Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Fünf Jahre Haft für Mord an Neugeborenem
Nachrichten Der Norden Fünf Jahre Haft für Mord an Neugeborenem
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:31 21.02.2014
Die angeklagte Mutter muss nach dem Mord an ihrem Neugeborenen für Fünf Jahre ins Gefängnis. Quelle: dpa
Anzeige
Hildesheim

Im Prozess um den Tod eines neugeborenen Jungen hat das Landgericht Hildesheim die Mutter wegen versuchten Totschlags zu fünf Jahren Haft verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts hat die zur Tatzeit 32-Jährige aus Sarstedt mit direktem Tötungsvorsatz gehandelt, als sie das Kind im Oktober 2013 allein auf der Toilette ihrer Wohnung zur Welt brachte und die Wasserspülung betätigte.

Ein Gutachter hatte nicht eindeutig feststellen können, ob das Kind vor, während oder nach der Geburt gestorben ist. Den neugeborenen Jungen hatte die dreifache Mutter mit Plastikfolie umwickelt und in einer Grünanlage verscharrt. Das Kind stammte aus einem Seitensprung. Die Staatsanwaltschaft hatte auf sechs Jahre Haft wegen versuchten Totschlags plädiert, die Verteidigung dagegen einen Freispruch gefordert, weil die Frau geglaubt habe, dass der Säugling tot sei.

Anzeige

Die Kammer ging jedoch davon aus, dass die dreifache Mutter das Kind ablehnte. "Sie hat nicht aus blankem Egoismus gehandelt, sie war in gewisser Bedrängnis und wollte das Kind verschwinden lassen", so der Richter in seiner Urteilsbegründung. Gezeugt wurde das Kind bei einem Seitensprung auf einer Auslandsreise. Die Frau habe Angst vor der Reaktion ihres Mannes gehabt und die soziale Isolation gefürchtet, so das Gericht. Die Schwangerschaft hatte sie vor ihrer Familie und Bekannten geleugnet.

Das Gericht zeigte sich überzeugt, dass die Frau die Tat geplant und am Tag der Geburt umgesetzt hatte. "Sie wollte die Folgen für sich abwenden", so der Richter. Die Frau hatte während des Prozess jedoch angegeben, dass sie das Kind auf die Welt habe bringen wollen. Eine vorsätzliche Tötung hatte sie bereits bei ihrer Vernehmung durch die Polizei bestritten. Sie sei mit Schmerzen auf die Toilette gegangen, plötzlich sei alles voller Blut gewesen und sie habe in Panik mehrfach die Spülung gedrückt.

Danach habe sie den toten Säugling erblickt, den sie eingewickelt und in der Nähe ihrer Wohnung am Straßenrand vergraben habe. Gegen das Urteil kann innerhalb einer Woche Revision eingelegt werden.

dpa

21.02.2014
21.02.2014