Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Grüne wollen Tribut der Hochkultur
Nachrichten Der Norden Grüne wollen Tribut der Hochkultur
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:15 04.04.2012
landtag-plenum.jpg
Landtag in Hannover: Die SPD hält wenig von dem Vorstoß der Grünen, die Kulturfördermittel zweckgebunden auszugeben. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

In der Debatte um die Kulturförderung bringen die Grünen im Landtag nun einen „zweckgebundenen Einsatz“ der Mittel ins Spiel. Gabriele Heinen-Kljajic, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, fordert, dass künftig alle öffentlichen Kultureinrichtungen verpflichtet werden sollen, einen verbindlich festgelegten Teil ihres Budgets in die Mobilisierung sogenannter kulturferner Schichten zu investieren. „Die Hochkultur darf nicht nur einer kleinen Elite vorbehalten sein“, sagt die Landtagsabgeordnete. „Sie muss sich genauso für soziale Randgruppen öffnen.“ Das CDU-geführte Wissenschaftsministerium wollte sich dazu nicht äußern.

Den Anstoß für die bundesweite Kulturdebatte hatte die Autorengruppe Knüsel mit ihrem Buch „Der Kulturinfarkt“ gegeben. Darin hatte die Autorengruppe gefordert, die Subventionen für Theater, Museen, Konzerthäuser und Bibliotheken in Deutschland um die Hälfte zu kürzen. Mit den eingesparten Millionen, so die These, könnte man wirklich zukunftsweisende Kulturförderung betreiben.

Das grüne Modell sieht vor, dass 15 Prozent aller öffentlichen Mittel der Kultureinrichtungen dazu bereitgestellt werden, neue Zuschauerschichten zu erschließen. Mit einer gezielten Ausweitung der Kunstvermittlung und des kulturpädagogischen Angebots sollen Migranten, soziale Randgruppen und Menschen aus sozial schwachen Milieus angeworben werden. „Die Häuser müssen sich stärker öffnen, Kunst lebt von Vielfalt“, sagt Heinen-Kljajic. Auch die Einrichtung sogenannter Kulturlogen, die unverkaufte Karten kostenlos an finanziell Bedürftige vermitteln, sei eine Möglichkeit kulturelle Angebote für neue Zielgruppen zu öffnen.

Die SPD hält wenig von dem Vorstoß der Grünen, die Kulturfördermittel zweckgebunden auszugeben. „Statt Vorschriften zu machen, sollten wir lieber eine dynamische Debatte mit den Häusern gemeinsam führen“, sagt Daniela Behrens, kulturpolitische Sprecherin der SPD. Die Landtagsabgeordnete glaubt, dass ein freier Eintritt zu Museen und anderen Kultureinrichtungen ein wirkungsvolleres Instrument sei. „Mit den Eintrittsgeldern fällt auch die Hemmschwelle“, meint Behrens.

Dass es eine Halbierung des Etats nicht geben dürfe darin sind sich die Parteien im niedersächsischen Landtag indes einig. „Mit dem Rotstift lässt sich kein neues Modell der Kulturförderung entwerfen“, sagt Heinen-Kljajic. „Eine Halbierung der kulturellen Infrastruktur würde insbesondere den ländlichen Raum treffen“, sagt Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU). Dort aber sei die Kultur wegen ihrer integrierenden Funktion besonders wichtig. Auch Daniela Behrens betont: „Gerade in Zeiten der Schuldendebatte muss das Ziel sein, die zur Verfügung stehenden Mittel zu halten.“

Beim Schauspielhaus Hannover jedenfalls ist man von der „zweckgebundenen Umwidmung“ nicht sonderlich begeistert: „Uns muss niemand zum Engagement für sogenannte kulturferne Schichten verpflichten“, sagt Intendant Lars-Ole Walburg zum Vorstoß der Grünen. „Wir haben Angebote, die sich auch oder gezielt an Migranten und Menschen aus sozial schwachen Milieus richten, schon immer im Programm.“

Klaus Wallbaum 04.04.2012