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Der Norden Goslar trennt sich von Hitler
Nachrichten Der Norden Goslar trennt sich von Hitler
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00:15 09.08.2013
Von Michael B. Berger
„Ein politischer Akt tut not“: Rathaus von Goslar. Quelle: dpa
Goslar

Im September steht dieser Punkt auf der Tagesordnung des Kommunalparlamentes, die Fraktion der Linken hat einen entsprechenden Antrag gestellt – fast siebzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs.

Am 6. Oktober 1935 sei dem damaligen „Führer“ und Reichskanzler Hitler die Ehrenbürgerschaft der Harzstadt angetragen worden, berichtet Stadtsprecher Dirk Becker. Der „Führer“ sei persönlich nach Goslar gereist, das damals als „Reichsbauernstadt“ in der NS-Propaganda einen herausgehobenen Platz hatte. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe es seit den siebziger Jahren „immer wieder und unter wechselnden Hauptverwaltungsbeamten“ Versuche gegeben, die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Hitler zu widerrufen. Dies sei aber stets an dem juristischen Einwurf gescheitert, die Ehrenbürgerschaft habe sich bereits mit Hitlers Tod erledigt, berichtet Stadtsprecher Becker.

Ein prominenter Sohn der Stadt, der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel, hat diesen Einwand noch heute im Ohr. „Das wurde uns immer entgegengehalten, wenn wir als Jusos oder Falken die Aberkennung der Ehrenbürgerwürde forderten.“ Gabriel erinnert sich genau, welche fast feindselige Haltung ihm entgegenschlug, als er etwa am 9. November 1978 in Goslar am jüdischen Friedhof demonstrierte – exakt 40 Jahre nach der sogenannten Reichskristallnacht, als die Synagogen brannten: „Da beobachtete uns noch die politische Polizei.“ Goslar, so Gabriel, habe sich mit der Loslösung von der braunen Vergangenheit lange schwergetan – im Gegensatz zu anderen Städten. Die Landeshauptstadt Hannover tilgte am 9. November 1978 Hitler wie auch den NS-Erziehungsminister Bernhard Rust aus ihrer Ehrenbürgerliste.

Gerade wegen der nationalsozialistischen Vergangenheit hält Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk (CSU) „einen öffentlich wirksamen Akt“ der Distanzierung jetzt für geboten: „Juristisch will ich meine Vorgänger damit nicht korrigieren.“ Als „gut, wenn auch längst überfällig“, wertet der hannoversche Politologe Joachim Perels die späte Distanzierung. Die Begründung, dass die Ehrenbürgerwürde doch mit dem Tod erloschen sei, hält der Professor ohnehin für eine „technisch-juristische Verschleierung“: „Ein politischer Akt tut not.“

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