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Der Norden Hauptschüler suchen eine Chance auf Ausbildung
Nachrichten Der Norden Hauptschüler suchen eine Chance auf Ausbildung
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00:15 09.05.2013
Lehrstelle verzweifelt gesucht: 20 Hauptschüler aus Hildesheim wollen unbedingt einen Ausbildungsplatz. Ihren Berufswunsch haben sie auf Plakate notiert. Quelle: Gossmann
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Hildesheim

Zum Beispiel die Geschwister-Scholl-Schüler in Hildesheim: Von den knapp 100 Abgängern haben erst 14 einen Ausbildungsplatz sicher oder fast sicher, wie Konrektor Reinhard Patzfahl berichtet. 20 Schüler haben sich jetzt entschieden, dem Problem ein Gesicht zu geben: Gemeinsam posieren sie für den Fotografen, jeder trägt ein Pappschild mit seinem Wunschberuf.

„Viele haben schon einen Misserfolg an einer anderen Schule hinter sich, im Klassenverband fällt es ihnen schwer, sich zu motivieren“, sagt Patzfahl. Ganz anders sehe es oft aus, wenn die Schüler bei Praktika in einen Betrieb hineinschnuppern - da zeigten sie dann, was in ihnen stecke. Geht es allerdings dann um einen konkreten Ausbildungsplatz, wird so mancher von seinem Zeugnis eingeholt. Der Konrektor weiß, worauf die Firmen achten. Es sind weniger die Noten in einzelnen Fächern, solche Fähigkeiten ließen sich nachholen. „Aber die sehen genau hin, wie viele Fehlzeiten jemand hat und wie das Arbeits- und Sozialverhalten aussieht.“

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Auch Realschüler bleiben ohne Lehrstelle. Klassen, in denen gerade mal zwei von 25 Jugendlichen einen Ausbildungsplatz haben, sind landauf, landab keine Seltenheit. Oft lockt auch die Aussicht auf einen höheren Schulabschluss. Manche hoffen, dass sie noch Abitur machen können. Katharina Baier von der Handwerkskammer Hannover rät aber nur denjenigen Jugendlichen, die wirklich Spaß am Lernen haben, weiterhin die Schulbank zu drücken. „Echte Arbeits-praxis ist für viele besser.“ Wer eine Absage bekommen habe, solle sich trotzdem weiterbewerben: „Im Handwerk geht das bis in den Oktober hinein.“ Und die Chancen auf eine Lehrstelle seien gut. 707 offene Stellen seien gerade im Angebot für das Kammergebiet, darunter Dachdecker, Elektroniker und Kfz-Mechatroniker. Baier rät, die Sommerferien für ein Kurzpraktikum zu nutzen, wenn man bei der Jobwahl noch nicht ganz sicher sei.

Bis Ende März hatten sich bei der Arbeitagentur 47.150 Jugendliche beworben, acht Prozent weniger als 2012. Im Flächenland Niedersachsen erhöht Mobilität die Chance auf einen Ausbildungsplatz. „Jugendliche, die nur sechs, sieben Kilometer fahren wollen, haben es schwer“, sagt Thomas Hildebrandt von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Oldenburg. Enge Kooperationen zwischen Firmen und Schulen seien hilfreich „Aber alles steht und fällt mit den Lehrern“, meint der IHK-Experte. Während es an Haupt- und Realschulen zahlreiche Projekte zur Berufsorientierung gebe, kümmere sich kaum jemand um Gymnasialschüler, die nach der 10. Klasse abgingen.

Hagen Eichler / Saskia Döhner