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Der Norden Dritte Frau wurde drei Monate in Höxter misshandelt
Nachrichten Der Norden Dritte Frau wurde drei Monate in Höxter misshandelt
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12:14 06.05.2016
Auf dem Hof in Höxter sollen mindestens drei Frauen misshandelt worden seien. Quelle: dpa
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Bielefeld

Eine 51-Jährige aus dem Großraum Berlin ist nach eigenen Angaben mehr als drei Monate lang in dem Haus in Höxter misshandelt worden. Das hat sie laut Polizei inzwischen ausgesagt, wie es am Mittwoch in einer gemeinsamen Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft hieß.

Frau hatte in Höxter keine Chance zu fliehen

Die Frau war demnach von Ende 2011 bis März 2012 in dem Haus im Ortsteil Bosseborn festgehalten worden und hatte keine Möglichkeit zu fliehen. Die 51-Jährige hatte sich auf eine Kontaktanzeige ihres späteren Peinigers gemeldet. Beide Beschuldigten hätten sie körperlich misshandelt. Nach einer körperlichen Auseinandersetzung sei sie dann in einen Zug nach Hause gesetzt worden. Aus Angst vor angedrohter Gewalt habe sie die Polizei nicht eingeschaltet. Erst nachdem sie jetzt das Haus in Höxter in den Medien gesehen habe, hat sie sich bei der Polizei gemeldet.

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Die Polizei durchsucht das Haus des Ehepaares, das mutmaßlich für den Tod einer 41-Jährigen verantwortlich ist.

Experten der Polizei setzen heute die Suche nach weiteren Spuren auf dem Gehöft des Paares, das zwei Frauen getötet haben soll, fort. Die Ermittler wollen ausschließen, dass es weitere Todesopfer gibt. "Wir müssen Zentimeter für Zentimeter prüfen", hatte der Leiter der Mordkommission, Ralf Östermann, am Dienstag angekündigt. Das könne mehrere Tage, wenn nicht Wochen dauern.

Täter wollen "Gefühl von Allmacht"

Unter Tatverdacht stehen eine 47-jährige Frau und ihr 46 Jahre alter Ex-Mann. Sie hat gegenüber den Ermittlern ein Geständnis abgelegt. Der Mann bestreitet eine Schuld. Die Ermittler vermuten als Motiv sadistische Machtspiele. In Fällen wie in Höxter wollen Täter nach Einschätzung eines Spezialisten ihre eigene Ohnmacht "durch Gewaltausübung in das Gefühl von Allmacht" verwandeln. "Wenn ich einen Menschen erniedrige, unter meine Kontrolle bringe, dann habe ich das Gefühl, unglaublich mächtig zu sein", sagte der Essener Psychotherapeut Christian Lüdke, Experte für die Betreuung von Gewaltopfern. Für die Täter seien die Opfer nur ein Instrument zum Machtrausch. Die Ex-Frau des mutmaßlichen Haupttäters habe wahrscheinlich Angst um ihr eigenes Leben gehabt und deshalb mitgemacht. Bei Täterpaaren könne eine psychische Störung auftreten, bei der der Haupttäter einen Wahnzustand auf den anderen übertrage, sagte Lüdke.

Frau getötet, zerstückelt und verbrannt

Staatsanwaltschaft und Polizei hatten am Dienstag über schockierende Details zu dem Fall berichtet. Danach soll das verdächtigte Paar zwei Frauen zu Tode gequält und vermutlich weitere Opfer über einen längeren Zeitraum misshandelt und festgehalten haben. Eine 33-Jährige aus Niedersachsen, mit der der Mann verheiratet war, sei bereits 2014 umgebracht, zerstückelt und im Kamin verbrannt worden. Ihre Asche hätten die Beschuldigten in der Umgebung verstreut. Ins Rollen waren die Ermittlungen in der vergangenen Woche gekommen, als eine weitere Frau aus Niedersachsen ums Leben kam. Sie war von den Beschuldigten ebenfalls körperlich schwer misshandelt worden. Mit dem Auto wollten sie die geschwächte Frau zurück in ihre Wohnung nach Niedersachsen bringen. Nach einer Motorpanne rief das Paar auf einer Landstraße einen Rettungswagen. Die Frau starb kurz darauf in einem Krankenhaus. Die Ärzte schalteten wegen der Art der Verletzungen die Polizei ein.

dpa/mat

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