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Der Norden Arzt soll Patientinnen heimlich gefilmt haben
Nachrichten Der Norden Arzt soll Patientinnen heimlich gefilmt haben
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16:51 05.02.2014
Ein Hausarzt aus Osnabrück soll seine Patientinnen heimlich gefilmt haben.
Ein Hausarzt aus Osnabrück soll seine Patientinnen heimlich gefilmt haben. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Osnabrück

Ein Hausarzt in Osnabrück soll Hunderte seiner Patientinnen bei der Untersuchung heimlich gefilmt haben. Gegen den Mediziner werde wegen Verletzung der Intimsphäre ermittelt, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Die betroffenen Frauen seien der extra eingesetzten Ermittlungsgruppe der Polizei namentlich bekannt, sie werden nun zu Hause befragt. Geschädigte Patientinnen müssten sich nicht von sich aus bei der Polizei melden.

Fahnder waren bei anderen noch laufenden Ermittlungen auf einem Computer des Mediziners auf die Videoaufnahmen gestoßen. Weshalb die Beamten den Rechner des Arztes unter die Lupe nahmen, wollte die Polizei nicht sagen. Seit wann der Arzt die heimlichen Aufnahmen gemacht hat, steht noch nicht fest, sagte Polizeisprecher Phil Havermann. Der Mediziner nahm sich einen Anwalt. „Wir stehen noch ganz am Anfang, ich habe noch nicht einmal in die Akten geguckt“, sagte Rechtsanwalt Thomas Klein.

Die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Martina Wenker, äußerte sich zutiefst erschüttert über den Vorwurf der unerlaubten Anfertigung von Aufnahmen, bei dem viele Patientinnen geschädigt worden sein sollen. Angesichts der Art und der Schwere der Vorwürfe liege der Verlust der Approbation nahe, sagte Wenker am Mittwoch in Hannover. Zuständig sei der Niedersächsische Zweckverband zur Approbationserteilung.

Ärzte, die heimliche Intimaufnahmen von ihren Patientinnen machen, sind kein Einzelfall. In Rheinland-Pfalz kam kürzlich ein Frauenarzt vor Gericht, der zwischen 2008 und 2011 mit einer Digitalkamera Zehntausende Fotos von Patientinnen in der Umkleidekabine und im Untersuchungsraum gemacht hatte. Der 58-Jährige wurde vor zwei Monaten zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt und erhielt ein vierjähriges Berufsverbot.

dpa

04.02.2014
04.02.2014