit in Krippen, meint Stephanie Siesenop, die an der Oskar-Kämmer-Schule die Ausbildung der Sozialassistenten verantwortet.

Wie die Opposition bemängelt auch der VDP, dass es zu wenig Sozialpädagogen für die künftigen Erzieher gibt. Das Studienfach wird in Niedersachsen nur an der Universität Lüneburg angeboten, und von den jährlich 30 Absolventen bleiben nur zehn im Land.

Mehr zum Thema

Fehlen Erzieher für Krippen oder nicht? Die Regierung hat der Opposition im Landtag vorgeworfen, einen Mangel herbeizureden. Die Linken wiesen auf die hohe Durchfallquote der angehenden Erzieher hin.

Klaus Wallbaum 26.02.2019
Aus der Stadt Rechtsanspruch auf Krippen - Kritik an Umschulung zu Erziehern

Die Debatte um den Wechsel von Langzeitarbeitslosen in den Erzieherberuf hat in Hannover ein überwiegend kritisches Echo hervorgerufen. „Das ist eine Lachnummer“, sagt Renate Lippel, Leiterin der Anna-Siemsen-Schule, die die sozialpädagogische Grundausbildung für Erzieher und Sozialassistenten übernimmt.

Andreas Schinkel 11.07.2012

Die Bundesagentur für Arbeit will 5000 Erwerbslose zu Erziehern ausbilden. Mit der umstrittenen Maßnahme will Arbeitsministerin Ursula von der Leyen auf den Personalengpass in Kindergärten reagieren.

10.07.2012