Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Norden Nach dem Seitenwechsel
Nachrichten Der Norden Nach dem Seitenwechsel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:38 07.12.2014
Erst reden, dann spielen: Arwin Mostauli (Mitte) beim Verein „Zweikampfverhalten“.
Anzeige
Bramfeld

Er hat nicht darüber nachgedacht, warum er das tut. Er hat einfach angefangen, sich zu engagieren. Für die Kinder und Jugendlichen, die dort stehen, wo er selbst einmal stand. Auf der Seite derer, die schnell ausflippen, wenn ihnen etwas nicht passt. Die eine niedrige Frustrationsschwelle haben und schnell in Stress geraten. Es hätte für ihn auch anders kommen können, als er zum ersten Mal zu Zweikampfverhalten e. V. kam. Damals war Arwin 13, ein Talent auf dem Fußballplatz. Aber aggressiv und manchmal unberechenbar. Sein Trainer schickte ihn zum Coolnesstraining.

Held des Nordens

Alle weiteren Artikel über die "Helden des Nordens" lesen Sie auf unserer Themenseite.

Heute ist Arwin 19 Jahre alt und steht auf der anderen Seite. Ein junger Mann, der weiß, wie man sich auf dem Platz– und wie man sich im Leben verhält. Und der sich Zeit nimmt für die Jüngeren, die ähnliche Probleme haben, wie er sie hatte. Ein Held? Nein, das sei er nicht, findet Arwin. „Weil es doch selbstverständlich ist, sich für andere einzusetzen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken, sie auf die richtige Bahn zu bringen“, sagt er. Arwin Mostauli istTrainer. Einer, der bei „Zweikampfverhalten“ Kindern und Jugendlichen Werte und Regeln vermittelt und ihren Bewegungsdrang kanalisiert. Der die Jungs an die Hand nimmt, sie Fairness und Toleranz lehrt. Einmal in der Woche trifft er sich mit den Jungs, erst zum Gespräch, dann auf dem Fußballplatz. Sie sind zwischen neun und 14 Jahren, alle schwierig, einige von ihnen haben Ärger mit der Polizei.

Anzeige

Regeln lehnen die meisten von ihnen ab. Die Ziele von „Zweikampfverhalten“ sind Gewaltprävention und Kompetenzenerweiterung bei jungen Menschen. Durch die Kombination von Teamsport, Coolness- und Kompetenztraining sollen die Kreisläufe aus Aggressivität und Frustration durchbrochen werden. Gegründet wurde der Verein 2008 von der Sozialpädagogin und Kriminologin Rebekka Henrich. Sie wollte einen Ort schaffen, an dem Kinder und Jugendliche lernen, besser mit Provokationen umzugehen. Einer ihrer ersten Schüler war Arwin.

Er ist damals 13 Jahre alt. Seine Eltern sind 1997 von Afghanistan nach Deutschland geflohen. Da ist Arwin drei Jahre alt. Die Familie zieht nach Bramfeld, Arwin besucht das Gymnasium, er ist ein leidenschaftlicher Fußballer. Ehrgeizig, aber auf dem Platz nicht immer fair. „Ich stand damals an einer Weggabelung“, das ist ihm heute bewusst. Es hätte auch anders kommen können. Auch deshalb engagiert er sich für die Jüngeren. Weil er weiß, dass es manchmal ohne Hilfe nicht geht. Und dass Unterstützung im richtigen Moment und Maß Großes bewirken kann.

Seit zwei Jahren ist er im Team von „Zweikampfverhalten“ dabei. „Es macht mir Spaß zu sehen, wie sich die Jungs hier entwickeln“, sagt er. Zweieinhalb Stunden pro Woche trainiert er mit den jungen Teilnehmern. Die Jungs akzeptieren ihn, nicht nur als Coach, sondern auch als einen von ihnen. Und Arwin versteht die Jungs, weil er selbst einmal so getickt hat wie sie.

Warum er das alles in seiner Freizeit macht? „Weil es Spaß macht, Verantwortung zu übernehmen“, sagt er. Weil er „als extrem deutscher Afghane“ zwischen den Kulturen vermitteln kann. Und weil er eine ganz entscheidende Botschaft nicht nur gelernt hat, sondern auch lebt. Nämlich die: „Dass ein Gewinner keinen Verlierer braucht.“

Von Hanna Kastendieck

Mehr zum Thema
Der Norden Helden des Nordens 2013 - Die Marathonfrau

Manchmal sind es Kleinigkeiten, die den Ausschlag geben, um zu handeln. Im August 2008, Sigrid Bade war frisch aus dem Urlaub zurückgekehrt, berichtete ihr Sohn von Nazi-Aufmarsch, Gegendemo und einem Großaufgebot Polizei am Tag zuvor.

Christiane Eickmann 07.12.2014
Der Norden Helden des Nordens 2013 - Hilfe in der Einsamkeit

Hans Detlef und Gertrud Reichow betreuen den Flüchtling Bubakar Maigah. Das Ehepaar findet: Es sei eine Tragödie, dass Bubakar Maigah über so viele Jahre keine menschliche Wärme erfahren habe.

07.12.2014
Der Norden Helden des Nordens 2013 - „Allein bist du nichts“

Seit 22 Jahren ist Michael Raddatz Feuerwehrmann. Ehrenamtlich. „Weil ich einen Beitrag leisten will. Weil mir meine Mitmenschen am Herzen liegen.“ Viel hat der Berufssoldat seither erlebt, Freud und Leid. Doch der Sommer 2013 stellt all das noch in den Schatten.

07.12.2014
Der Norden Städtepartnerschaften in Niedersachsen - Aus Feinden wurden Freunde
13.12.2013