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Der Norden Weihnachtsbäume zu vermieten
Nachrichten Der Norden Weihnachtsbäume zu vermieten
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21:42 30.10.2015
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Hildesheim

Wer die Lagerhalle von Oliver Fabig im Hildesheimer Stadtteil Itzum betritt, meint, in Santa Claus’ Werkstatt am Nordpol zu stehen. In den Regalen stapeln sich Christbaumkugeln, Kerzen und Ornamente in allen denkbaren Farben und Formen. Daneben kleine Engel, Pyramiden und Lichterbögen. Ganz klar: Fabig ist im Adventsgeschäft - doch der selbsternannte „Weihnachtsmann des Nordens“ verkauft die fertig geschmückten Plastik-Tannen nicht etwa, er vermietet sie.

Gleich nach dem Abitur hat der 49-Jährige begonnen, weihnachtliche Volkskunst aus dem Erzgebirge zu verkaufen. „Immer wieder wollten Kunden meine Tannen, die ich im Winter im Laden aufgestellt hatte, kaufen“, erinnert sich Fabig. Doch einfach so die liebevoll von Hand geschmückten Kunstwerke abzugeben, das kam für den Itzumer nicht infrage. Aber verleihen - das konnte er sich vorstellen. Und dass seine Mietbäume zumindest praktischer sind als echte Tannen oder Fichten - davon ist Fabig überzeugt: „Einen Baum aussuchen, ihn nach Hause und womöglich noch in den dritten Stock schleppen, dann nadelt er, die Wohnung sieht aus wie Sau, jedes Jahr schmückt man mit den gleichen Kugeln und dann schmeißt man das Ding weg - da ist mieten doch viel einfacher“, ist Fabig überzeugt. „Außerdem werden die Bäume immer wieder genutzt - nichts landet im Müll, und keine Tanne wird gefällt.“ Auf den weihnachtlichen Tannenduft müssen seine Kunden allerdings verzichten.

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Rund 550 Kunststoff-Tannen in allerlei Variationen und Größen bietet das Familienunternehmen mittlerweile an: von klassisch in Rot- und Goldtönen gehaltenen über Bäume, die auf dem Kopf stehen, bis hin zu Sonderanfertigungen im Afrika-Look mit Kugeln im Leopardenmuster. „Wir machen fast alles möglich - einmal sogar eine schwarz-rot-goldene Deutschlandtanne“, sagt Fabig.

Das Dekorieren eines drei Meter hohen Baums mit etwa 850 Kugeln, Ornamenten und Figuren sowie 2000 LED-Leuchten kann bis zu 15 Stunden dauern - und ist für den Mieter nicht ganz billig. Der günstigste Baum im Sortiment ist 1,85 Meter hoch und kostet 99 Euro. Wer eine 4,25 Meter hohe Tanne mit kuriosem Schmuck haben will, muss dafür allerdings bis zu 899 Euro hinlegen und bereits Anfang des Jahres seine Wünsche äußern: „Wer beispielsweise einen blauen Baum mit grünen Fröschen dran will, muss bis nächstes Jahr warten. Sonderwünsche nehmen wir nur von Januar bis März entgegen“, sagt Fabig. Doch das kommt selten vor. „Die Deutschen sind Gott sei Dank nicht so verrückt wie die Amerikaner.“ Dort habe er schon Bäume gesehen, die mit zig Gewürzgurken oder mit sich bewegenden Marionetten behangen sind. „Ganz so ausgefallene Sachen bieten wir dann doch nicht an.“

Ob man nicht irgendwann die Lust an den Feiertagen verliert? Darüber kann Fabig nur lachen. „Bei mir hält die Weihnachtsstimmung 365 Tage im Jahr - ich bin ja der ,Weihnachtsmann des Nordens‘.“

Von Lisa Malecha