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Der Norden Hexen tanzen im Harz
Nachrichten Der Norden Hexen tanzen im Harz
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13:00 27.04.2012
Foto: Die größte Walpurgisfeier steigt auf dem Hexentanzplatz bei Thale.
Die größte Walpurgisfeier steigt auf dem Hexentanzplatz bei Thale. Quelle: dpa (Archivfoto)
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Thale

Ein bodenlanges, grünes Samtkleid, schwarze Handschuhe, eine Hakennase, eine skurrile Brille und eine Warze mitten im Gesicht: Verwandelt sich Martina Spier in Hexe Watelinde, wird jedes Klischee erfüllt. Im Kostüm verkauft die Mitarbeiterin der Tourist-Information Thale im Harz Eintrittskarten für die Walpurgisfeier auf dem Hexentanzplatz oberhalb von Thale - die laut Veranstalter größte Deutschlands. Mehr als 10.000 Menschen kommen jedes Jahr, um in den 1. Mai zu tanzen. So wie „Hexe“ Spier: „Da nehme ich aber meinen Besen mit.“

Die 49-Jährige und ihre Kollegen stimmen die Besucher jedes Jahr mit ihren Kostümen auf die Walpurgisfeier ein. „Wir animieren die Leute und helfen auch manchmal mit dem einen oder anderen Hexen-Utensil aus“, berichtet sie. Hier schnell eine Warze gemalt, da fix die Augenbrauen zusammengeklebt. Walpurgis ist für sie und ihre Mitstreiter der Höhepunkt des Jahres. Aber auch jenseits dieser Nacht schlüpfen sie in Hexen- oder Teufelskostüme und bieten Führungen über den Hexentanzplatz oder durch das Bodetal an.

Auf dem Hexentanzplatz steht Uwe Köhler und telefoniert. Der Elektriker muss noch 30 Scheinwerfer montieren und Stromanschlüsse verlegen. Köhler leitet den Tierpark auf dem Hexentanzplatz und übernimmt zur Walpurgisnacht die technische Leitung. „Ich warte noch auf 30 Klohäuschen“, sagt er.

„Das ist der Jahreshöhepunkt“, meint der 50-Jährige. 120 Künstler bieten ein Programm mit Grusel- und Unterhaltungseffekt. „Wir haben mehrere Bands, Theater, Stelzenläufer, Feuerkünstler und eine Lasershow“, berichtet er. „Wir machen Thale zur Walpurgishauptstadt.“ Wenn der Parkplatz am 1. Mai um 10 Uhr wieder für Touristen öffnet, wird jedoch von dem Spektakel nichts mehr zu sehen sein.

Annette Schnurre arbeitet beim ortsansässigen Harzer Bergtheater und wird zur Walpurgisnacht eine Art Veranstaltungsmanagerin. „Das Programm hat allgemein einen starken Bezug zu Walpurgis und den Harzer Mythen“, sagt sie. „Der Aufwand, den die Gäste betreiben, wird immer größer.“ So reisen Hexengruppen aus dem Ruhrgebiet an. Zu den Akteuren gehört auch das Ensemble des Freien Theaters Harz, dessen Stück „Mephistos Fluch“ Deutschlandpremiere hat.

In diesem Jahr richtet die Hexentanzplatz Thale GmbH die zehnte Walpurgisnacht auf dem Platz hoch über dem Bodetal im Ostharz aus. „Es gibt zwar Routine, aber die logistischen Herausforderungen sind enorm“, sagt Schnurre. Eine davon: Die Anreise der Gäste. Sie kommen entweder mit dem Bus - oder der Seilbahn. An den Kassen herrscht Gedränge. „Viele kaufen ihre Karten erst vor Ort, wegen des Wetters“, sagt Schnurre.

Die Ursprünge von Walpurgis gehen bis in die vorchristliche Zeit zurück. Damals brachten die Menschen ihren Göttern Opfer, um die Rückkehr des Frühling zu beschleunigen. Laut Tourismusverband kann das Fest in etwa 20 weiteren Orten des Harzes gefeiert werden. Viele Gäste zieht auch Schierke am Fuß des 1141 Meter hohen Brockens an. Auch Bad Grund, Hahnenklee und Sankt Andreasberg treiben mit Festen, Umzügen, Feuerwerk und Musik den Winter aus.

dpa

Klaus Wallbaum 26.04.2012
26.04.2012
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