Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Ein Dorf voll frommer Christen
Nachrichten Der Norden Ein Dorf voll frommer Christen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:29 18.09.2015
Von Gabriele Schulte
Foto: Das Geistliche Rüstzentrum in Krelingen ist wie ein Dorf im Dorf.
Das Geistliche Rüstzentrum in Krelingen ist wie ein Dorf im Dorf. Quelle: Uwe Dillenberg
Anzeige
Krelingen

Krelingen. Ein 24 Hektar großes Areal mit Kirche, Studien-, Tagungs- und Rehazentren, Gästehäusern, Gärtnerei, Buchladen, Reiterhof – das ist das Areal des selbstständigen Geistlichen Rüstzentrums in Krelingen bei Walsrode. Seit der Gründung im Jahr 1965 wurden zwar einige alte Zöpfe abgeschnitten - das Nein zur Frauenordination und die Ablehnung geschiedener Pfarrer etwa. Liberal aber, was hier als „grenzen- und normlos“ verstanden wird, will man bis heute nicht sein.

Seit 2008 leitet Martin Westerheide das Rüstzentrum, er hat selbst eine Pastorin zur Frau. Seine Art ist es nicht, „Sündern“ - wie einst - ein schlechtes Gewissen zu machen oder unter Androhung göttlicher Strafe um Spenden zu werben. „Ich schwärme von dem, was Pastor Kemner inhaltlich und strukturell geleistet hat“, sagt der 62-Jährige, gibt aber zu, dass er die Autobiografie des Gründers beim ersten Leseversuch in seiner Jugend „todlangweilig“ fand.

Nach Einschätzung langjähriger Beobachter, unter anderem in der Landeskirche, ist das Rüstzentrum tatsächlich deutlich moderner geworden. Fundamentalismus gibt es aber nach wie vor. Die Mitglieder lehnen Homosexualität und Sex vor der Ehe offen ab. „Unser Maßstab sind nicht gesellschaftliche und kirchliche Erwartungen“, predigt Westerheide. Die Bibel enthalte nicht nur Gottes Wort. „Sie ist Gottes Wort.“

Das sehen auch die jungen Männer und Frauen so, die sich mit Hebräisch-, Griechisch- und Lateinkursen im Studienhaus auf ihr Theologiestudium vorbereiten. „Hier ist man theologisch näher an der Bibel dran“, meint der 18-jährige Lukas, der in der Krelinger Studenten-WG in einer „coolen Gemeinschaft“ lebt, wie er sagt. Homosexualität und vorehelichen Geschlechtsverkehr hält er ebenso wenig für akzeptabel wie sein ein Jahr jüngerer Kommilitone Simon.

Das Rüstzentrum will Rüstzeug zum Glauben liefern, aber niemanden zwingen. Mittagsgebet und Andachten sind selbstverständlich. Ein 28-jähriger Auszubildender im Hauswirtschaftsbereich berichtet, er sei vor Jahren straffällig geworden und profitiere in Krelingen davon, feste Regeln einhalten zu müssen - zum Beispiel: kein Alkohol.

Die Landeskirche unterstützt Projekte und Pastorenstellen - sie will ein Abwandern treuer Mitglieder zu den Freikirchen verhindern. Der Spendenanteil lag zuletzt bei 10 Prozent. Anfangs war das Rüstzentrum zu 100 Prozent spendenfinanziert, Kemner hatte etwa den Kaufhausunternehmer Dodenhof für sich gewonnen und Gläubige ermuntert, die Seinen im Testament zu bedenken. Zu den Krelingen-Freunden zählte damals auch Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU). Immer noch treten gelegentlich CDU-Politiker, zuletzt David McAllister, als Redner beim Bauern- oder Familientag auf. Der aktuelle Landeschef Stephan Weil (SPD) war zum Jubiläum eingeladen, hat jedoch abgesagt.

Mehr zum Thema
Der Norden „Einst gedemütigt, heute abgespeist“ - Ehemalige Heimkinder fordern Entschädigung

Sie waren Kinder, als sie in Heimen der Kirche geschlagen, ausgebeutet, missbraucht wurden. Inzwischen sind die Frauen und Männer, die am Dienstag in Hannover demonstrierten, im Rentenalter. Sie fordern Entschädigung für das, was ihnen angetan wurde – und zwar das Zehnfache davon, was ihnen bislang ausbezahlt wurde.

Gabriele Schulte 08.09.2015
Panorama Sachsens neuer Landesbischof - "Homosexualität ist nicht Wille Gottes"

Homosexualität entspricht nach Ansicht des neuen Landesbischofs der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Carsten Rentzing, nicht dem Willen Gottes. "Diese Aussagen der Bibel machen es mir persönlich schwer, jemandem zu raten, dass er seine Homosexualität leben solle", sagte Rentzing der Zeitung "Die Welt".

22.08.2015
Aus den Stadtteilen Konstruktionsfehler treten nach mehr als 100 Jahren zutage - Ein Riss geht durch St. Johannis

Schwere Konstruktionsfehler zwingen zu einer aufwendiger Sanierung der Kirche St. Johannis in Misburg. Die Ursachensuche war Detektivarbeit: Schuld war eine zu schwache Mauer, auf der der Glocketurm ruht. 1,1 Millionen Euro muss die Kirche nun investieren, um den Bau zu retten.

18.09.2015
Der Norden Fall der Familie Schulze - Verschollen seit dem 23. Juli
17.09.2015
17.09.2015