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Der Norden Sextäter meldete sich noch nach Anzeige bei JVA
Nachrichten Der Norden Sextäter meldete sich noch nach Anzeige bei JVA
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19:39 10.06.2014
Von Karl Doeleke
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Lingen

Bei der Suche nach dem flüchtigen Sextäter aus der Justizvollzugsanstalt in Lingen hat es möglicherweise eine Fahndungspanne gegeben. Das Gefängnis hatte noch zwei Tage nach dem mutmaßlichen Missbrauch einer 13-Jährigen telefonischen Kontakt zum Flüchtigen. Am vergangenen Sonntagabend habe es ein Handytelefonat zwischen einem Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) und dem 51-Jährigen Reinhard Rühs gegeben, bestätigte am Freitag der Osnabrücker Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer. Zu dem Zeitpunkt hatte das Mädchen den Mann bereits bei der Polizei angezeigt. Das Mobiltelefon des Beschuldigten wurde noch nicht überwacht, wie Retemeyer sagte. So konnte er von den Ermittlern nicht geortet werden.

Eine Woche nach dem mutmaßlichen schweren sexuellen Missbrauch fehlte auch am Freitagabend jede Spur von dem Sicherungsverwahrten. Rühs wird beschuldigt, ein Mädchen eine Woche zuvor am Abend des 30. Mai während eines Freigangs aus der Sicherungsverwahrung misshandelt zu haben. Nach einer Party in der Wohnung eines Bekannten in Lingen soll sich der 51-Jährige an der 13-Jährigen vergangen haben. „Wir gehen allen Hinweisen nach, aber wir haben noch nichts Konkretes“, sagte gestern ein Sprecher der Polizei in Lingen.

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Nach der mutmaßlichen Tat war Rühs, der zu Therapiezwecken zwischen dem 28. Mai und dem 1. Juni auch nachts seiner Zelle fernbleiben durfte, am Sonnabendmorgen noch einmal zum verabredeten täglichen Alkohol- und Drogentest in die JVA zurückgekehrt. Danach wurde er nicht mehr gesehen. Seit Sonnabendabend lag dann eine Anzeige des Mädchens bei der Polizei in Lingen vor. Seit Sonntagmorgen um 7 Uhr war auch die JVA informiert. Rühs erschien aber am Sonntag nicht zum Drogentest.

Zur telefonischen Kontaktaufnahme kam es dann laut Retemeyer am Sonntagabend gegen 18 Uhr, nachdem Rühs zum vereinbarten Zeitpunkt nicht ins Gefängnis zurückgekehrt war. Der verurteilte Gewaltverbrecher musste das Handy bei sich tragen, um jederzeit erreichbar zu sein. Unklar blieb gestern, wer wen angerufen hat. In dem Gespräch soll Rühs laut Retemeyer gesagt haben, er komme später. Seitdem wurde das Telefon trotz Überwachung nicht mehr geortet. Einen Haftbefehl gab es am Sonntag noch nicht, lediglich die Anordnung des Bereitschaftsstaatsanwalts vom Samstagabend an die Polizei in Lingen, Rühs bei Antreffen vorläufig festzunehmen.

Am Freitag meldete sich der Göttinger Verein „gegen Missbrauch“ mit Kritik zu Wort. „Obwohl der Mann wegen mehrerer Sexualdelikte aktenkundig ist, wurden ihm unbegleitete Freigänge gewährt. Das können wir in keiner Weise nachvollziehen“, sagte der Vorsitzende Ingo Fock. „Der Schutz der Gesellschaft sollte stets im Vordergrund stehen.“

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