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Der Norden Gymnasiumbesuch scheitert am Schwimmunterricht
Nachrichten Der Norden Gymnasiumbesuch scheitert am Schwimmunterricht
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06:15 14.10.2012
Foto: Die zehnjährige S. darf nicht zum Schwimmunterricht. Der „Burkini“ war aus Sicht der Eltern keine Lösung.
Die zehnjährige S. darf nicht zum Schwimmunterricht. Der „Burkini“ war aus Sicht der Eltern keine Lösung. Quelle: Kohrs
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S. ist Muslima und will aus religiösen Gründen nicht am Schwimmunterricht teilnehmen. Der aber ist in Klasse 5 und 9 für jeweils ein Halbjahr vorgeschrieben. „Da gibt es keine Ausnahmen“, sagt Reinhard Weddig, Schulleiter des Goethegymnasiums, und verweist auf das Niedersächsische Schulgesetz. Nach Auskunft des Kultusministeriums in Hannover hat damit zum ersten Mal in Niedersachsen eine Muslima aus Glaubensgründen das Gymnasium verlassen.

Die Eltern der Zehnjährigen sind verärgert. „Seit den sechziger Jahren leben und arbeiten Moslems in Deutschland. Aber sobald sie ihre Religion aufrichtig leben, werden sie gezwungen, sich zu fügen“, sagt der Vater, der aus Marokko stammt. Er verweist auf den Koran: Allahs Gebote seien Gesetz für seine Familie. So verlange der Glaube zum Beispiel, dass die Menschen ihre Scham wahrten. Deshalb sei Schwimmunterricht unmöglich. Auch der „Burkini“, in dem das Mädchen verhüllt ins Wasser steigen könnte, sei keine Lösung. „Weil in dem Unterricht auch Jungen sind, die in Badehose zu sehen wären.“

Der Verwaltungsgerichtshof in Kassel hatte Ende September einen ähnlichen Fall zu entscheiden. Bei der Klage einer Zwölfjährigen ging es auch um die von der Schule geforderte Teilnahme am Schwimmunterricht. Integration verlange auch, dass Minderheiten sich nicht ausgrenzen, befand das Gericht.

Schulleiter Weddig sagt, er habe keinen Spielraum. „Wir haben jüdische, buddhistische und auch einige muslimische Schüler. Bislang haben wir noch nie Probleme gehabt, die sich aus den Religionen ergeben. Auch hat sich bislang noch keiner dem Schwimmunterricht verweigert.“
Die zehnjährige S. besucht inzwischen die IGS in Bad Salzdetfurth. Die Eltern wissen, dass das Problem lediglich verschoben ist – auf den nächsten Sommer, wenn die IGS-Schüler im Salzdetfurther Freibad Unterricht haben werden.

Ulrike Kohrs

Dirk Schmaler 11.10.2012
Vivien-Marie Drews 11.10.2012